28.07.2018 19:23

«Tiere in Panik versetzt»

Tierschützer jubeln über Feuerwerksverbot

Während die Feuerwerk-Händler grosse Umsatzeinbussen verbuchen, freuen sich andere über das drohende Ausbleiben der Böllerei.

von
jk
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Die meisten Schweizer Kantone haben Feuerverbote im Wald und in Waldnähe erlassen.

Die meisten Schweizer Kantone haben Feuerverbote im Wald und in Waldnähe erlassen.

Keystone/Melanie Duchene
Zahlreiche Gemeinden haben die traditionellen 1.-August-Feuer und Feuerwerke bereits abgesagt.

Zahlreiche Gemeinden haben die traditionellen 1.-August-Feuer und Feuerwerke bereits abgesagt.

Keystone/Juerg Ramseier
Müssen die Feuerwerkskörper in diesem Jahr für Silvester aufgehoben werden?

Müssen die Feuerwerkskörper in diesem Jahr für Silvester aufgehoben werden?

Keystone/Peter Schneider

«Keine blödsinnige Knallerei am 1. August! Freude herrscht», schreibt ein 20-Minuten-Leser erfreut. Ein anderer wünscht sich friedliches Kerzenlicht statt farbenfrohe Böllerei: «Feiern wir doch unseren Landesgeburtstag mit Wein oder Apfelsaft bei Kerzenlicht. Und Silvester auch gleich, und zwar für immer.»

Auch Leser Eduard stört sich an den Feuerwerkskörpern: «Hören wir doch endlich auf mit diesem Brauch. Wer braucht schon Feuerwerke? Die Natur und die Tiere würden es uns danken.» Leserin Erika schliesslich denkt an unsere Vorfahren: «Ich bin sicher, 1291 auf dem Rütli wurden auch keine Raketen gezündet. Dann wären wir wieder einmal wie unsere Ahnen. Feiern in Ruhe und Gemütlichkeit. Ohne Lärm und Gestank.»

Tierschützer missbilligen die Knallerei

Die Trockenheit spielt auch Tierschützern in die Hände. Helen Sandmeier, Medienbeauftragte des Schweizer Tierschutzes STS, ist wegen der Tiere klar gegen Feuerwerkskörper: «Die Haustiere werden durch die Knallerei in totale Panik versetzt. Sie haben ein empfindlicheres Gehör als Menschen und empfinden den Lärm deutlich stärker.» Im Gegensatz zu den Leuten wüssten die Tiere nicht, was geschehe, und empfänden über Stunden grosse Angst. Auch wenn die Bevölkerung Anliegen fürs Tierwohl gewöhnlich unterstützt, glaubt Sandmeier nicht, dass ein generelles Feuerwerksverbot jemals eine Mehrheit finden würde.

Die Tierschützerin hofft, dass dank den diesjährigen Feuerverboten grösstenteils auf Feuerwerke verzichtet wird. Sie würde es begrüssen, wenn in Zukunft vermehrt auf Feuerwerkskörper gesetzt würde, die weniger laut knallen. «Wir rufen jedes Jahr dazu auf, die Knallerei zu unterlassen. Damit Menschen nicht auf Feuerspektakel verzichten müssen, aber die Tiere gleichzeitig nicht unter der Böllerei leiden, könnten neue Feuerwerke entwickelt werden, die leiser sind.»

300 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerke

Auch beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) rät man unabhängig von der starken Trockenheit dazu, sparsam mit Feuerwerkskörpern umzugehen. «Feinstaubemissionen durch Feuerwerk können bei empfindlichen Personen zu Atembeschwerden führen, und der durch Feuerwerk verursachte Lärm kann für Menschen und Tiere sehr lästig sein», sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Reto Meier. Personen mit chronischen Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten am 1. August die Nähe zu Feuerwerken meiden.

Gemäss dem Bafu entstehen jährlich durch Feuerwerke rund 300 Tonnen Feinstaub. Ein generelles Feuerwerksverbot, unabhängig von der gegenwärtig herrschenden Waldbrandgefahr, wäre laut Meier aber kaum verhältnismässig, da Böller zeitlich und lokal nur sehr begrenzt abgebrannt würden.

Polizei patrouilliert und informiert

Im Kanton Glarus gilt das Verbot auf dem ganzen Kantonsgebiet. Auch zahlreiche Städte und Gemeinden haben das Zünden von Feuerwerk untersagt. In der Stadt Chur etwa herrscht ein allgemeines Feuerverbot auf öffentlichem Grund. Laut Polizeisprecher Roland Hemmi patrouillieren Polizisten regelmässig an Feuerstellen und neuralgischen Stellen. «Am 31. Juli und 1. August haben wir zusätzliche gemeinsame Patrouillen mit der Feuerwehr regelmässig auf Patrouille und klären die Menschen über das Feuerverbot auf. Es geht nicht primär ums Sanktionieren, sondern ums Informieren», sagt Roland Hemmi von der Stadtpolizei Chur. Die Patrouillen würden am 31. Juli und 1. August noch verstärkt.

Laut Hemmi sind diese Patrouillen zur Schadensminderung – oder idealerweise Schadensverhinderung – unabdingbar. Falls jemand doch beim Zündeln erwischt werde, hänge die Härte der Bestrafung vom Ausmass ab. «Entbrennt ein Vater mit seinem Sohn zum Beispiel bengalische Hölzchen, hat er mit einer Ermahnung zu rechnen», so Hemmi. Lässt jemand Raketen und Vulkane ab, droht ihm eine Geldbusse. Wer fahrlässig eine Feuersbrunst verursacht und die Sorgfaltspflicht hat, hat mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren rechnen.

Die Geschichte des Feuerwerks

Die Geschichte des Feuerwerks begann vor rund 1200 Jahre in China. Dort wurde Schwarzpulver, ein wichtiger Bestandteil von Feuerwerkskörpern, durch taoistische Mönche zufällig gemischt. Das weitere Experimentieren von Schwarzpulver mit Bambusröhren führte bald schon zum ersten Pyrokörper. Schwarzpulver wurde in China zuerst vorwiegend für das Vertreiben von bösen Geistern sowie für kriegerische Zwecke benutzt. Im 14. Jahrhundert brachten es arabische Händler nach Europa. Der Adel fand bald schon Gefallen an den Pyrokörpern. Sie wurden zum Spektakel an königlichen Feierlichkeiten. Bis zur Erfindung von Sprengstoff blieb Schwarzpulver zudem der einzige militärische und zivile Explosivstoff und diente als Schiesspulver.

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