Aktualisiert 18.03.2010 09:51

Letzte Ruhe für VierbeinerTierkrematorium statt Kadaversammelstelle

Immer weniger Haustierhalter sind bereit, ihr verstorbenes Tier auf einer Kadaversammelstelle zu entsorgen. Deshalb boomen Tierkrematorien. Soeben ist in Rüti ein solches eröffnet worden.

von
Johanna Wedl, SDA

Tierkrematorien scheinen im Trend zu sein. In Rüti ZH, wo ein solches Mitte März eröffnet worden ist, wurde als einer der Ersten ein Hund eingeäschert.

Vor über einer Woche hat Merlin zum letzten Mal geatmet. Nachdem sein Besitzer vom Vierbeiner Abschied genommen hatte, brachte er ihn ins Tierkrematorium nach Rüti ZH. Eröffnet wurde es am 15. März 2010 auf Initiative von Konrad Risch und Urs Kapp, der zuvor zehn Jahre in einem Human-Krematorium gearbeitet hatte.

Acht Tierkrematorien in der Schweiz

Immer öfter hätten Hinterbliebene den Wunsch an ihn herangetragen, auch ein Haustier kremieren zu lassen, erläutert Betriebsleiter Kapp die Entstehungsidee. Im Grossraum Zürich würde die Hälfte der verstorbenen Haustiere kremiert, ergänzt Mitinhaber Konrad Risch. In der ganzen Schweiz gibt es acht Tierkrematorien.

Haustiere zählten in einigen Familien als vollwertiges Mitglied, fügt Risch an. «Das Tier dient nicht mehr bloss der Arbeit.» Viele Besitzer brächten es nicht übers Herz, ihren «Partner» auf einer Kadaversammelstelle zu entsorgen.

Tote Tiere erhalten Namensplakette

Die meisten toten Tiere werden von Kapp oder einem Mitarbeitenden bei Tierärzten abgeholt. Etwa vier von zehn verstorbenen Lieblingen bringen die Besitzer selbst. Sie können sich in einem «Raum der Stille» von ihnen verabschieden, auf Wunsch mit einer speziellen Zeremonie. Diese wird beispielsweise von einem Pfarrer oder einer Trauerbegleiterin gehalten. Merlin lagert bereits in einem Kühlraum. Zu Lebzeiten wog er dreissig Kilo, nun liegt sein Körper in einem weissen Plastiksack. Vor der Kremation erhält der Hund eine feuerfeste Plakette mit seinem Namen und einer Nummer, die danach zur Identifikation dient.

Das tote Tier wird im Plastiksack auf ein Gerät gelegt, das es in den Ofen schiebt. Dieser ist 1,50 Meter lang und etwa 80 Zentimeter breit, im Inneren wird es bis 1100 Grad heiss. Bis zu hundert Kilogramm schwere Tiere können darin eingeäschert werden.

Tiere bis zu 12 Kilogramm finden in zwei weiteren, kleineren Öfen Platz. Nicht kremiert werden Spinnen oder Schnecken, weil sie keine Wirbel haben. Während der Betrieb läuft, kontrolliert eine Person die Anlage.

Bau kostete drei Millionen

Auf dem Areal des Tierkrematoriums befand sich früher eine Hundeschule. Der Neubau des Krematoriums kostete drei Millionen Franken, allein die Ofenanlage rund eine Million. Nach sechs Monaten soll der Betrieb laut Risch selbsttragend und spätestens nach drei Jahren profitabel sein. Merlins Einäscherung dauert gegen 40 Minuten, die Besitzer müssen dafür rund 300 Franken bezahlen. Eine Katzen-Kremation kostet je nach Gewicht des Tieres bis zu 245 Franken. Neben Privatpersonen können auch Unternehmen wie der Zoo Tiere kremieren lassen, betont Kapp.

Die Überreste, bei Merlin 500 bis 700 Gramm Asche und Knochen, finden in einer kleinen Holzkiste oder einer Urne Platz. Die Asche kann auch zu Diamanten gepresst und als Schmuckstück getragen werden. Merlins Besitzer kann seinem Hund ein weiteres Andenken errichten: Auf der Internetseite des Tierkrematoriums richtet er eine virtuelle Grabstätte ein. Der so genannte Tierhimmel ist eine Landschaft, in der neben dem Grab auch Fotos und Texte hinterlegt sowie Abschiedsworte hinterlassen werden können.

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