Aktualisiert 19.05.2019 14:42

BaselTierschützer versenken das Ozeanium

Historische Niederlage für den Basler Zoo: Das Refendum von Tierschützern, Umweltverbänden und Grünen war erfolgreich: Die Basler versenkten das Ozeanium an der Urne.

von
lha/jes
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Bachab: So feiern die Gegner des Ozeaniums ihren Abstimmungserfolg.

Bachab: So feiern die Gegner des Ozeaniums ihren Abstimmungserfolg.

Alvara Dalbeloch
Zurück in die Schublade: So hätte das Ozeanium bei der Basler Heuwaage ausgesehen. Das Basler Stimmvolk machte dem Zoo aber am Sonntag, 19. Mai einen Strich durch die Rechnung.

Zurück in die Schublade: So hätte das Ozeanium bei der Basler Heuwaage ausgesehen. Das Basler Stimmvolk machte dem Zoo aber am Sonntag, 19. Mai einen Strich durch die Rechnung.

Visualierung: Philipp Schaerer, Zürich
Über 54 Prozent der Stimmbevölkerung versenkten das Ozeanium an der Urne.

Über 54 Prozent der Stimmbevölkerung versenkten das Ozeanium an der Urne.

Zoo Basel (Torben Weber)

Das Basler Stimmvolk hat den Bebauungsplan für das Ozeanium am Sonntag an der Urne abgelehnt, und zwar deutlich. 54,56 Prozent der Stimmbevölkerung das 100-Millionen-Projekt des Basler Zoos versenkt. Das Thema mobilisierte die Stimmbevölkerung. Die Stimmbeteiligung lag bei 55,5 Prozent. Es ist eine historische Niederlage für den Zolli, der noch nie einen Abstimmungskampf führen musste.

Vor 30 Jahren wäre das Ozeanium wohl auf begeisterte Zustimmung gestossen, heute ist der Zeitgeist ein anderer. Ökologie und Tierschutz sind im Windschatten der Klima-Debatte zu Mainstream-Themen geworden und die Gesellschaft als Ganzes kritischer. Das wussten die Gegner des Ozeaniums geschickt für sich zu nutzen.

«Ergebnis mit starker Symbolkraft»

«Man hat verstanden, dass es eine Abstimmung über Sinn und Unsinn eines solchen Projekts ist», sagt Vera Weber, Leiterin der Fondation Weber, die das Referendum ergriffen hatte. Die Tierschutz-Aktivistin ist sich sicher: «Das Ergebnis hat eine starke Symbolkraft, die über Basel hinaus reicht.»

Dem Zoo ist es im sehr emotionalen und intensiven Abstimmungkampf nicht gelungen, seine Argumente dem Stimmvolk zu vermitteln. «Ausserhalb der Mauern des Zoos hat die sachliche Argumentation von unserer Seite einfach nicht gereicht», kommt Olivier Pagan zum Schluss. Der Zoo-Direktor war schwer enttäuscht: «Ein ganzer Mitarbeiterstab hat zehn Jahre lang alles für das Ozeanium gegeben.»

Private Spender standen bereit

Die nächsten Schritte des Zoos sind noch unklar. Der Bau des Grossaquariums hätte 100 Millionen Franken gekostet, die der Zolli aus privaten Spenden auftreiben wollte. Dabei hatte er bereits Zusagen über mehr als 50 Millionen Franken.

Das Ozeanium hätte ein neuer Leuchturm für den Basler Zoo werden und rund eine halbe Million Besucher pro Jahr anziehen sollen.

Ja zu Museumsneubau und Topverdiener-Steuer

Der Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv wurde am Sonntag deutlich angenommen. Eine deutliche Mehrheit von 60,3 Prozent Ja-Stimmen erzielte der 214-Millionen-Franken-Kredit für den Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs. Gegen diesen Kredit hatte die SVP das Referendum ergriffen. Beim Museums- und Archivneubau waren vor allem die hohen Kosten umstritten. Bemängelt wurde überdies, dass das heute im Stadtzentrum untergebrachte Museum in das Aussenquartier St. Johann umziehen muss.

Die Initiative für eine «Topverdiener-Steuer» der Juso wird überraschend angenommen. Sie kam auf 52,7 Prozent der brieflichen Ja-Stimmen. Einkommen ab 200'000 Franken werden demnach neu mit 28 statt 26 Prozent besteuert, ab 300'000 Franken werden 29 Prozent fällig.

Knapp verworfen wurde die Krankenkassen-Initiative der CVP. 50,1 Prozent waren dagegen, dass die Krankenkassenprämien vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können. Die Initiative scheiterte hauchdünn, es fehlten nur 91 Stimmen.

(sda)

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