Tierarzt nach Vogelgrippe-Fall im Krankenhaus
Aktualisiert

Tierarzt nach Vogelgrippe-Fall im Krankenhaus

Nach dem Vogelgrippe-Fall in Grossbritannien ist ein Tierarzt ins Krankenhaus gebracht worden, der auf der betroffenen Geflügelfarm im Einsatz war.

Wie die britische Gesundheitsbehörde (HPA) am Dienstag mitteilte, leidet er unter einer leichten Atemwegserkrankung und unterzieht sich verschiedenen Tests.

Es sei unwahrscheinlich, dass der Veterinär mit dem auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus in Kontakt gekommen sei, betonte das Umweltministerium. Der Mann habe vollständige Schutzkleidung getragen. Auf der Geflügelfarm in Holton, rund 130 Kilometer nordöstlich von London, wurden alle 159 000 Truthähne gekeult, nachdem in der vergangenen Woche 2500 Tiere an H5N1 verendet waren.

EU mahnt zu Stallpflicht in Risikoregionen

Nach dem Vogelgrippe- Ausbruch in Grossbritannien soll das Geflügel in Risikoregionen EU-weit im Stall bleiben. Die Experten der EU-Staaten riefen am Dienstag zudem zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Bei ihrem Treffen in Brüssel riefen die Veterinärexperten die EU- Staaten auf, ihre Massnahmen dahingehend zu überdenken. Sie lobten die britische Regierung für das schnelle Handeln nach dem Ausbruch der Vogelgrippe.

Zur Impfung von Tieren, wie sie vergangenes Jahr in Frankreich und den Niederlande durchgeführt wurde, raten die Fachleute nur unter bestimmten Umständen. Eine ausgedehnte Impfung von allen Geflügel-Farmen wird als nicht machbar beurteilt.

Kein «Killer-Virus» für den Menschen

Wie die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) derweil in Paris mitteilte, gleicht der in Grossbritannien aufgetretene H5N1- Vogelgrippe-Virus dem kürzlich in Ungarn entdeckten Typ. Bei beiden handle es sich um den asiatischen Stamm.

Zu einer möglichen Pandemie beim Menschen gab die OIE Entwarnung: Das bei Vögeln vorkommende Virus H5N1 habe sich seit vergangenem Jahr nur geringfügig verändert, sagte OIE- Generaldirektor Bernard Vallat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Trotz der weltweiten Verbreitung des H5N1-Virus sei noch kein «Killer-Virus» entstanden, das sich von Mensch zu Mensch verbreite. Damit sei das Risiko einer weltweiten Epidemie im Moment «gleich Null», erklärte Vallat.

Grossbritannien: Suche nach Überträger

Wie der britische Umweltminister David Miliband der BBC am Dienstag sagte, habe es «oberste Priorität» festzustellen, wie das H5N1-Virus in den Betrieb gelangen konnte. Miliband hält die Übertragung durch einen Wildvogel am wahrscheinlichsten.

Etwa 160 000 Truthähne des Unternehmens Bernard Matthews waren innerhalb von 48 Stunden getötet worden. Rund um den Mastbetrieb in der Nähe von Holton in der südostenglischen Grafschaft Suffolk gilt seit dem Wochenende eine Drei-Kilometer-Schutzzone.

Das britische Gesundheitsministerium hat nach BBC-Angaben zudem den Rat von Experten befolgt und seinen Vorrat an dem Grippemedikament Tamiflu erhöht. Die britischen Behörden versichern aber weiterhin, dass für Menschen kaum eine Gefahr bestehe.

Importstopps «unverhältnismässig»

Frankreich verschärfte derweil die Kontrollen und den Schutz seines Geflügels. Wie eine Sprecherin des britischen Landwirtschaftsministeriums mitteilte, untersagten zudem Russland, Japan, Hongkong, Südkorea, Südafrika und Jersey die Einfuhren aus Grossbritannien. Gemäss Agenturangaben stoppte auch die Ukraine die Einfuhren.

Aus der Sicht der EU-Kommission sind solche Importstopps für britischen Geflügel «unverhältnismässig», wie ein Sprecher in Brüssel sagte. Die EU-Kommission unterstütze die britischen Behörden bei ihren Bemühungen, Drittstaaten davon zu überzeugen.

Die Vogelgrippe erreichte derweil auch den Süden Russlands. Wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf die Verbraucherschutzagentur berichtete, wurde das H5N1-Virus Ende Januar in einer Zucht in der Region Krasnodar nachgewiesen.

Der Vogelgrippe-Erreger hat seit Ende 2003 mindestens 165 Menschen weltweit das Leben gekostet. Experten befürchten, dass sich das Virus verändern und direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. (dapd)

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