Bern: Tierschützer schocken mit Wurst aus Hundefleisch
Aktualisiert

BernTierschützer schocken mit Wurst aus Hundefleisch

Um Fleischesser zu schocken, verteilten Berner Tierschützer Würste, die als Bernhardinerfleisch deklariert waren. In Tat und Wahrheit waren sie aber vegan.

von
Mira Weingartner

Bernhardinerfleisch aus dem Emmental – tiergerechte Haltung und Tötung garantiert – mit «frisch aus der Region»-Garantie: Eine Tierschutzorganisation, getarnt als innovatives Jungunternehmen, bot Fussgängern am Samstag in Bern ihre neue Wurst aus Hundefleisch zum Degustieren an. Tobias Sennhauser von der Berner Tierrechtsorganisation Tier-im-fokus.ch, der ebenfalls im weissen Metzgermantel Wurstredli verteilte, verrät: «Für die Wurst mussten in Wirklichkeit keine Hunde sterben, das Produkt ist zu hundert Prozent vegan.»

Den unwissenden Häppchen-Jägern, die erst beim Verzehr von der angeblichen Fleischquelle erfuhren, blieb das Essen dennoch im Hals stecken: Erzürnt, wütend und angeekelt hätten die meisten auf den vermeintlichen Konsum von Hundefleisch reagiert, so Sennhauser. «Ist das echt euer Ernst?», hätten einige mit vollem Mund gestottert.

Plan aufgegangen

Genau diese Reaktionen hat sich die Berner Tierschutzorganisation erhofft: «Wir wollten die Leute schocken und so zum Nachdenken anregen.» Mit der Aktion hätten sie auf die Doppelmoral des Fleischkonsums hinweisen wollen: «Während Hunde wie Familienmitglieder behandelt werden und folglich nicht auf dem Teller landen, werden etwa Schweine oder Rinder zu Nahrungsmitteln degradiert.» Mit Fotos von süssen Ferkeln neben Welpenaufnahmen appellierten die Tierrechtler zusätzlich an das Gewissen der Passanten.

Liberaler Fleischkonsum

Bei Rolf Büttiker, dem Präsidenten des Schweizer Fleisch-Fachverbandes SFF, stösst eine solche Aktion aber auf wenig Verständnis: «Viele Vegetarier und Veganer wollen mit Chnorz und Druck Mitmenschen vom Fleischessen abhalten.» Er selbst sei hier sehr offen: «Jeder darf selber entscheiden, was für Fleisch und wie viel er davon er essen möchte», so der ehemalige FDP-Ständerat.

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