Aufklärungsvideos: Tiktokerin will mehr weibliche Orgasmen
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AufklärungsvideosTiktokerin will mehr weibliche Orgasmen

Sie ist selbstbewusst, unverblümt und hat eine grosse Mission: Ronja Dornfeld (30) will mit ihrem Tiktok-Account Org.sm die weibliche Sexualität revolutionieren.

von
Julia Ullrich
Gabriela Graber

Ronja Dornfeld (30) führt den Tiktok-Account Org.sm. Hier einige Einblicke.

Video: org.sm / 20 Minuten

Darum gehts

  • Ronja Dornfeld (30) widmet sich der Aufklärung von Teenagern.

  • Ihre Videos veröffentlicht die Berlinerin auf der App Tiktok.

  • Dort wurden ihre Videos rasch zum Erfolg: Über 3,8 Millionen Likes konnte sie bisher generieren.

  • Ihr Ziel: Reden, worüber sonst geschwiegen wird.

  • Die 30-Jährige hofft, dass mehr Transparenz auch zu mehr weiblichen Orgasmen führen wird.

Was ist der Unterschied zwischen Vagina und Vulva? Wie gross ist die Klitoris? Und das Jungfernhäutchen, existiert es überhaupt? Die weibliche Sexualität ist für viele Menschen umringt von Mythen, Scham und Tabus. «Das muss sich ändern», dachte sich Ronja Dornfeld aus Berlin und startete Anfang Jahr den Tiktok-Account Org.sm. Mit kurzen, unterhaltsamen Videos will die 30-Jährige die weibliche Sexualität enttabuisieren und zu einem offenen, Lust machenden Dialog anregen.

«Die weibliche Lust existiert in Biologiebüchern nicht»

«Mir ist aufgefallen, dass die weibliche Sexualität mit unheimlich viel Scham behaftet ist, und das durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten und auch Altersklassen hinweg», sagt die Berlinerin. «Das Thema wird entweder durch die nüchterne Medizinerbrille betrachtet oder in Onlineforen diskutiert. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Ich bin defekt. Und im Sexualkundeunterricht werden höchstens die Themen Verhütung, Schwangerschaft und sexuell übertragbare Krankheiten abgedeckt. Die weibliche Lust existiert in Biologiebüchern nicht.»

So entschied Ronja Anfang des Jahres kurzum, die weibliche Sexualität alltagstauglich zu machen: Sie eröffnete den Tiktok-Account Org.sm, auf dem sie und ihr kleines Team regelmässig kurze Erklärvideos posten. Darin lässt Ronja Frauen und Paare mit ihren Bettgeschichten zu Wort kommen und lädt Experten und Expertinnen ein, die zu spezifischen Themen Auskunft geben: Free Bleeding – also dem Trend, gänzlich auf Menstruationsprodukte zu verzichten –, Erektionsprobleme oder Selbstbefriedigung im Islam.

Tiktok-Acoount wurde schnell zum Erfolg

Das Ziel der Tiktok-Videos ist immer das gleiche: Reden, worüber sonst nicht geredet wird, an starren Vorstellungen rütteln und zeigen, dass es richtig oder falsch in der weiblichen Sexualität schlichtweg nicht gibt.

Der Account wurde schnell zum Erfolg: Nicht mal ein Jahr nach dem Launch zählt Org.sm über 144‘000 Follower und 3,8 Millionen Likes. Jedes Video wird von der Community rege kommentiert und geteilt – «der Bedarf an Aufklärung ist also da!», so Ronja.

«Weibliche Selbstbefriedigung in Pornos dient meist der männlichen Lust»

Doch das Team von Org.sm erfährt für ihre Videos auch Kritik: «Gerade das Thema weibliche Selbstbefriedigung polarisiert sehr», meint Ronja. «Das liegt vermutlich daran, dass keiner darüber spricht und das, was man in Pornos sieht, meist der männlichen Lust dient.»

Ronja will darum den Fokus mehr auf die weibliche Lust richten. «Orgasmen sind ein Menschenrecht – eines der wenigen Dinge im Leben, die kostenlos sind und nur Vorteile haben.» Dazu gebe es zwar schon einige wissenschaftliche Erkenntnisse, aber leider noch lange nicht genug. «Das kann man nur ändern, indem man darüber spricht – und das am besten möglichst schon mit Kindern, bevor sich Erwartungen und Bilder aus Filmen einbrennen.»

Die junge Berlinerin hofft, dass mehr Transparenz und eine Hands-on-Mentalität auch zu mehr weiblichen Orgasmen führen. «Denn die Mehrheit der Frauen kann mit reiner Penetration gar nicht zum Höhepunkt kommen – etwas, worüber immer noch viel zu wenige Bescheid wissen.»

Die weibliche Masturbation

Frauen stimulieren bei der Masturbation hauptsächlich die Klitoris und die Vulva. Häufig werden zur Stimulation nebst den Fingern auch Toys wie Dildos oder Vibratoren verwendet. Gemäss Studien erreichen die meisten Frauen nur durch die klitorale Stimulation den Höhepunkt. Durch reine Penetration kommt nur ein Bruchteil der Frauen. Dies hat zur Folge, dass Frauen bei der Masturbation deutlich häufiger zum Orgasmus kommen als beim reinen vaginalen Sex.

Doch Selbstbefriedigung war lange ein Tabuthema. Ende des 18. Jahrhunderts dachte man gar, dass Masturbation wahnsinnig machen würde. Zudem war das weibliche Genital lange mit Mythen, Flüchen und Scham belegt. Dies änderte sich erst in den letzten Jahren. Vor allem Toy-Partys und soziale Medien haben die weibliche Masturbation gesellschaftsfähiger gemacht.

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