Mammern TG: Tierschützer finden Taube mit Helm und Sender

Aktualisiert

Mammern TGTierschützer finden Taube mit Helm und Sender

Thurgauer Tierschützer retteten eine erschöpfte und orientierungslose Forschungstaube. Diese war Teil eines Experiments der Uni Konstanz, die den Vogel zurückhaben will.

von
luh
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Tierschützer fanden diese Taube im September in Mammern TG. Sie trug einen Helm und einen angeklebten Sender und war Teil eines Experimentes der Uni Konstanz.

Tierschützer fanden diese Taube im September in Mammern TG. Sie trug einen Helm und einen angeklebten Sender und war Teil eines Experimentes der Uni Konstanz.

Die Uni Konstanz fordert eine Rückgabe der Taube und kritisiert die Schweizer Tierschützer, sie würden die Taube in einem Käfig festhalten und an ihrem natürlichen Verhalten hindern.

Die Uni Konstanz fordert eine Rückgabe der Taube und kritisiert die Schweizer Tierschützer, sie würden die Taube in einem Käfig festhalten und an ihrem natürlichen Verhalten hindern.

mk
Der Schweizer Tierschutz jedoch beharrt darauf, dass die Taube gequält worden und bei ihm gut aufgehoben sei. Im Bild: Das Dorf Mammern, wo die Taube gefunden wurde.

Der Schweizer Tierschutz jedoch beharrt darauf, dass die Taube gequält worden und bei ihm gut aufgehoben sei. Im Bild: Das Dorf Mammern, wo die Taube gefunden wurde.

Die Tierschützer, die Anfang September in Mammern den völlig erschöpften Vogel fanden, waren entsetzt: «Der Taube wurde ein Plastikhelm aufgesetzt und mit Schnüren fixiert», schreiben sie in ihrer Mitteilung. «Der Helm war so angebracht, dass dem Tier komplett die Sicht genommen wurde und auch die oberen Atemwege zum Teil verdeckt waren.» Auch sei die Taube durch ein Lokalanästhetikum an der Nase betäubt worden, was zum Verlust des Geruchssinns geführt habe.

Die Taube trug am Rücken einen Sender, der durch ein doppelseitiges Klebband befestigt war. Dieser sei für den übergewichtigen Vogel viel zu schwer gewesen, was zur Erschöpfung habe führen müssen. Auch bemerkten die Tierschützer, dass sich die Taube entgegen ihrem Naturell leicht habe einfangen lassen und sich nicht wehrte.

Uni wehrt sich gegen die Tierquälerei-Vorwürfe

Wie die Etikette auf dem Sender verriet, war der Vogel im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts der Universität Konstanz unterwegs. Das Experiment untersucht, wie Lebewesen das Erdmagnetfeld zur Navigation im freien Gelände nutzen.

Nach den schweren Vorwürfen des Schweizer Tierschutzes nahm nun die Uni Konstanz auf ihrem Online-Portal Stellung. Sie wehrt sich gegen die Anschuldigungen und fordert die Rückgabe des Vogels. In der Stellungnahme bestätigt die Uni Konstanz, dass die Taube im Rahmen des Forschungsprojektes «Visualisierung der Antwort des Gehirns auf Magnetrezeption» am 2. September im deutschen Tengen losgeschickt wurde. Ziel war das rund 40 Kilometer entfernte Konstanz.

Taube bleibt vorerst in der Schweiz

Der Taube sei durch Tragen des Helms keineswegs die Sicht genommen worden – es handle sich um eine Art Brille, die auch nicht die Atemwege verdecke, so die Uni. Dass sich das Tier nicht gegen das Einfangen gewehrt habe, sei damit zu erklären, dass die Taube an Menschen gewöhnt sei. Die Uni Konstanz versichert, dass die Taube nicht betäubt wurde und das doppelseitige Klettband keinerlei Schäden verursachen könne.

Warum das Tier im Thurgau landete, weiss die Uni nicht. Man vermute aber, dass die Taube einen Raubvogel wahrgenommen habe und deshalb gelandet sei. Im übrigen seien die Versuche von der Ethikkommission überprüft worden. Das Thurgauer Veterinäramt habe nach entsprechender Prüfung den Tierschützern mitgeteilt, dass die Taube an die Universität zurückzugeben sei.

Doch diese denken nicht daran, die Taube zurückzugeben. «Das Veterinäramt hat uns gegenüber gar kein Weisungsrecht», stellt Marion Gessner vom Tierschutzverein Kreuzlingen klar. «Zudem gibt es verschiedene rechtliche Fragen zu klären.» Bis auf weiteres bleibe der Vogel deshalb in der Schweiz.

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