Aktualisiert 26.09.2016 09:34

An AlpabfahrtTierschützerin legt Menschen Kuhglocken um

An der Entlebucher Alpabfahrt hat eine Tierschützerin eine eigensinnige Aktion gegen Kuhglocken gestartet. Sie will die Tiere vor Lärm schützen.

von
Daniela Gigor
Tierschützerin Nancy Holten bei der Entlebucher Alpabfahrt.

Tierschützerin Nancy Holten bei der Entlebucher Alpabfahrt.

Screenshot Tele1

Die Fricktaler Glocken-Gegnerin Nancy Holten mag auch kein Gebimmel an den Hälsen von Kühen. Darum ist sie am Samstag mit einer Kuhglocke bewaffnet an die Entlebucher Alpabfahrt gereist. «Ich besuchte das erste Mal einen Alpabzug, weil ich live spüren wollte, wie das ist», sagt Holten. Sie sei massiv erschrocken darüber, wie laut die Kuhglocken waren.

Holten: «Die Suva empfiehlt den Menschen ab 100 Dezibel Lautstärke einen Gehörschutz zu verwenden. Warum wendet man das nicht bei Tieren an, deren Gehöre noch viel sensibler sind?» Auch das Argument, dass die Kühe nur über kurze Zeit eine Glocke tragen, lässt Holten nicht gelten: «Das Gehör kann auch geschädigt werden, wenn es nur ein paar Minuten grossem Lärm ausgesetzt ist.» Darum wünscht sich Holten, dass sich die ETH mit dem Thema befasst und in einer Studie aufzeigt, welche Auswirkungen die grossen Glocken auf das Gehör der Tiere haben.

Ziel ist, dass kleinere Glocken umgehängt werden

Um auf die aus ihren Augen problematische Situation der Kühe aufmerksam zu machen, hat Holten den Besuchern der Alpabfahrt ebenfalls eine Glocke um den Hals gelegt. «Die Aktion ist relativ gut angekommen», sagt Holten weiter. Die Leute hätten überrascht reagiert, wie schwer und laut die Glocke sei. Holten: «Die Leute hatten sich einfach noch nie mit dem Thema Kuhglocken in Bezug auf Tierschutz auseinandergesetzt.»

Ihr gehe es darum, die Leute weiter zu sensibilisieren und sich mit den Themen Menschen-, Tier- und Umweltschutz und Ernährung zu beschäftigen. Auch wolle sie nicht in die Tradition der mit Glocken geschmückten Kühe eingreifen: «Ich wäre schon zufrieden, wenn die Bauern ihren Tieren kleinere Glocken umhängen würden.»

Noch nie Probleme mit dem Tierschutzverein

Älpler Adrian Emmenegger versteht die Aufregung von Holten nicht, wie er gegenüber Tele1 sagt: «Wir machen das schon viele Jahre so und ich hatte noch nie ein Tier, das mit dem Gehör oder wegen des Gewichts der Glocken Probleme gehabt hätte.» Ähnlich sieht es Bruno Hafner, OK-Präsident der Entlebucher Alpabfahrt. Das sei ein Brauchtum, das schon seit 100 Jahren existiere. «Wir hatten diesbezüglich auch nie ein Problem mit dem Tierschutzverein.»

Unterstützung erhalten Emmenegger und Hafner von Marcus Maassen, Humanmediziner und Facharzt für Hals-Nasen und Ohrenerkrankungen: «Diese Kühe sind keiner lebenslangen Beschallung ausgesetzt. Weil ein Alpabzug höchstens ein bis zwei Tage dauere, ist höchstwahrscheinlich keine Gefahr für Gehörschäden vorhanden.» Die Prachtsglocken würden ausschliesslich für die Alpabzüge verwendet. Auf den Alpen würden die Tiere kleinere Glocken tragen. Maassen: «Die Glocken haben ja auch eine wichtige Funktion. Das Geläut zeigt dem Älpler etwa bei dichtem Nebel, wo sich die Tiere befinden.»

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