Aktualisiert 20.10.2011 12:11

Massnahmen gefordertTierschutz prangert Schafhaltung an

Der Schweizer Tierschutz ist mit der Schafhaltung nicht zufrieden. Schafe in Berggebieten seien oft tagelang der Witterung ausgesetzt. Auch bei Hobby-Schafhaltern müsse eingeschritten werden.

Tausende Schafe fallen laut Schweizer Tierschutz dem Missstand zum Opfer, dass sie oft tagelang draussen sind.

Tausende Schafe fallen laut Schweizer Tierschutz dem Missstand zum Opfer, dass sie oft tagelang draussen sind.

Der Schweizer Tierschutz (STS) kritisiert die Schafhaltung in der Schweiz. Vielen Schafhaltern mangle es an der nötigen Qualifikation und am Wissen um die artgerechte Haltung. Der Schafzuchtverband widerspricht.

Der STS macht seine Kritik an zwei Missständen fest. Zum einen müssten Schafhalter auf Sömmerungsbetrieben in Berggebieten nicht über die gleiche Qualifikation verfügen wie ihre Kollegen im Flachland. Diese Regelung findet sich in der Tierschutzverordnung von 2008.

Schafe der Witterung ausgesetzt

Die Schafe in Berggebieten seien oft tagelang der Witterung ausgesetzt, weil für sie zudem weniger strenge Auflagen gelten würden, teilte der STS am Montag in Bern mit. Diesem Missstand fielen jährlich «tausende von Schafen» zum Opfer. Der Verband fordert die Streichung der Ausnahmeregelungen.

Handlungsbedarf zum zweiten sehen die Tierschützer in der Hobby- Schafhaltung. Den Haltern fehle es oft am nötigen Wissen und sie würden Schafe fälschlicherweise als anspruchslose und genügsame Tiere sehen. Der STS nimmt den Schafzuchtverband deshalb in die Pflicht, seine Mitglieder besser zu informieren.

«Gerade die Hobby-Schafhalter zeigen grosses Interesse an einer artgerechten Haltung und bilden sich ständig weiter», konterte German Schmutz, Präsident des Schafzuchtverbandes, die Kritik auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Für die Forderung des STS nach mehr behördlichen Kontrollen sieht Schmutz keine Notwendigkeit. Neben den Inspektionen der Kantonstierärzte spiele die gegenseitige Kontrolle zwischen den Schafhaltern. Auch die Bevölkerung sei wachsam und melde allfällige Missstände. Insgesamt würden die Schafe in 90 bis 95 Prozent der Fälle «sehr korrekt» gehalten, sagte Schmutz.

Verstärkter Herdenschutz

Weiteren Handlungsbedarf sieht der STS beim Herdenschutz. Schafherden sollten künftig nur noch beaufsichtigt oder zumindest durch Zäune geschützt gehalten werden, fordert der Verband. Bei Rissen soll der Bund nur noch Schadenersatzzahlungen entrichten, wenn die Herde ausreichend geschützt war.

Damit nimmt der STS dieselbe Position ein wie der Bund. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hatte die Schafhalter im Juli aufgefordert, vermehrt in den Herdenschutz zu investieren. Sämtliche Rissen durch Wölfe in diesem Jahr seien auf einen ungenügenden Schutz zurückzuführen.

Der Bund zahlt Schafhaltern einen Beitrag an den Kauf und Unterhalt von Herdenschutzhunden, die während der Sömmerungszeit zum Einsatz kommen. Gemäss dem BAFU stehen dafür im laufenden Jahr 850 000 Franken zur Verfügung. (sda)

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