«Kein Lausbubenstreich»: Tiktoker springen bei voller Fahrt aus Gondel
Publiziert

«Kein Lausbubenstreich»Tiktoker springen bei voller Fahrt aus Gondel

Eine Gruppe Jugendlicher springt im Bündner Skigebiet Grüsch-Danusa aus einer fahrenden Gondel in den Schnee. Die Bergbahnen finden den Stunt gar nicht lustig. Die Polizei ermittelt.

von
Joel Probst
Themenbilder von Zermatt, Vallis. Die Gondel der Matterhon-Express Seilbahn.

Themenbilder von Zermatt, Vallis. Die Gondel der Matterhon-Express Seilbahn.

Tamedia AG/Thomas Egli

Darum gehts

  • Ein Tiktok-Video zeigt, wie Jugendliche aus einer fahrenden Gondel in den Schnee springen.

  • Beim Direktor des Skigebiets Grüsch-Danusa kommt der gefährliche Stunt gar nicht gut an.

  • Jetzt ermittelt die Kantonspolizei Graubünden.

Ein Video auf der Social-Media-Plattform Tiktok zeigt, wie vier Jugendliche nacheinander aus einer Gondel springen – aus mehreren Metern Höhe und bei voller Fahrt. Auch ihre Skis und Snowboards werfen die Wintersportler kurzerhand aus der Kabine. Knapp 80’000 Aufrufe und Tausende Likes hat das Kurzvideo auf Tiktok bereits. «Das war lustig», schreibt der 18-jährige Ersteller M. K.* dazu.

Den gefährlichen Stunt alles andere als lustig findet der Direktor des Skigebiets Grüsch-Danusa, wo das Video entstanden ist: «Wir verurteilen diese Aktion aufs Schärfste und betrachten diese nicht als Lausbubenstreich», sagt Mario Davatz auf Anfrage.

«Hätten sofort das Skiticket entzogen»

«Die Tat war ganz klar böswillig», so Davatz. Denn die Türen der Gondelbahn lassen sich laut dem Direktor nur durch kundige Gäste öffnen. Der entsprechende Hebel müsse «mit erheblichem Kraftaufwand in Bewegung versetzt werden», was nur mit einigem Aufwand und langen Armen zu bewerkstelligen sei.

Mögliche Nachahmer warnt Davatz: «Hätten wir die ‹Täter› erwischt, so hätten wir die Personalien aufgenommen und ihnen das Ticket auf der Stelle entzogen.» Doch auch für M. K. und seine Kollegen könnte der Stunt noch Konsequenzen nach sich ziehen: «Wir haben den Zwischenfall bei der Kantonspolizei gemeldet», so der Direktor.

Polizei ermittelt

Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt das auf Anfrage. Laut Sprecher Roman Rüegg nimmt sie jetzt Ermittlungen auf. Denn das Verhalten der Wintersportler sei «gemäss Personenbeförderungsgesetz» verboten. Dort steht: «Auf Antrag wird mit Busse bestraft, wer vorsätzlich während der Fahrt ein Fahrzeug besteigt, verlässt, die Türe öffnet» oder «Gegenstände aus einem Fahrzeug wirft».

M. K. will sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht zu seinem Video äussern. In den Kommentaren auf Tiktok spielt er die Gefährlichkeit des Stunts herunter. Auf die Frage, wie sie gewusst hätten, dass es nicht wehtue, antwortete er: «Es gab in zwei Tagen zwei Meter Neuschnee».

*Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung

156 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Hapelö

26.01.2021, 16:59

Vom hören sagen, lernt man Lügen. Die Gondeltüre schliesst und öffnet über einen Türschliesser der auf dem Dach der Gondel angebracht ist. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Türe von innen leicht zu öffnen ist. Im Gegenteil, ein Tritt oder dergleichen bewirkt da absolut nichts. Der Türschliesser auf dem Dach der Gondel kann aber aber im Extremfall über das seitliche Fenster mit einem Stock betätigt und damit geöffnet werden. Dass die Türe von aussen geöffnet werden kann, ist gewollt und dient im Notfall der Rettung.

Nice39462

26.01.2021, 15:08

Diese Türen kann man in einem Tritt öffnen und ohne Kraftaufwand! ( wurde mir erzählt)

Ingo Gong

26.01.2021, 11:18

Solche Sprünge sind innovativ und fördern die Lebensfreude, womit Depressionen unter Jugendlichen reduziert werden. Jede und Jeder, der einmal gesprungen ist, wird die positive Wirkung von Adrenalin auf Körper und Geist erfahren. Viel besser als einen ganzen Tag im Zimmer zu sitzen und online abzuhängen. PS: Jeder Sturz auf der Piste ist schmerzhafter.