Tierversuchsfreie Kosmetik – Alles über Schlupflöcher und vertrauenswürdige Siegel
Kommt unsere tägliche Beauty-Routine wirklich ohne Tierversuche aus? Das ist gar nicht so sicher. 

Kommt unsere tägliche Beauty-Routine wirklich ohne Tierversuche aus? Das ist gar nicht so sicher.

Pexels/Ron Lach
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Schlupflöcher trotz LabelTierversuchsfreie Kosmetik – das ist wirklich dran

Beauty-Produkte, für die kein Tier leiden oder sterben musste – für viele ist das längst selbstverständlich. Aber wie verlässlich ist es, wenn Unternehmen sich als tierversuchsfrei bezeichnen?

von
Malin Mueller

Vegan, cruelty free, tierversuchsfrei… Claims und Siegel, die bei Beauty-Produkten versprechen, dass sie ohne Tierleid produziert wurden, gibt es wie Sand am Meer. Dazu kommt ein seit 2013 geltendes, EU-weites Verbot für Tierversuche im Beauty-Markt. In der Schweiz gilt ein ähnliches Gesetz. Eigentlich sollten wir in der Drogerie und der Apotheke also unbesorgt zugreifen können – oder?

Schlupflöcher en masse

Leider funktioniert das auch 2021 noch nicht ganz. Das Problem: Wird der Bestandteil eines Kosmetikprodukts auch in Reinigungsmitteln, Wandfarben oder anderen potentiell gesundheitsgefährdenden Artikeln eingesetzt, sind Tierversuche erlaubt, wenn «das Versuchsziel mit Verfahren ohne Tierversuche nicht erreicht werden kann.» So steht es in der Schweizer Tierschutzverordnung.

Es lohnt sich, Produkte mit Hilfe von Siegeln oder Apps genau zu überprüfen.

Es lohnt sich, Produkte mit Hilfe von Siegeln oder Apps genau zu überprüfen.

Unsplash/Johanne Kristenawn

In der EU orientiert sich das Gesetz an den Anforderungen des europäischen Chemikalienrechts REACH (Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals), das bei uns oft analog geltend gemacht wird. Es schreibt vor, dass «auch Inhaltsstoffe, die ausschliesslich in Kosmetika genutzt werden, an Tieren getestet werden müssen, wenn sich das Risiko für die Arbeiter und Arbeiterinnen, die den Stoff herstellen, und für die Umwelt nicht anders einschätzen lässt.»

Zudem gelten ebenfalls Ausnahmen für eine gleichzeitige Nutzung einzelner Inhaltsstoffe in Arznei- oder Reinigungsmitteln. Je nachdem, welche Organisation ein Beauty-Unternehmen beauftragt, verhindern solche Praktiken nicht einmal die Siegelvergabe, die impliziert, dass ein Produkt tierversuchsfrei ist (welche Siegel vertrauenswürdig sind, verraten wir unten im Artikel).

Bei der Siegelvergabe gibt es viele Schlupflöcher.

Bei der Siegelvergabe gibt es viele Schlupflöcher.

Pexels/Ron Lach

Die Sache mit China

Dazu kommt die immer noch schwierige Gesetzeslage in China. Lange Zeit war dort vorgeschrieben, dass jedes Beautyprodukt, das verkauft wird, zuvor an Tieren getestet werden muss. Für wenige Produktgruppen, wie Shampoos, ist die Verordnung seit einigen Monaten ausser Kraft gesetzt. Der Grossteil der Unternehmen muss sich aber nach wie vor an diese Regelung halten. In der Schweiz und in der EU dürfen solche Tierversuche zwar nicht dazu genutzt werden, Produkte auf den Markt zu bringen. Die Produkte dürfen allerdings einfach nochmals getestet werden, ohne Tierversuche, um dann doch in den Regalen zu landen.

Wie kann ich mir sicher sein?

Wer bei den eigenen Kosmetikprodukten auf Nummer sicher gehen will, kann sich auf folgende Siegel verlassen. Hier gehen die Richtlinien über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus und schliessen Tierversuche aus.

PETA führt bereits seit 1987 eine Liste mit Firmen, die keine Tierversuche durchführen und bewertet nach sehr strengen Kriterien. Gleichzeitig gibt es auch eine Liste von Unternehmen, die auf irgendeine Art und Weise immer noch an Tieren testen. Beide werden ständig erweitert und sind mittlerweile auch per Bunny Free App einsehbar, in der man direkt nach Markennamen suchen kann.
PETA approved/Bunny free

PETA führt bereits seit 1987 eine Liste mit Firmen, die keine Tierversuche durchführen und bewertet nach sehr strengen Kriterien. Gleichzeitig gibt es auch eine Liste von Unternehmen, die auf irgendeine Art und Weise immer noch an Tieren testen. Beide werden ständig erweitert und sind mittlerweile auch per Bunny Free App einsehbar, in der man direkt nach Markennamen suchen kann.

peta.org
Das Siegel wird vom Deutschen Tierschutzverband zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e.V vergeben. Die Standards sind streng: Neben einem Tabu von Tierversuchen dürfen die Hersteller und Herstellerinnen auch keinem Konzern angehören, der Tierversuche durchführt. Und das ist in der Beauty-Branche gar nicht so einfach.
Hase mit schützender Hand

Das Siegel wird vom Deutschen Tierschutzverband zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e.V vergeben. Die Standards sind streng: Neben einem Tabu von Tierversuchen dürfen die Hersteller und Herstellerinnen auch keinem Konzern angehören, der Tierversuche durchführt. Und das ist in der Beauty-Branche gar nicht so einfach.

ecco-verde.ch
Produkte, die das Siegel tragen, müssen nicht nur vegan, sondern auch tierversuchsfrei sein. Gleiches gilt für sämtliche Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse.
Veganblume

Produkte, die das Siegel tragen, müssen nicht nur vegan, sondern auch tierversuchsfrei sein. Gleiches gilt für sämtliche Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse.

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