Tierquäler haben leichtes Spiel
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Tierquäler haben leichtes Spiel

569 Fälle von Tierquälerei sind im Jahr 2006 verhandelt worden. Meistens dürfen die Verurteilten weiterhin Tiere halten. Ein einheitliches Quäler-Verzeichnis zuhanden von Zoohandlungen oder Tierheimen gibt es nicht.

Letzte Woche hat der Fall des Berner «Bauernhofs des Grauens» für Aufsehen gesorgt. Die Kühe dort standen knietief im Mist, waren krank und vernachlässigt. Ein Tier musste auf der Stelle eingeschläfert werden.

Der Fall ist krass und dennoch nur die Spitze eines Eisberges, wie der Zürcher Tieranwalt Antoine F. Goetschel gegenüber 20minuten.ch sagte.

Haustiere eher Opfer

Schwerer als die nicht tiergerechte Haltung von Nutztieren dürfte in der Schweiz die Misshandlung von Tieren durch private Halter wiegen. Laut statistischen Auswertungen der Verstösse gegen das Tierschutzgesetz durch den Verein «Tier im Recht» sind Heimtiere weitaus mehr und von grausameren Misshandlungen betroffen.

Die Stiftung hat auf ihrer Homepage eine Liste sämtlicher rechtsgültig verhandelter Fälle von Tierquälerei aufgeschaltet. Ein Blick auf die anonymisierten Fallakten des Bundesamtes für Veterinärwesen zeigt: Die Straftatbestände «Töten auf qualvolle Art» und «Misshandlung» erscheinen häufig in Zusammenhang mit privaten Tierhaltern.

Geringe Bussen

Bei Nutztieren ist in der Tendenz eher die «Missachtung der Haltungsvorschriften» das Problem. In den insgesamt 569 verhandelten und abgeschlossenen Fällen im Jahr 2006 kamen 48 Prozent Heimtiere und nur 34 Prozent Nutztiere zu Schaden. Die übrigen Fälle betrafen Sport-, Wild- oder Versuchstiere. Die verzeichneten Bussen für die Tierquäler betragen jeweils wenige hundert Franken.

Wie auch dem Berner Bauern seine vernachlässigten Kühe nicht weggenommen werden, sind auch sonst Tierhaltungsverbote selten. «Dass jemand überhaupt keine Tiere mehr halten darf, ist sehr selten. Die Behörden haben einen zu grossen Respekt vor einem totalen Tierhaltungsverbot», sagt Tieranwalt Goetschel. Meist wird nur ein Limit an zu haltenden Tieren festgelegt.

Überwachung mangelhaft

Goetschel bemängelt auch den Umstand, dass es keinen interkantonalen Austausch über verurteilte Tierquäler gibt. «Ich strebe das in einem nächsten Schritt an. Die Daten sollten Tierhändlern, Tierheimen oder Kleintierpraxen zugänglich gemacht werden. So kann verhindert werden, dass Tierquäler wieder in den Besitz von Tieren kommen», sagt Goetschel. Vorerst hofft Goetschel auf die neue Tierschutzverordnung und das neue Tierschutzgesetz, das dieses Jahr in Kraft tritt: «Es zielt klar auf einen schärferen Strafvollzug ab.»

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Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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