Mindestalter: Tierschutz will Kindern das Fischen verbieten

Aktualisiert

MindestalterTierschutz will Kindern das Fischen verbieten

Der Schweizer Tierschutz fordert ein Mindestalter für Angler: Kinder sollen keine Fische töten dürfen. Das unterstützt Gerichtspsychiater Frank Urbaniok.

von
num
Zwei Kinder fischen am Ufer des Greifensees.

Zwei Kinder fischen am Ufer des Greifensees.

Früh übt sich: Im Kanton Zürich können Kinder bereits ab 10 Jahren ein Anglerpatent lösen – im Kanton Bern hingegen gibt es keine Alterslimite. Anders sieht es bei der Jagd aus: Dort gilt national das Mindestalter von 18 Jahren. Dass dies nicht fürs Fischen gilt, stört den Schweizer Tierschutz (STS).

«Beide Aktivitäten haben mit dem Töten von Tieren zu tun und sind folglich mit grosser Verantwortung verknüpft», sagt STS-Expertin Sara Wehrli zum «Tages-Anzeiger». So werde der Konsum von Zigaretten oder Alkohol erst ab 16 Jahren erlaubt, das «Töten empfindungsfähiger Wirbeltiere» dagegen schon viel früher. Die Tierschützer plädieren für eine Altersgrenze von 16, allenfalls 18 Jahren.

Abstumpfung gegenüber tierischem Leid

Unterstützung erhält der STS von Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. Er hält zwar gegenüber der Zeitung fest, dass wer Tieren Schmerzen zufüge, noch kein potenzieller Straftäter sei. Aber: «Solche Handlungen prägen das Verhalten.» Erfahrungen wie das Töten eines Fisches könnten zu einer Abstumpfung gegenüber tierischem Leid führen. Auch er plädiert gegenüber dem «Tages-Anzeiger» für ein landesweites Mindestalter von 16 Jahren.

Fischen liegt im Trend: Die Zahl der Patente, die von den Kantonen herausgegeben werden, steigt jährlich. Zudem darf an den meisten grossen Seen jedermann mit einer einfachen Rute ohne Widerhaken und mit natürlichen Ködern vom Ufer aus sein Glück versuchen – das Freiangelrecht. Auch dies ist dem STS ein Dorn im Auge: Dieses Recht erhöhe die Gefahr von Verstössen gegen den Tierschutz.

Mindestalter nur für unbegleitetes Angeln

Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) wehrt sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» gegen die Forderungen der Tierschützer. Zwar sei es «wahrscheinlich», dass bei der Freianglerei Missbräuche vorkommen, allerdings handle es sich dabei wohl um Einzelfälle.

Kindern wird laut Zentralpräsident Roland Seiler das Wesen und die Gefährdung der Fische im Rahmen von Ferienpässen und anderen Veranstaltungen nähergebracht. Dort lernen sie das korrekte Betäuben und Töten der Fische. Ein Mindestalter hält der SFV für zweckmässig, jedoch nur für das unbegleitete Angeln, wie dies bereits in mehreren Kantonen üblich sei.

Deine Meinung