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QualzuchtenTierärzte kämpfen gegen die Haltung von Möpsen

Hundehalter kaufen immer häufiger Französische Bulldoggen, Möpse oder Boston Terrier. Doch die Tiere leiden. Nun handeln Ärzte.

von
Stefan Ehrbar
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Zu den Rassen mit häufigen gesundheitlichen Problemen wegen einer zu kurzen Nase gehört etwa der Mops. Die Beliebtheit der Rasse ist in der Schweiz in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen.

Zu den Rassen mit häufigen gesundheitlichen Problemen wegen einer zu kurzen Nase gehört etwa der Mops. Die Beliebtheit der Rasse ist in der Schweiz in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen.

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Auch die Hunde der Rasse Lhasa Apso werden in die Kategorie der «Qualzuchten» eingereiht. Auch ihr Kopf und ihre Nase sind häufig zu kurz, um beschwerdefrei leben zu können.

Auch die Hunde der Rasse Lhasa Apso werden in die Kategorie der «Qualzuchten» eingereiht. Auch ihr Kopf und ihre Nase sind häufig zu kurz, um beschwerdefrei leben zu können.

Melissa Phillip
Auch die Boston Terrier werden in einem Positionspapier der Schweizer Kleintierärzte zu den Rassen mit häufiger Kurzköpfigkeit gezählt.

Auch die Boston Terrier werden in einem Positionspapier der Schweizer Kleintierärzte zu den Rassen mit häufiger Kurzköpfigkeit gezählt.

Peter Kramer

Sie sind die Trendprodukte unter den Hunden: Möpse, Boston Terrier, Englische und Französische Bulldoggen. Die Tiere haben nicht nur eine steigende Beliebtheit gemeinsam, sie leiden auch alle unter der Kurzköpfigkeit.

Diese Hunde mit kurzen Nasen haben häufig Mühe mit dem Atmen. Sie erbrechen oder würgen, weil ihr Atemkreislauf eingeengt ist. Typische Symptome sind Schnarchen oder zischende Geräusche. Viele Hunde können nur kurze Spaziergänge unternehmen.

Kampagne gegen «Qualzuchten»

Während die Arten früher ein Schattendasein fristeten, ist die Französische Bulldogge mittlerweile die viertbeliebteste Hunderasse der Schweiz. Die Importe stiegen von 417 im Jahr 2009 auf knapp 1000 im Jahr 2014. Auch bei den Möpsen stieg die Zahl der Importe im selben Zeitraum um fünf Prozent auf 463 pro Jahr.

Schweizer Tierärzte kämpfen nun gegen die auch als «Qualzuchten» bekannten Rassen – mit einer Kampagne. Mit anderen Vereinigungen in den Nachbarländern werde zurzeit eine Aktion geplant, sagt Marie Müller von der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin. In den nächsten Monaten soll die Kampagne starten. «Das Problem der Qualzuchten, vor allem die Kurzköpfigkeit, ist sehr aktuell», sagt sie.

«Hunde erwachen kurz vor dem Ersticken»

In einem Positionspapier begründen die Tierärzte ihren Einsatz. «Es ist nicht normal, dass Hunde von Natur aus so stark leiden müssen und nachts manchmal sogar keinen Sauerstoff bekommen, bevor sie kurz vor dem Ersticken aufwachen und nach Luft japsen.»

Den einzelnen Hunden könne mittels Nasenweitungen oder dem Entfernen von Anteilen der Nasenmuscheln zwar etwas geholfen werden. Eine artgerechte Wiederherstellung sei aber nicht möglich.

Hunde aus dem Ausland leiden mehr

Nachhaltiger sei die Rückzüchtung auf Hunde, die nicht so kurze Nasen haben. Eine Untersuchung der Burgergemeinde Bern hat gezeigt, dass viele der heute leidenden Hunde vor hundert Jahren signifikant längere Nasen hatten. Die Tierärzte empfehlen Haltern, sich die Frage zu stellen, ob es ein kurznasiger Hund sein muss. Ein Indiz für künftige Probleme kann sein, wenn bereits die Elterntiere Mühe haben.

Auch solle man sicherstellen, aus welcher Zucht der Hund komme, denn in der Schweiz bemühten sich die Züchter sehr – aber mehr als die Hälfte der betroffenen Hunde sei aus dem Ausland importiert oder komme aus nicht zertifizierten Zuchtstätten.

«Was als modern gilt, wird produziert»

Ähnlich sieht das die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG) als Dachverband der Hundezüchter. «Das Problem sind die unkontrollierten Züchter, die sich ausschliesslich an den Markt richten und nicht aus Liebe zum Hund handeln», sagt Geschäftsführer Andreas Rogger.

Kontrollierte Züchter hätten Probleme wie Kurzköpfigkeit viel besser im Griff. «Bei der Französischen Bulldogge hatten wir letztes Jahr etwa hundert Welpen von kontrollierten Züchtern und ein Vielfaches davon unkontrolliert.» Dafür, was als modern angesehen werde, gebe es einen Markt, auch wenn das teilweise fragwürdig sei.

«Kampagne dient der Kundenbindung»

Eine isolierte Kampagne nur gegen die Kurzköpfigkeit sei nicht zielführend und diene den Tierärzten wohl auch zur Kundenbindung. «Das Problem ist generell die Art der Hundeauswahl und die Leute, die Hunde als Konsumgut und Modeprodukt interpretieren», sagt Rogger.

Er empfehle jedem Hundehalter, sich zuerst zu überlegen, was man genau für einen Hund wolle, was man ihm bieten könne – und ob man auch die Zeit für ihn habe.

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