Aktualisiert 07.10.2014 16:21

Mildes UrteilTierquäler kommt fast ungestraft davon

Ein Mann, der seinen Hundewelpen brutal gequält hat, wird nur mit bedingter gemeinnütziger Arbeit bestraft. Nun werden Stimmen laut, die härtere Strafen für Tierquäler fordern.

von
nsa
Ein Mann, der einen Welpen in einem Rucksack mehrfach gegen eine Wand geschlagen hat, wurde mit bedingter gemeinnütziger Arbeit bestraft. Tierschützer fordern nun härtere Massnahmen.

Ein Mann, der einen Welpen in einem Rucksack mehrfach gegen eine Wand geschlagen hat, wurde mit bedingter gemeinnütziger Arbeit bestraft. Tierschützer fordern nun härtere Massnahmen.

Ein 52-jähriger Italiener, der seinen zwei Monate alten Pinscher-Welpen Taurus in einen Rucksack gepackt und mehrfach gegen eine Wand geschlagen hat, wurde vom Zürcher Bezirksgericht zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, wurde die Strafe aber zur Bewährung ausgesetzt und der Mann kommt damit «fast ungestraft» davon. Effektiv büssen muss der Tierquäler nur dafür, dass er seinen Welpen nicht korrekt angemeldet hat. 180 Franken beträgt die Strafe.

Seine Schuld eingestanden habe der Verurteilte nicht. «Ich verscheuche nicht einmal eine Fliege, die mir vor dem Gesicht vorbeifliegt», soll er vor Gericht gesagt haben. Möglich sei einzig, dass ihm der Rucksack mit dem Hund darin aus Versehen einmal auf den Boden gefallen sei. Verurteilt wurde der Mann, der laut Zeugenberichten am Prozesstag schon am frühen Morgen nach Alkohol gerochen hat, trotzdem.

«Tierquälerei wird als Bagatelle angesehen»

Urteile wie dieses sind für Fachleute keine Überraschung. Laut Christine Künzli, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung für das Tier im Recht, sind milde Strafen in der Schweiz nach wie vor die Regel. Die Anzahl der  Tierschutz-Strafverfahren habe zwar zugenommen, streng geahndet würden aber die wenigsten Vergehen. So zeige eine Detailauswertung von 2012, dass im ganzen Jahr nicht eine einzige Gefängnisstrafe ausgesprochen worden sei und neunmal mehr unbedingte Geldstrafen ausgesprochen worden seien als bedingte.

Die gestiegene Anzahl von Anzeigen zeigt laut Künzli zwar auf, dass in der Bevölkerung und bei den Behörden eine Sensibilisierung stattgefunden hat. «Aber auch wenn Misshandlung oder Vernachlässigung von Tieren heute ernster genommen werden, stellen wir doch immer wieder Bagatellisierungen fest.»

Strafrahmen soll konsequenter ausgeschöpft werden

Es müsse aber nicht das Tierschutz-Gesetz, das bereits Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vorsieht, angepasst werden. «Staatsanwaltschaft und Gerichte müssten einfach den Strafrahmen konsequenter ausschöpfen», sagt Künzli.

Wie es übrigens Taurus, dem gequälten Welpen geht, ist nicht bekannt. Der Hund wurde seinem Besitzer noch am Tatabend weggenommen. Dieser hat ihn seither nicht mehr gesehen.

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