Tiertransporte werden nicht «humaner»
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Tiertransporte werden nicht «humaner»

Längere Ruhezeiten für Tiere während Transporten wird es in der EU auf absehbare Zeit nicht geben.

Nach jahrelangen Beratungen verständigten sich die EU-Agrarminister am Montag in Brüssel auf eine Neuregelung, die über die bestehende Rechtslage aber kaum hinausgeht. Danach sollen Tiere lediglich vor ihrem Transport untersucht werden, um kranken Schweinen oder Rindern die Strapazen zu ersparen. Zudem sollen bestehende Ruhezeiten mit einem Navigationssystem kontrolliert werden.

Die Regelung wird aber erst 2007 in Kraft treten. Die deutsche Agrarministerin Renate Künast sprach dennoch von einem «kleinen Schritt vorwärts. Das ist kein schwarzer Tag, das ist ein grauer Tag», sagte Künast. Die Begutachtung der Tiere vor dem Transport und die Nutzung eines Navigationssystems seien ein Fortschritt. Neue Transportfahrzeuge müssen mit dem System bereits 2007 ausgestattet sein, alte Lastwagen erst von 2009 an.

Nach der bestehenden Regelung dürfen Schweine und Pferde 24 Stunden transportiert werden. Für Rinder, Schafe und Ziegen gelten eine Transportzeit von 14 Stunden mit einer anschliessenden einstündigen Pause, gefolgt von weiteren 14 Stunden Transport. Jungtiere dürfen neun Stunden transportiert werden und nach einstündiger Pause noch einmal neun Stunden. In der EU werden pro Jahr rund 17,5 Millionen Tiere auf Langstrecken transportiert.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Transportzeit für alle lebenden Tiere künftig auf neun Stunden zu begrenzen und danach eine zwölfstündige Pause vorzuschreiben. Dies ist jetzt vom Tisch. Zudem war vorgesehen, dass Kälber erst 14 Tage nach ihrer Geburt und nicht wie bisher schon zehn Tage danach transportiert werden dürfen. Auch dies ist nach Darstellung Künasts gescheitert. Die Ministerin verwies auf Erkenntnisse von Veterinären, wonach der Nabel bei Kälbern erst 14 Tage nach der Geburt abgeheilt. (dapd)

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