Aktualisiert 05.01.2011 15:31

Urheberrecht

Tiefere Preise für iPod und Co.

MP3-Player sind günstiger zu haben, weil die Suisa-Gebühren sinken. Dafür werden in Zukunft Smartphone-Käufer zur Kasse gebeten.

von
Daniel Schurter
Für MP3-Player sind seit 1. Januar tiefere Gebühren fällig.

Für MP3-Player sind seit 1. Januar tiefere Gebühren fällig.

Per 1. Januar 2011 sind die Urheberrechtsgebühren für MP3-Player gesenkt worden. Der entsprechende Tarif, den die Urheberrechtsgesellschaft Suisa im Auftrag der Künstler und Rechteinhaber erhebt, beträgt neu maximal 70 Rappen pro Gigabyte (GB).

Der Gerätehersteller Apple hat bereits auf die Suisa-Gebührensenkung reagiert. Dies zeigt sich im Online-Apple-Store an Preisnachlässen für die verschiedenen iPod-Modelle. Neu kostet etwa der iPod Classic mit 160 GB Speicherkapazität 359 Franken.

Das sind 90 Franken weniger als im letzten Jahr, konstatiert der Blog Macprime. Und gleichzeitig ist es immer noch massiv mehr, als grosse Zwischenhändler und einschlägige Online-Shops zurzeit verlangen. So kostete das gleiche iPod-Modell gestern bei Digitech.ch 309 Franken.

In nächster Zeit dürfen weitere MP3-Händler nachziehen. Der Schweizer Preisüberwacher, Stefan Meierhans, erwartet, dass die Suisa-Tarifsenkungen an die Kunden weitergegeben werden. «Der Wettbewerb spielt in diesem Bereich», ist er überzeugt. Er sei zwar nicht in der Lage, zu kontrollieren, ob alle Anbieter die Preisanpassungen nach unten vornehmen, verfolge die Entwicklung aber genau.

Umstrittene iPod-Steuer

Die sogenannte «iPod-Steuer» ist seit der Einführung 2008 innert eineinhalb Jahren zum zweiten Mal gesenkt worden. 2008 nahm die Suisa fast 34 Millionen Franken ein und verteilte das Geld anschliessend an die Inhaber der Urheberrechte. 2009 – nach der ersten Gebührensenkung – flossen noch gut 24 Millionen an die Rechteinhaber.

Die Tantiemen fürs 2010 werden laut Suisa-Mediensprecher Martin Wühtrich nochmals «wesentlich tiefer» ausfallen. Grundsätzlich sollen die Händler jeweils innert Monatsfrist die aktuellen Verkaufszahlen melden. Doch fehlt ausgerechnet noch das vierte Quartal mit dem aus Händlersicht entscheidenden Vorweihnachts- und Weihnachtsgeschäft. Die genauen Zahlen werden darum voraussichtlich erst im April bekannt.

Wie schwer die aktuelle Gebührensenkung für die Suisa und ihre Partner wiegt, kann der Mediensprecher nicht sagen.

Noch keine Handy-Steuer

Wer braucht noch einen MP3-Player, wenn das Handy diese Aufgabe übernimmt? Die Suisa hat darum ihren Gebührenkatalog vor Jahren um den Tarif «4e» erweitert. Dieser sieht vor, dass auch für Smartphones mit Multimedia-Funktion eine Urheberrechtsgebühr zu entrichten ist. Die zuständige eidgenössische Schiedsgerichtskommission hat den Tarif im April 2010 gegen den Willen der Nutzerverbände gutgeheissen. Deren Kritik: Durch den 4e-Tarif würden auch Handybesitzer bestraft, die gar keine Musik speichern. Noch ist der Entscheid aber nicht rechtskräftig. Der IT-Branchenverband Swico hat ihn angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht wird voraussichtlich im Frühjahr entscheiden.

Umstritten ist seit jeher die Höhe der Urheberrechtsgebühr. Nach zähen Verhandlungen der verschiedenen Interessenvertreter soll der Tarif bei den Smartphones 30 Rappen pro Gigabyte betragen. Beim Kauf eines iPhone mit 16 Gigabyte Speicherplatz würden demnach 4.80 Franken fällig.

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