Klarer Wettfavorit : Tiger Woods ist auch als Jäger der Gejagte
Aktualisiert

Klarer Wettfavorit Tiger Woods ist auch als Jäger der Gejagte

Was vor wenigen Wochen noch unwahrscheinlich erschien, ist nun Tatsache: Nach seiner erfolglosen Zeit steigt Tiger Woods als Wettfavorit in das erste Major-Turnier des Jahres.

Der legendäre Par-72-Kurs im Augusta National Golf Club behagt dem 36-jährigen Superstar.

Der legendäre Par-72-Kurs im Augusta National Golf Club behagt dem 36-jährigen Superstar.

Woods wird vom führenden Wettbüro als 4:1-Favorit gehandelt, obwohl er in der Weltrangliste nur an 7. Stelle liegt und eigentlich die im Ranking dominierenden Briten Luke Donald, Rory McIlroy und Lee Westwood jagen müsste.

Dass er sich in der aus früheren Jahren gewohnten Rolle des Gejagten wiederfindet, hat Woods seinen unverkennbaren Fortschritten der letzten Monate zuzuschreiben. Vor knapp zwei Wochen gewann er in Orlando das gut besetzte Arnold Palmer Invitational mit einem Vorsprung von fünf und mehr Schlägen. Es war sein 72. Sieg auf der US PGA Tour - vor allem aber der erste seit zweieinhalb Jahren. In jenem Herbst 2009 geriet Woods in den von ihm selbst verschuldeten Ehe- und Sexskandal, der ihn für lange Zeit aus der Bahn des sportlichen Erfolgs warf.

Woods hat das Spiel beisammen

Woods' Chancen auf den 15. Majortitel der Karriere, mit dem er bis auf drei Siege an den Rekord von Jack Nicklaus herankäme, stehen in der Tat gut. Der legendäre Par-72-Kurs im Augusta National Golf Club behagt dem 36-jährigen Superstar. Er hat hier viermal gewonnen, zuletzt 2005.

Das hohe Gras neben den Fairways ist nicht allzu dicht, sodass Woods für seine oftmals verzogenen Abschläge nicht hart bestraft wird. Dafür stellt das Gelände rund um die welligen und ultraschnellen Greens extrem hohe Anforderungen an die weltbesten Golfprofis. Hier sind Zauberschläge und ein messerscharfes kurzes Spiel gefragt. Genau dies spielt dem begnadeten Gambler Woods ebenfalls in die Hände. Er ist umso zuversichtlicher, als derzeit auch sein langes Spiel gut klappt: «Meine Abschläge sind viel besser geworden und mein Spiel mit den Eisen entwickelt sich in die gute Richtung.»

In den ersten beiden Runden wird Woods nicht in einer Gruppe mit Mitfavoriten spielen. Er wurde in eine «angenehme» Gruppe eingeteilt; seine Mitspieler sind der gemütliche spanische Jungesenior Miguel Angel Jimenez, Sieger des Omega European Masters 2010 in Crans-Montana, und der erst 25-jährige, aufstrebende Südkoreaner Bae Sang-Moon.

Viele Stars in guter Form

Trotz der günstigen Vorzeichen steht Tiger Woods vor einer schweren Aufgabe, denn viele Spitzengolfer erfreuen sich derzeit einer guten Form. Zu ihnen zählt Rory McIlroy. Der Nordire übernahm Anfang März nach dem Turniersieg in Palm Beach Gardens (Florida) für zwei Wochen die Führung in der Weltrangliste, bevor er sie wieder an Luke Donald abtreten musste.

McIlroy ist wie Woods ein genialer Spieler. Deshalb ist der Platz in Augusta auch für ihn wie geschaffen. Am letztjährigen Masters lag er nach drei Runden klar in Führung, bevor ihm am Schlusstag die Nerven einen Streich spielten. Mit einer 80er-Runde rutschte er auf den 15. Platz ab. Nur gut zwei Monate später spielte McIlroy am US Open die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden.

Da er im geringen Alter von 22 Jahren schon einen Grand-Slam-Triumph errungen hat, steht McIlroy in dieser Woche unter keinem übermässig hohen Druck. Anders sieht es für Luke Donald und den Weltranglisten-Dritten Lee Westwood aus. Die beiden starken Engländer sind mittlerweile 38 respektive 34 Jahre alt und laufen nach wie vor ihrem ersten Majortitel hinterher. (si)

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