Aktualisiert 11.09.2016 14:14

Galvanik Zug

Tierschützer-Shitstorm gegen Konzertlokal

Die färöische Band Tyr bringt das Zuger Konzertlokal Galvanik in Teufels Küche: Auf Facebook liefern sich Tierschützer und Heavy-Metal-Fans heftige Wortgefechte um die angeblichen Walfänger.

von
ds
Die Band Tyr mit Frontmann Heri Joensen (links im Bild) ist der Auslöser für den Shitstorm auf der Galvanik-Seite.

Die Band Tyr mit Frontmann Heri Joensen (links im Bild) ist der Auslöser für den Shitstorm auf der Galvanik-Seite.

Facebook

Eigentlich wurde sie nur als Vorgruppe gebucht – trotzdem dreht sich auf der Facebook-Seite der Zuger Galvanik derzeit alles um die färöische Band Tyr. Die Seite wird aber nicht etwa mit Nachrichten von Fans gefüllt, die sich auf das Konzert im November freuen – ganz im Gegenteil: Der Auftritt hat zahlreiche Tierschützer auf den Plan gerufen, die das Lokal mit zum Teil heftigen Kommentaren angreifen. Der Grund: Heri Joensen, der Frontman der Band, verherrliche die verbotene Grindwal-Jagd auf den Färöern und nehme sogar aktiv daran teil. «Es darf nicht sein, dass in der heutigen Zeit solche ‹Monster› auftreten», schreibt zum Beispiel Facebook-Nutzerin Angy N.

Negative Bewertungen im Minutentakt

Viele weitere User haben ihren Unmut über das Konzertlokal zudem mit einer schlechten Bewertung der Facebook-Seite kundgetan. Das Galvanik-Team wurde vom Shitstorm komplett überrumpelt: «Wir wurden im Minutentakt mit negativen Kommentaren bombardiert», berichtet Geschäftsleiterin Eila Bredehöft auf Anfrage. «Uns wurde unter anderem vorgeworfen , dass wir mit dem Band-Booking die Waljagd auf den Färöern unterstützen würden.»

Bredehöft spricht gar von einer «erpresserischen Hetzkampagne». Sie vermutet, dass bei dem Shitstorm ganz gezielt und systematisch gegen die Galvanik geschossen wurde, um in das Konzertprogramm einzugreifen. Dafür spricht die Tatsache, dass viele der Kommentierenden gar nicht aus der Zentralschweiz stammen und zuvor wahrscheinlich noch nie etwas von der Galvanik gehört hatten. Und tatsächlich: Wie Zentralplus schreibt, ist diese Masche der Tierschützer nicht neu. In Deutschland seien aufgrund vergleichbarer Reaktionen bereits Tyr-Konzerte abgesagt worden.

Keine Kenntnis von Waljagd

Dass es sich bei Heri Joensen um einen Walfänger handeln soll, wusste Eila Bredehöft nicht. «Wir befürworten die Grindwaljagd auf den Färöern nicht», schreibt das Konzerthaus auf Facebook. «Es ist für uns aus Ressourcengründen unmöglich, jede einzelne Band auf Herz und Nieren zu prüfen und zu schauen, in welchen privaten Angelegenheiten einzelne Bandmitglieder stecken.» Kommt hinzu, dass die Buchung von Tyr von einer externen Booking-Agentur ausging.

«Die Situation ist für uns sehr unangenehm»

Klar ist, dass sich der durch den Shitstorm ausgelöste Schaden nicht mehr rückgängig machen lässt. Doch damit nicht genug: Nachdem das Konzertlokal auf seiner Facebook-Seite verkündete, mit der verantwortlichen Booking-Agentur in Kontakt zu sein und den Ausschluss von Tyr prüfen, meldeten sich auf einmal die Heavy-Metal-Fans zu Wort: Diese fordern die Galvanik dazu auf, die kritisierte Band im Programm zu halten. Ein Ausschluss von Tyr sei feige und unterstütze die Hetzkampagne der «Tierschützer», meint eine Userin.

«Die Situation ist für uns sehr unangenehm», sagt Eila Bredehöft, die seit 2011 als Geschäftsführerin bei der Galvanik dabei ist. «Da bekämpfen sich zwei Seiten – und wir stehen mittendrin.» Die Geschäftsführerin will nun noch mit anderen Veranstaltern reden, die bereits Erfahrungen mit der Band Tyr gesammelt haben. «Wir werden uns noch einmal in Ruhe Gedanken über die Situation machen und anschliessend einen definitiven Entscheid treffen.» Bredehöft hofft, dass danach bald wieder Ruhe einkehrt in der Galvanik.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.