Auf Unterschriftenjagd: Tierschützer wollen Pferde von Fasnacht verbannen
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Auf UnterschriftenjagdTierschützer wollen Pferde von Fasnacht verbannen

Basler Tierschützer verlangen, dass die Basler Fasnacht ohne Pferde und Ponys stattfindet. Auch die bekannte Tierrechtsaktivistin Nancy Holten unterstützt das Anliegen.

von
rob
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Die Chaisen sind eine alte Tradition an der Basler Fasnacht. Die Pferdekutschen sind heutzutage aber nur noch eine Randerscheinung am Cortège.

Die Chaisen sind eine alte Tradition an der Basler Fasnacht. Die Pferdekutschen sind heutzutage aber nur noch eine Randerscheinung am Cortège.

Keystone/Georgios Kefalas
2017 waren beim Comité noch 17 Chaisen gemeldet, im Vorjahr waren es 19. Nach dem Willen von Tierschützern sollen sie nun ganz verschwinden.

2017 waren beim Comité noch 17 Chaisen gemeldet, im Vorjahr waren es 19. Nach dem Willen von Tierschützern sollen sie nun ganz verschwinden.

Keystone/Georgios Kefalas
Die IG Chaise hält davon nichts. Vorstand Lothar Hollenstein verwahrt sich gegen den Vorwurf, dass die Pferde an der Fasnacht leiden würden.

Die IG Chaise hält davon nichts. Vorstand Lothar Hollenstein verwahrt sich gegen den Vorwurf, dass die Pferde an der Fasnacht leiden würden.

Breesmeli Chaise

Pferde an der Basler Fasnacht haben Tradition: Die Tiere ziehen jeweils bemannte Kutschen, traditionell Chaisen genannt, vorbei an Guggen und Waggiswagen durchs Gedränge. «Wir haben uns gefragt: Ist ein derartiges Handeln mit Tieren noch gerechtfertigt?», sagt Olivier Bieli vom Gnadenhof Papillon in Mulhouse.

Seine Antwort lautet klar Nein. «Pferde sind sehr sensible Fluchttiere», begründet der Tierschützer. Lärm, Menschenmassen und hektische Bewegungen bedeuteten Stress für die Tiere. Er vermutet auch, dass diese für den Cortège mit Medikamenten sediert werden, damit sie nicht durchbrennen. Bieli hat dafür aber keine Belege.

«Als aktiver Fasnächtler habe ich jahrelang die Faust im Sack geballt», erzählt er. Jetzt sei es an der Zeit zu handeln: Seit der letzten Fasnacht sammelt der Gnadenhof Unterschriften gegen den Einsatz von Pferden und Ponys an der Fasnacht. Diese will man dem Fasnachts Comité vorsetzen, um zu zeigen, dass viele Bürger keine Tiere an der Fasnacht mehr sehen wollen. Bis jetzt hätten rund 300 Menschen unterschrieben.

Holten: «Nehmt doch elektrische Kutschen»

Eine davon ist Nancy Holten. Die Tierschutz-Aktivistin, die mit dem von ihr angestrebten Kuhglocken-Verbot national für Aufsehen sorgte, steht mit Herzblut hinter der Forderung: «Ich setzte meine Unterschrift aus Liebe zum Tier und aus Mitgefühl.» Für sie sei es logisch, dass es ein Fluchttier in einer Menschenmenge mit der Angst zu tun bekommt. «Um dies zu verstehen, braucht es kein Veterinäramt, sondern schlichtweg klaren Menschenverstand.»

Sie betont aber, dass sie ansonsten ein Fan der Fasnacht sei und keine Traditionen zerstören wolle. «Mein Vorschlag wäre, dass man Elektrokutschen nehmen würde. Das gibt es bereits in Deutschland und die sehen ganz toll aus.»

Kantonstierarzt sieht keinen Handlungsbedarf

Es ist nicht das erstemal, dass Tierschützer die Verbannung von Pferden von der Fasnacht verlangen. Letztes Jahr war es der Tierschutzbund Basel. Kantonstierarzt Michel Laszlo sah damals keinen Anlass für ein Verbot. «Ich bin der Meinung, dass die aktuellen Bestimmungen ausreichen», sagte er gegenüber 20 Minuten. Zudem habe man keine Kenntnis von Missständen an der Fasnacht.

Auch die IG Chaisen äusserte sich damals klar und verwahrte sich dem Vorwurf, die Pferde für die Fasnacht leiden zu lassen. «Wir sind alles erfahrene Pferdehalter und haben nicht das geringste Interesse daran, den Tieren Schaden zuzufügen», so Vorstand Lothar Hollenstein. Das Argument der Lärmempfindlichkeit hält er für übertrieben. «Der Lärm macht das Pferd nicht wirklich nervös.»

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