Basler Fasnacht: Tierschützer fühlen sich von Regierung schikaniert
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Basler FasnachtTierschützer fühlen sich von Regierung schikaniert

Eigentlich sollte der Protest gegen Pferde an der Fasnacht in der Nähe des Cortèges stattfinden. Die Regierung macht den Chaisen-Gegnern aber einen Strich durch die Rechnung.

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Olivier Bieli setzt sich gegen den Einsatz von Pferden an der Fasnacht ein.

Olivier Bieli setzt sich gegen den Einsatz von Pferden an der Fasnacht ein.

Oswald Bieli
Er und seine «Gruppe Für eine Fasnacht ohne Tierleid» wollte am Fasnachts-Mittwoch in der Nähe des Cortège gegen die Chaisen eine Mahnwache abhalten.

Er und seine «Gruppe Für eine Fasnacht ohne Tierleid» wollte am Fasnachts-Mittwoch in der Nähe des Cortège gegen die Chaisen eine Mahnwache abhalten.

Oswald Bieli
Der Grund für den Widerstand gegen die Tradition: Für die Tiere sei es zu stressig und es käme immer wieder zu Unfällen. Am Montag wurden fünf Personen bei einem Vorfall mit einer Kutsche verletzt.

Der Grund für den Widerstand gegen die Tradition: Für die Tiere sei es zu stressig und es käme immer wieder zu Unfällen. Am Montag wurden fünf Personen bei einem Vorfall mit einer Kutsche verletzt.

Keystone/Pia Meis

Der Streit um Pferde an der Fasnacht geht in die nächste Runde. Die Chaisen-Gegner, die bereits seit Mitte vergangenen Jahres eine Kampagne gegen den Einsatz der Tiere am Cortège führen, wollen eine Mahnwache abhalten. Von der Regierung haben sie aber nun einen Korb erhalten: Diese hat ihre Aktion ans andere Ende der Stadt «verbannt».

Laut Kampagnen-Leiter Olivier Bieli sollte die Kundgebung am Fasnachts-Mittwoch von 14 bis 18 Uhr an der Verzweigung Spiegelgasse und Blumenrain stattfinden. «Es geht um fünf bis zehn Personen mit drei grossen Transparenten und diversen Plakaten», sagt er. Er empfinde es als schikanös, dass er nur eine Bewilligung in der Elisabethenanlage, weitab vom Cortège, erhalten habe.

Faules Spiel hinter verschlossenen Türen?

Offenbar ging das Gesuch über den Schreibtisch von Sicherheitsdirektor Baschi Dürr. Diesen nennt Bieli namentlich. Wieso das Papier so weit nach oben im Justiz- und Sicherheitsdepartement gewandert ist, ist Bieli schleierhaft. «Wir haben Angst, dass sich die Regierung und die Fasnachtsobrigkeit zu nahe stehen. Dagegen haben wir keine Chance», sagt er.

«Uns wurde kein alternativer Standort in unmittelbarer Nähe angeboten», so Bieli. Dennoch wolle er das Gesuch noch einmal prüfen lassen. Denn so weit weg vom Cortège sei die Aktion «eine Farce». Er sei bereit, die Uhrzeit anzupassen. Sollte sich nichts ändern, sehe er sich genötigt, von der Durchführung abzusehen. Das hingegen hält er für nicht gerechtfertigt: «Auch wir haben ein Recht darauf, unsere Meinung kundzutun.»

«Diese Aussage ist falsch»

Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD), dementiert eine Einflussnahme durch die Fasnachtsverantwortlichen. «Diese Aussage ist falsch», heisst es auf Anfrage. Die Polizei fälle ihre Entscheidungen bei der Beurteilung von Gesuchen immer anhand ihrer eigenen Einschätzung. Departementsvorsteher Baschi Dürr werde bei Gesuchen mit politisch relevanten Inhalten über die Lage informiert.

«Aus polizeilichen Gründen ist der gewünschte Standort ungeeignet», so Yerguz weiter. Ihm zufolge fliessen in diese Beurteilung diverse Faktoren ein; welche genau war jedoch nicht zu erfahren. Das grosse Menschenaufkommen in dem Bereich während des Cortège ist ein denkbarer Faktor. Da sich dort auch der Kutschentreff befindet, ist Konfliktpotential zu befürchten.

Yerguz hält fest, dass die Bewilligungspraxis des JSD sehr liberal sei: «Wir sind bemüht, solche Veranstaltungen zu ermöglichen», sagt er. Auf der Elisabethenanlage könne der Gesuchssteller in angemessner Weise auf sein Anliegen aufmerksam machen.

Zu viel Stress oder kein Problem?

Die Debatte über die Eignung von Pferden für den Einsatz im Fasnachts-Tumult wird wohl noch anhalten. Die Gegner nennen einen Vorfall mit einer Pferdekutsche, bei dem am Montag in Köln fünf Personen verletzt wurden. Allerdings seien die Tiere dort mit Flaschen beworfen worden, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt.

Pferde gehen am Rosenmontagumzug in Köln durch. Video: Youtube

Auf der anderen Seite stehen die Chaisen-Fahrer wie Daniel Würgler vom Fahrstall Leymen. Seines Erachtens müssen die Pferde gut ausgebildet und für den Einsatz geeignet sein. Wahrten die Zuschauer den nötigen Respekt vor den Tieren, sei die Fasnacht für diese kein Problem.

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