Experte schätzt ein: Tiefe Sterblichkeit – wird Corona nun zur saisonalen Grippe?
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Experte schätzt einTiefe Sterblichkeit – wird Corona nun zur saisonalen Grippe?

Weil das Virus immer stärker der saisonalen Grippe ähnelt, dürften wir aus dem Schlimmsten raus sein, meint Marcel Battegay. Gewissheit gibt es allerdings noch keine. Neue Varianten  könnten nach wie vor zur Bedrohung werden.

von
Patrick McEvily
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Bilder wie dieses könnten auch im Herbst wieder auf die Schweiz zukommen. Viele fürchten eine neue Corona-Welle.

Bilder wie dieses könnten auch im Herbst wieder auf die Schweiz zukommen. Viele fürchten eine neue Corona-Welle.

20min/Matthias Spicher
Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene des Basler Universitätsspitals, geht allerdings nicht von einer ähnlich starken Welle aus, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben.

Manuel Battegay, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene des Basler Universitätsspitals, geht allerdings nicht von einer ähnlich starken Welle aus, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben.

Universität Basel/Andreas Zimmermann
In der Schweiz bestehe unter anderem dank der hohen Impfquote eine breitflächige Immunität.

In der Schweiz bestehe unter anderem dank der hohen Impfquote eine breitflächige Immunität.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Zurzeit scheint Corona wie vergessen: Die Infektionszahlen sind tief und nur noch wenige erkranken schwer nach einer Infektion. Dennoch blicken einige mit Bangen auf den Herbst. Sobald die Temperaturen wieder kühler werden, könnte es zu einem erneuten Anstieg kommen. Die Omikron-Variante umgeht in den meisten Fällen den bestehenden Impfschutz und es wurden bereits mehrere Subvarianten nachgewiesen.

Im Interview mit der «Sonntagszeitung» zeigt sich der Infektiologe Manuel Battegay vom Universitätsspital Basel dennoch optimistisch. Das Bild, das sich im Moment zeige, ähnele immer stärker den saisonalen Grippewellen, erklärt er darin. Er und weitere Experten gehen von einer hohen Immunitätsrate in der Schweiz aus. Zahlen aus dem Tessin und Zürich würden zeigen, dass fast alle Menschen hierzulande bereits eine Infektion durchgemacht hätten, geimpft worden seien, oder beides. 

Experten hoffen weiterhin auf polyvalenten Impfstoff

In der Schweiz wurden bislang über acht Millionen Infektionen mit dem Sars-Cov2-Virus registriert. Bei vielen der Ansteckungen aus den vergangenen Wochen und Monaten handelt es sich um Reinfektionen. Mit dieser Entwicklung einhergegangen ist eine erhebliche Reduktion der Anzahl Hospitalisierungen und Todesfälle. Zu Beginn der Pandemie lag das Sterberisiko nach einer Infektion zudem noch um zehn bis zwanzig Mal höher als bei der Grippe. Nun zeige sich eine gleich hohe oder sogar leicht tiefere Sterblichkeit. Man habe «im Zeitraffer» beobachten können, wie die Sterblichkeit bei Corona gesunken sei, meint Battegay.

Diese Entwicklung sei vor allem der Impfung zu verdanken, erklärt der Experte. In Gebieten mit tieferem Impfschutz – wie zurzeit etwa in Hongkong – könne man sehen, was geschehe, wenn eine Omikron-Welle auf eine nur ungenügend geschützte Bevölkerung treffe: Dort wurde die höchste je gemessene Todesrate bei Infizierten beobachtet. So könnte Sars-CoV2 in den kommenden Jahren noch «viel Leid verursachen». Sorgen machen Battegay vor allem neue Varianten oder Subvarianten bestehender Erreger. Es sei etwa nicht klar, wie weit verbreitet die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 zurzeit in der Schweiz sind, weil nur noch wenig sequenziert werde, warnt er.

Vom Tisch sind auch die Sorgen wegen Long Covid nicht. Wie viele Menschen nach der massiven Omikron-Welle im Frühjahr daran erkranken, ist weiterhin nicht abzuschätzen. Marcel Battegay verweist allerdings auf die bereits hohen Zahlen von bis zu zehn Prozent aller Infizierten, die auch Monate und Jahre nach einer Infektion noch an den Folgen litten. Im Herbst würden die Ansteckungszahlen mit Sicherheit wieder steigen, erklärt der Basler Infektiologe. Dann dürften auch Boosterimpfungen wieder zum Thema werden. Neue Impfstoffe, die speziell auf Omikron ausgerichtet seien, könnten dann zusätzlichen Schutz bieten. Oberstes Ziel müssten jedoch sogenannte polyvalente Impfstoffe bleiben, die für sämtliche Varianten Schutz bieten. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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