«Pony-Quälerei für Kinder-Spass»: Tierfreunde wettern gegen World Vision Schweiz
Aktualisiert

«Pony-Quälerei für Kinder-Spass»Tierfreunde wettern gegen World Vision Schweiz

Um auf das Elend von Kindern aufmerksam zu machen, veranstaltete World Vision Schweiz in Basel ein Ponyreiten. Auf Facebook folgten deswegen wütende Kommentare.

von
vro
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Das Ponyreiten vom vergangenen Samstag in Basel zog einen regelrechten Shitstorm nach sich.

Das Ponyreiten vom vergangenen Samstag in Basel zog einen regelrechten Shitstorm nach sich.

Facebook/World Vision Schweiz
Jetzt hat World Vision Schweiz reagiert. Die geplante Veranstaltung vom Samstag, 21. März 2015, in Basel wurde abgesagt.

Jetzt hat World Vision Schweiz reagiert. Die geplante Veranstaltung vom Samstag, 21. März 2015, in Basel wurde abgesagt.

Facebook/World Vision Schweiz

Eigentlich wollte sich World Vision Schweiz mit der Aktion für Kinder in Not einsetzen. Doch die Idee kam nicht so gut an wie erhofft. Im Rahmen der Kinderinitiative, wie die Sensibilisierungskampagne heisst, veranstaltete die Organisation in Basel ein Ponyreiten. Als sie am Mittwoch Bilder davon auf Facebook stellte, folgte ein böses Erwachen.

«Unfassbar! Pony-Quälerei für Kinder-Spass?», schreibt ein Facebook-Mitglied. «Bescheuerte Aktion von Euch - man sollte Kinder & Tiere schützen», schreibt eine Frau. Eine Andere: «Ihr solltet euch schämen. Das ist Tierquälerei.» Im Minutentakt erschienen neue, wütende Kommentare. Immer wieder verwiesen die verärgerten Leute auf einen Bericht von PetaKids, in dem das Ponykarussell heftig kritisiert wird.

Lärm als Stressfaktor

Helen Sandmeier, Sprecherin des Schweizer Tierschutz STS, betont, dass das Ponykarussell nicht per se Tierquälerei sei. «Wenn die Ponys regelmässige Pausen haben und sich ausruhen und zurückziehen können, ohne von Kindern berührt zu werden, ist es in Ordnung.» Ob man die Aktion gut finde oder nicht, liege allerdings im Ermessen jedes Einzelnen.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten Schweiz steht Ponykarussells kritisch gegenüber, wie Kampagnenleiterin Melanie Balasopulos erklärt. «Der Lärmpegel, der an solchen Veranstaltungen herrscht, ist ein grosser Stressfaktor für die Tiere.» Auch dass sie stets im Kreis gehen müssen und eine adäquate Unterbringung an Jahrmärkten und ähnlichem meist nicht möglich sei, spreche gegen solche Attraktionen. «Es gab in der Vergangenheit bereits Ponys, die irgendwann Verhaltensstörungen entwickelten», sagt Balasopulos.

«Hätten moralische Argumente stärker prüfen müssen»

Bei World Vision Schweiz zeigt man Verständnis. «Beim Pony-Reiten in Basel gingen wir davon aus, dass wir alle Abklärungen getroffen und die Anforderungen zum Wohl der Tiere übertroffen haben», schreibt Jürg Hostettler, Leiter Kommunikation. Die Bestimmungen des Basler Veterinäramts seien eingehalten worden und der Veranstalter könne auf 50 Jahre Erfahrung zurückblicken. Der Organisation sei es wichtig, «dass den Tieren psychologisch und physiologisch Sorge getragen wird».

Trotzdem hat man jetzt reagiert. Die für Samstag geplante Aktion in Zürich wurde am Mittwoch abgesagt. «Wir sehen ein, dass wir die moralischen Argumente stärker prüfen müssen», schreibt Hostettler. Falls man je wieder Tiere in eine Veranstaltung einbinden möchte, werde man mit Tierschutzorganisationen zusammenarbeiten. Tierrechtler freuts: «Wir begrüssen den Entscheid von World Vision», sagt Balasopulos von Vier Pfoten Schweiz.

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