Nicht illegal: «Tigris» kam schon 130-mal zum Einsatz
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Nicht illegal«Tigris» kam schon 130-mal zum Einsatz

Alle politischen Akteure waren über die Eingreiftruppe «Tigris» des Bundes im Bild. Das sagt Kurt Blöchlinger, Chef der Bundeskriminalpolizei (BKP). Von einer geheimen Truppe könne nicht die Rede sein.

Eine geheime Truppe gebe es nicht, sagte der Chef der Bundeskriminalpolizei gegenüber dem «Blick» und wehrt sich gegen den Vorwurf der Intransparenz und der Geheimhaltung. Die Politik, das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und der Direktor des Bundesamts für Polizei (Fedpol) seien im Bild über die Sondereinheit gewesen. Ein vom damaligen Justizminister Christoph Blocher in Auftrag gegebener Inspektionsbericht sei im Jahre 2005 zu keinen Empfehlungen gekommen. Blocher habe ihn zur Kenntnis genommen, und der Bericht sei auch an die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) des Parlaments gegangen. Die Vorwürfe der «Weltwoche» seien für ihn deshalb nicht nachvollziehbar, sagte Blöchlinger.

Widmer-Schlumpf war eingeladen

Auf die Frage, wieso die neue EJPD-Chefin Eveline Widmer-Schlumpf nicht im Bild gewesen sei, sagte Blöchlinger, man habe die Spitze des EJPD vor etwa einem halben Jahr zu einem Besuch der Spezialeinheiten, darunter auch «Tigris», eingeladen. Der Besuch habe bisher aber nicht stattgefunden. Der Chef der Bundeskriminalpolizei bekräftigte auch, dass er selber die Kantonspolizeichefs im Herbst 2005 über die Einsatzgruppe informiert habe.

Auch an der Euro 08

Zu den bis heute rund 130 Einsätzen in Zusammenarbeit mit 21 Kantonen habe auch die Koordination des Informationsflusses unter den Interventionseinheiten der Kantonspolizeikorps an der Fussballeuropameisterschaft Euro 08 gehört. «Einzelne Kantone sind sogar auf uns zugekommen und baten um Unterstützung», sagte Blöchlinger. Die Feedbacks aus den Kantonen seien bisher nur äusserst positiv gewesen. Zu einer Schussabgabe sei es bei den bisherigen Einsätzen von «Tigris» noch nie gekommen.

Aufgebaut wurde «Tigris» gemäss Blöchlinger in der Amtszeit Blochers ab 2004 bis 2005. Es treffe aber zu, dass die Zielfahndungseinheit als Folge der von Blocher-Vorgängerin Ruth Metzler begleiteten Effizienzvorlage aufgebaut worden sei. Er selber habe «Tigris» mit Einwilligung seiner Vorgesetzten eingeführt. Blöchlinger verlässt die Bundeskriminalpolizei Mitte Jahr und wechselt zur Schaffhauser Kantonspolizei, zu deren Kommandant er gewählt wurde. Auf die Frage, ob er sich in der Kontroverse um «Tigris» vom Fedpol-Direktor und vom Bundesanwalt im Stich gelassen fühle, sagte Blöchlinger: «Dazu möchte ich nichts sagen.»

Seit dem «Weltwoche»-Bericht über «Tigris» haben Justizministerin Widmer-Schlumpf sowie die Aufsichtsorgane des Parlaments Abklärungen über die Sondereinheit abgekündigt. Auch die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren erklärte, nicht im Bilde gewesen zu sein.

Sondereinheiten im Einsatz an einem Wettkampf der Interventionseinheit Skorpion der Stadtpolizei Zürich$$VIDEO$$(Video: 20 Minuten Online) (dapd)

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