Zoff um Zirkus: Tierschützer wollen Knie die Elefanten verbieten

Aktualisiert

Zoff um ZirkusTierschützer wollen Knie die Elefanten verbieten

Das Zirkusleben sei für Löwen, Tiger oder Elefanten eine Tortur, sagen Tierschützer. Wie in Grossbritannien sollen Wildtiere deshalb auch in Schweizer Manegen verboten werden.

von
L. Hanselmann
War das einer ihrer letzten Auftritte? Die Elefanten des Circus Knie zeigen bei der Generalprobe am 21. März 2013 eine ihrer Nummern.

War das einer ihrer letzten Auftritte? Die Elefanten des Circus Knie zeigen bei der Generalprobe am 21. März 2013 eine ihrer Nummern.

Betreten die Elefanten des Circus Knie das Sägemehl, können nicht nur Claudio Zuccolini, sondern auch die meisten anderen Clowns und Artisten abtreten. Gerade für Kinder gehören Tiere zum Zirkus einfach dazu. Doch das könnte sich bald ändern. Die Tierschutz-Organisation Vier Pfoten fordert ein Verbot der Haltung von Löwen, Tigern, Elefanten und anderen Wildtieren in Schweizer Zirkussen.

Vorbild ist Grossbritannien. Dort hat die Regierung diese Woche das Aus für Wildtiere in Zirkussen verkündet. Ab dem 1. Dezember 2015 hat es sich damit in britischen Manegen ausgebrüllt und -getrötet. Zuvor hatten Tierschutzorganisationen jahrelang für ein Verbot gekämpft. Über ein Dutzend weitere Länder in Europa haben die letzten Jahre ein Verbot eingeführt oder prüfen dieses derzeit. In einem Communiqué verlangte Vier Pfoten gestern vom Schweizer Parlament, es Grossbritannien gleichzutun.

«Tiere entwickeln Bewegungsstörungen»

«Es ist wissenschaftlich belegt, dass Elefanten, Tiger und andere Arten in Zirkussen nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können», begründet Thomas Pietsch, Wildtierexperte von Vier Pfoten, die Forderung. Die Tiere würden einerseits lange Zeit in Käfigen verbringen, wenn die Zirkusse herumziehen. Zudem würden sie oft in zu kleinen Anlagen gehalten – auch hierzulande, wo das Tierschutzgesetz zwar streng ist, Ausnahmen aber erlaubt sind. Viele Wildtiere litten deshalb unter dem Zirkusleben: «Sie entwickeln Bewegungsstörungen, sind in einem schlechten Gesundheitszustand oder sterben sogar früher als in freier Wildbahn.»

Für Oliver Skreining, Direktor des Circus Royal, kommt ein Verbot hingegen nicht infrage: «Das wäre völlig unnütz.» Er argumentiert seinerseits mit der Wissenschaft und verweist auf Studien, die zeigten, dass man jedes Tier im Zirkus tiergerecht halten könne. «Man kann Elefanten genauso gut oder schlecht behandeln wie einen Hund.» Für ihn müsste man wenn schon bei den privaten Tierhaltern ansetzen. «Die werden nicht kontrolliert, während bei uns letztes Jahr satte 48 Mal ein Kontrolleur vorbeischaute.»

«Gleiche Auflagen wie Zoos»

Die Schweizer Tierschutzverordnung sei sehr streng, sagt Skreining. «Wir haben praktisch die gleichen Auflagen wie Zoos.» Für Sara Wehrli vom Schweizer Tierschutz sind diese aber noch nicht ausreichend: «Wir fordern kein Verbot, aber höhere Mindeststandards für die Haltung aller Zirkustiere.» Sie muss allerdings zugeben: «Wir haben in Schweizer Zirkussen keine massiven Tierschutzprobleme.»

Beim Bundesamt für Veterinärwesen ist ein Verbot denn auch kein Thema, wie Sprecherin Regula Kennel auf Anfrage sagt. «In der Schweiz sind die Auflagen zur Erlangung einer Haltebewilligung für Wildtiere im Zirkus streng. Zudem ist das Tierschutzgesetz nicht auf Verbote ausgelegt.» Eine Ausnahme bildet das Importverbot für Delfine, das letztes Jahr vom Parlament beschlossen wurde.

«Etwas ganz Wichtiges ginge verloren»

Initiatorin der sogenannten Lex Connyland war die Grünliberale Nationalrätin Isabelle Chevalley. Sie hat grosse Sympathien für ein Verbot. «Die heutigen Tierschutzbestimmungen reichen definitiv nicht aus. Vor allem kleine Zirkusse können Tiere gar nicht artgerecht halten.» Sie warte nur die richtige Gelegenheit ab, um das Anliegen von Vier Pfoten ins Parlament zu bringen. «Jetzt hätte ich damit wohl keine Chance.»

Klar ist: Die Zirkusse würden auch ohne Tiere weitermachen. Vorgemacht hat das etwa der Circus Monti, bei dem seit 2011 gar keine Vierbeiner mehr auftreten. Auch Skreining würde nicht aufgeben. «Mit den Tieren ginge aber etwas ganz Wichtiges für die Zirkusse verloren.» Nationalrätin Chevalley sieht das ganz anders: «Der beste Zirkus ist für mich der Cirque du Soleil – der ist so gut, dass er keine Tiere braucht.» Der Circus Knie nahm gestern keine Stellung.

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