Umfrage-Ergebnis: Tiefer Röstigraben bei Einheitskassen-Initiative
Aktualisiert

Umfrage-ErgebnisTiefer Röstigraben bei Einheitskassen-Initiative

Die zweite Runde unserer Abstimmungsumfrage zeigt: Die Zustimmung zur Einheitskasse ist in der Deutschschweiz stark gesunken. Ganz anders sieht es in der Romandie aus.

von
J. Büchi

Hätten wir Anfang Woche über die Einheitskasse abgestimmt, hätten 49 Prozent dafür gestimmt - und 49 Prozent dagegen. Gemäss der zweiten Welle unserer Abstimmungsumfrage (siehe Box) liegen die Gegner und die Befürworter der Vorlage derzeit gleichauf - bei insgesamt zwei Prozent, die noch keine Angaben machen konnten.

Grosse Unterschiede offenbaren sich dagegen zwischen den verschiedenen Landesteilen. Die Deutschschweizer würden die Vorlage derzeit mit nur 43 Prozent Ja-Stimmen klar ablehnen. In der Westschweiz hingegen scharen die Initianten mit 66 Prozent Ja-Stimmen eine überwältigende Mehrheit hinter sich.

Einmal mehr dürfte sich am 28. September damit ein tiefer Röstigraben durch die Schweiz ziehen. Dies überrascht Politologe Georg Lutz nicht: In sozialpolitischen Fragen trete der Röstigraben oft besonders stark in Erscheinung. «Die Romands wollen tendenziell einen starken Staat, während in der Deutschschweiz Eigenverantwortung grossgeschrieben wird.»

Bürgerliche Wähler umgeschwenkt

Auffällig ist, dass in der ersten Umfragerunde noch kaum Unterschiede zwischen den beiden Landesteilen auszumachen waren - beide Sprachregionen hegten Sympathien für die Idee einer öffentlichen Krankenkasse. Dass die Zustimmung in der Deutschschweiz inzwischen sank, liegt wohl vor allem an den bürgerlichen Wählern: Drückten viele von ihnen in der ersten Umfragerunde noch ihre Zustimmung für die Einheitskasse aus, sind sie nun grossmehrheitlich auf die Nein-Parole ihrer Parteien eingeschwenkt.

Ausgeglichener präsentiert sich das Resultat bei den Antworten zur Mehrwertsteuer-Initiative: In der Deutschschweiz wollen 49 Prozent das Volksbegehren annehmen, in der Romandie sind es 51. Die Befürworter und die Gegner teilen sich also in beiden Sprachregionen in zwei ungefähr gleiche Lager auf.

Zur Umfrage

17'276 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 1. und 2. September an der zweiten Welle der Online-Umfrage von 20 Minuten zu den Abstimmungen vom 28. September teilgenommen. Die Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen haben die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen gewichtet, sodass die Stichprobe möglichst gut der Struktur der Stimmbevölkerung entspricht. (jbu)

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