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«Netz Natur»«Tierli-Moser» nervt Bauern mit Pestizid-Sendung

In einer der letzten «Netz Natur»-Sendungen zerlegt Andreas Moser die aktuelle Landwirtschaftspolitik. Der Bauernverband wirft SRF vor, eine Kampagne zu führen.

von
Pascal Michel
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«Es klingt wie David gegen Goliath: Winzige Lebewesen sollen den Boden ebenso fruchtbar machen wie eine hoch technisierte Landwirtschaft»: So kündigt «Netz Natur» die Sendung vom 10. Dezember an.

«Es klingt wie David gegen Goliath: Winzige Lebewesen sollen den Boden ebenso fruchtbar machen wie eine hoch technisierte Landwirtschaft»: So kündigt «Netz Natur» die Sendung vom 10. Dezember an.

Screenshot SRF
Darin zeigt Andreas Moser anhand verschiedener Beispiele, dass es Alternativen zur aktuellen Form der Landwirtschaft gibt.

Darin zeigt Andreas Moser anhand verschiedener Beispiele, dass es Alternativen zur aktuellen Form der Landwirtschaft gibt.

Screenshot SRF
Zu Wort kommt etwa Roland Lenz aus Uesslingen TG, der Wein ohne Pestizide anbaut.

Zu Wort kommt etwa Roland Lenz aus Uesslingen TG, der Wein ohne Pestizide anbaut.

Screenshot SRF

Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft polarisiert. Deshalb wollte SRF-Moderator und Biologe Andreas Moser das Thema in der aktuellen Ausgabe (10. Dezember) der Sendung «Netz Natur» aus «wissenschaftlicher und biologischer Sicht» beleuchten.

Dabei kommt er zum eindeutigen Schluss: Der Pestizideinsatz von Schweizer Bauern schadet der Biodiversität, der Bodenfruchtbarkeit sowie dem Trinkwasser stark und ist eigentlich vermeidbar. Er zeigt auch auf, wie ein Apfelbauer, ein Winzer oder der Betreiber einer Permakultur Alternativen zur industriellen Landwirtschaft vorleben.

Für «Netz Natur» ist der Fall klar

In der Abmoderation stellt Moser fest: «Unsere Recherche zeigt, dass es natürlich möglich ist, Lebensmittel naturnah zu produzieren, ohne Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger.» Es sei zudem eindeutig nachgewiesen, dass das Trinkwasser in Landwirtschaftsgebieten durch Pestizide stark belastet sei. «Warum setzen die Landwirtschaft, Politik, Behörden und Forschung nicht alles daran, die Belastung zu reduzieren? Warum subventioniert man weiter die intensive Landwirtschaft und unterstützt nicht mehr Alternativen?», fragt er.

Bei Befürwortern der konventionellen Landwirtschaft kommt Mosers Fazit schlecht an.

Auch Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbands, ist wenig begeistert vom «unausgewogenen Beitrag», in dem kein einziger Vertreter der konventionellen Landwirtschaft zu Wort gekommen ist. «Das Schweizer Trinkwasser ist von hervorragender Qualität. Bei den sehr hohen Grenzwerten müsste man Tausende Liter Wasser trinken, damit es sich überhaupt negativ auf die Gesundheit auswirken könnte», sagt Schneider zu 20 Minuten.

Bei der Ombudsstelle der SRG ist für die «Netz Natur»-Sendung eine Beschwerde eingegangen, wie es auf Anfrage heisst. Diese stammt jedoch nicht vom Bauernverband. Dieser schaltet noch einen Gang höher.

«Kein Einzelfall»

«Dass SRF über Landwirtschaftsthemen unausgewogen berichtet, ist leider kein Einzelfall», sagt Schneider. Er stellt ein Muster in der SRF-Berichterstattung fest und verweist auf einen aktuellen «Eco»-Beitrag (7. Dezember), bei dem es um die zu hohe Ammoniakbelastung geht. Ebenfalls stört sich Schneider am Beitrag des «Kassensturzes», der jüngst einen Test zur Pestizidbelastung von Schweizer Weinen gesendet hatte (8. Dezember).

«Das geht so nicht», sagt Schneider. Bereits bei der SRF-Berichterstattung zum Jagdgesetz habe man wegen fehlender Ausgewogenheit schriftlich interveniert. Jetzt fordert Schneider den SRF-Chefredaktor, Tristan Brenn, zu einer Aussprache auf. «Wir werden in Kürze Termine vorschlagen.» Es gehe nicht an, dass SRF systematisch Bauern, die offiziell bewilligte Pflanzenschutzmittel einsetzten, in ein schlechtes Licht rücke.

Der Bauernverband rüstet sich damit bereits jetzt für den anstehenden Abstimmungskampf im Frühling. Denn am 13. Juni kommen die Trinkwasserinitiative sowie das Verbot synthetische Pestizide zur Abstimmung. «Wir erhoffen uns durch die Aussprache auch mit Blick auf die Abstimmung eine Sensibilisierung für eine ausgewogene Berichterstattung», sagt Schneider.

SRF ist offen für Diskussion

Auf Anfrage erklärt SRF, die Redaktion werde fristgerecht ihre Stellungnahme der Ombudsstelle abgeben, man wolle hier nicht vorgreifen. Zur Aussprache mit dem Bauernverband sagt eine Sprecherin: «Gibt es weiteren Klärungsbedarf, ist SRF grundsätzlich offen dafür. Dies tragen wir aber nicht über die Medien aus.»

SRF lässt die Sendung «Netz Natur» nächstes Jahr auslaufen, Andreas Moser wird im Frühjahr pensioniert. Geplant sind noch zwei neue Sendungen. Wird Moser nochmals politisch brisante Themen aufgreifen? «In Bezug auf weitere Sendungen ist Netz Natur bis zum Auslaufen der Serie im nächsten Jahr frei in der Themenwahl und hält sich dabei an die publizistischen Leitlinien, worin auch Regeln in Bezug auf Termine vor Abstimmungen definiert sind», so die Sprecherin.

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247 Kommentare
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SchafimMoserpelz

22.12.2020, 10:19

Zur Mosertierlisendung vor der Jagdgesetztabstimmung: "Es gibt auch Wölfe die Angst haben vor Schöfli", meinte er im zweiten Satz. Mehr Unsinn geht nicht.

Ware Liebe

22.12.2020, 10:06

Bauern lieben die Natur einfach. Was sich liebt, das neckt sich. Also necken sie die Natur ein bisschen mit Pestiziden, aber das ist liebevoll gemeint.

G. Sindel

22.12.2020, 09:54

Der Begriff "Tierli-Moser" spricht Bände über diesen Menschenschlag, der sich hier wie immer chronisch persönlich angegriffen fühlt.