«Du bist niemals hetero» - Tiktok-Star Lena wird mit Fragen nach Sexualität überhäuft
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«Du bist niemals hetero»Tiktok-Star Lena wird mit Fragen nach Sexualität überhäuft

Unter ihren Videos häufen sich die Kommentare zu ihrer sexuellen Orientierung. Weibliche Fans flirten mit dem «Lisa and Lena»-Star (19). Andere versuchen, den Wirbel zu stoppen.

von
Lara Hofer
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Die deutschen Zwillinge Lisa (links) und Lena Mantler (19) gehören seit Jahren zu den berühmtesten Tiktok-Stars.

Die deutschen Zwillinge Lisa (links) und Lena Mantler (19) gehören seit Jahren zu den berühmtesten Tiktok-Stars.

Instagram/lisaandlena
Doch seit einigen Monaten steht eine der beiden Influencerinnen besonders im Rampenlicht: Die 19-jährige Lena, die ältere der beiden Zwillinge. 

Doch seit einigen Monaten steht eine der beiden Influencerinnen besonders im Rampenlicht: Die 19-jährige Lena, die ältere der beiden Zwillinge.

Instagram/lisaandlena
Auf Instagram und Tiktok wird die junge Influencerin regelrecht mit Aufmerksamkeit überschüttet. Dabei taucht vermehrt die Frage nach Lenas sexueller Orientierung auf. 

Auf Instagram und Tiktok wird die junge Influencerin regelrecht mit Aufmerksamkeit überschüttet. Dabei taucht vermehrt die Frage nach Lenas sexueller Orientierung auf.

Instagram/lisaandlena

Darum gehts

  • Die 19-jährigen Zwillinge Lisa und Lena Mantler sind deutsche Influencerinnen und Tiktok-Stars (13,5 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten).

  • Seit wenigen Monaten häufen sich unter den Videos der Schwestern Kommentare und Fragen zu Lenas sexueller Orientierung.

  • Unzählige weibliche Fans überschütten den jungen Star mit Komplimenten und behaupten, dass Lena «bestimmt nicht hetero» sei.

  • Andere Followerinnen und Follower versuchen derweil, die Diskussion zu stoppen. Sie finden es respektlos, Lena mit solch persönlichen Fragen zu konfrontieren.

  • Die 19-Jährige hat sich selbst nie zu dem Thema geäussert.

Scrollt man durch die Kommentarspalte unter den neusten Videos der Tiktok-Stars Lisa und Lena (beide 19), sieht man vor allem eines: Regenbogenfahnen. Kommentare wie «Lena ist zu 100 Prozent nicht hetero», «Sie gehört bestimmt zur LGBTQ-Community» und «Alle warten auf dein Coming-out, Lena» häufen sich unter den Beiträgen der berühmten Zwillinge. Rund 13,5 Millionen Followerinnen und Follower haben die beiden auf Tiktok. Seit einigen Monaten werden allerdings vor allem die weiblichen Fans laut.

Mehr und mehr ins Rampenlicht rückt dabei Lena, die ältere der beiden Zwillinge. Seit ihrer Style-Veränderung wird sie mit Komplimenten und Schmeicheleien von Zuschauerinnen überhäuft. Dabei taucht vermehrt die Frage nach ihrer sexuellen Orientierung auf. Viele Userinnen sagen, sie hätten sich in Lena verknallt, und dass der Teenie-Star «bestimmt nicht hetero» sei. Die Tiktok-Welt dreht sich also gerade gefühlt nur noch um Lena Mantler und die Frage, ob sie wohl queer sei oder nicht. Die Debatte stösst allerdings auch auf Gegenwind.

«Hört auf, sie zu drängen»

Viele Fans finden es toll, dass Lena, die sich zuvor eher zurückhaltend gezeigt hat, nun im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. «Es freut mich, dass sie mehr beachtet wird und zu sich selbst steht», schreibt etwa eine Tiktok-Userin. Sie spielt dabei auch auf Lenas neues Aussehen an: Die 19-Jährige hat ihre blonden Haare kurz abgeschnitten, wirkt selbstsicherer vor der Kamera und trägt auch mehr Schmuck, Caps und weite Klamotten. Kurz: Sie zieht an, worauf sie gerade Lust hat. Dass sie deswegen gleich als queer betitelt wird, finden längst nicht alle okay.

«Hört auf, sie mit diesen Unterstellungen zu nerven», schreibt etwa eine Tiktok-Userin. «Es ist immer noch ihr Leben und ihr solltet nicht konstant auf diesem Thema herumhacken.» Viele andere stimmen ihr zu: «Ihr drängt sie dazu, Stellung zu einem Thema zu nehmen, zu dem sie sich vielleicht gar nicht äussern möchte.» Die Fans appellieren dabei an Lenas Privatsphäre und betonen, dass solche Kommentare respektlos und übertrieben seien. Zudem sei es daneben, sich «dermassen offensichtlich an Klischees und Vorurteilen zu bedienen».

Lena selbst hat sich nicht zu ihrer Sexualität geäussert. Generell sind die 19-jährigen Zwillinge aus Stuttgart dafür bekannt, ihr Liebesleben privat zu halten. Gut möglich also, dass Lena die vielen Kommentare auch in Zukunft ignorieren wird.

Das sagt die Psychologin

Jacqueline Frossard, Sie sind Vorstandsmitglied der Föderation der Schweizer Psycholog*innen (FSP). Welche Auswirkung kann es auf Jugendliche haben, wenn sie immer wieder zu ihrer Sexualität befragt werden?

Die Frage nach der eigenen Sexualität ist sehr intim und persönlich. Gerade Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, verlieren diesbezüglich oft jeglichen Schutz. Das kann sich sehr bedrängend oder gar bedrohlich anfühlen. Besonders für Menschen, die sich ihrer Sexualität noch nicht bewusst sind, oder die sich nicht dazu äussern möchten, sind solche Fragen problematisch. Das liegt auch daran, dass Betroffene selbst dann etwas aussagen, wenn sie die Frage nicht beantworten.

Was können junge Menschen in dieser Situation tun?

Idealerweise macht ein junger Mensch nie etwas, wozu er noch nicht bereit ist. Möchte jemand nicht über seine Sexualität sprechen, sollte er es lassen. Natürlich ist das nicht immer einfach, da die Gerüchte dadurch verstärkt werden können. Als betroffene Person lohnt es sich deshalb, in sich zu gehen und sich zwei Fragen zu stellen: Bin ich mir meiner sexuellen Orientierung bewusst, und wenn ja; was hindert mich daran, zu ihr zu stehen?

Hat die Frage nach der sexuellen Orientierung auch positive Aspekte?

Je nach Situation. Es kann durchaus positiv sein, wenn die betroffene Person so motiviert wird, die eigene Identität zu klären und zu definieren. Vielleicht fällt es ihr auch leichter, über das Thema zu sprechen und zu sich zu stehen. Die fragende Person kann durch eine offene und positive Haltung signalisieren, dass die betroffene Person keine Angst vor einer negativen Reaktion haben muss – unabhängig davon, welche sexuelle Orientierung sie nun tatsächlich hat.

LGBTIQ: Hast du Fragen?

Hier findest du Antworten:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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