09.05.2018 19:29

1 Tor, 2 AssistsTimo Meier hat die Schweiz im Sturm erobert

Man hatte ihm viel zugetraut. Sehr viel sogar. Aber Timo Meier hat es bei seiner Nati-Premiere geschafft, sämtliche Erwartungen zu übertreffen.

von
Marcel Allemann, Kopenhagen
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Schweizer Jubel: Die Schweiz gewinnt ihr viertes Gruppenspiel gegen Weissrussland ungefährdet.

Schweizer Jubel: Die Schweiz gewinnt ihr viertes Gruppenspiel gegen Weissrussland ungefährdet.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Mann des Spiels: Timo Meier erzielt in seinem ersten Einsatz an dieser WM gleich ein Tor und bereitet zwei vor.

Mann des Spiels: Timo Meier erzielt in seinem ersten Einsatz an dieser WM gleich ein Tor und bereitet zwei vor.

Keystone/Salvatore Di Nolfi
Timo Meier muss aber auch einstecken. Hier holt Denisov (Nummer 7) den Schweizer von den Beinen.

Timo Meier muss aber auch einstecken. Hier holt Denisov (Nummer 7) den Schweizer von den Beinen.

Keystone/Salvatore Di Nolfi

«Ich bin mir bewusst, dass man mich in der Schweiz noch nicht so kennt, weil ich bereits mit 16 nach Nordamerika gegangen bin. Doch ich werde in den nächsten Tagen alles dafür tun, dass wir hier erfolgreich sein können und mich die Leute in der Heimat so auch besser kennenlernen.» Das sagte Timo Meier am Dienstag nach seiner Ankunft in Kopenhagen.

Der 21-Jährige brauchte einen Tag später, in der siegreichen Partie gegen Weissrussland, gerade mal 46 Minuten und 44 Sekunden, um die Schweiz im Sturm zu erorbern und sich nicht nur als NHL-Stürmer der San Jose Sharks, sondern auch als Schweizer Nationalspieler einen Namen zu machen. Zu diesem Zeitpunkt gelang dem Länderspiel-Debütanten sein erstes Tor zum 5:2-Endstand, zuvor hatte er bereits das 2:2 und das 3:2 vorbereitet.

Ein Eishockeyspiel morgens um 7.15 Uhr

Das Nationalteam konnte sich wahrlich glücklich schätzen, dass Meier rechtzeitig zum Team gestossen war. Ohne ihn wäre dieses Spiel gegen Weissrussland wohl zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit geworden. «Für mich ist es schön, dass ich ein Tor schiessen und punkten konnte, aber noch wichtiger ist, dass wir den Sieg holten, der war gegen Weissrussland Pflicht», erklärte der Herisauer.

Im Besitz des Pucks für sein erstes Tor als Nationalspieler war er unmittelbar nach Spielende «noch nicht», verriet Meier. Erdauern musste sich der Powerflügel zuvor auf dem Eis auch seinen Premierentreffer, denn Weissrussland reklamierte ein Offside und nahm die Coaches-Challenge. Die Schiedsrichter schauten sich die Szene anschliessend am Video lange an, gaben Meiers Tor aber schliesslich. Mit einem Lächeln meinte er: «Die haben sich ja einen halben Film angeschaut, aber zum Glück zählte der Treffer.»

Die Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass es Meiers erster Ernstkampf seit der Junioren-WM 2016 in Helsinki auf dem grossen Eisfeld war und er auch noch mit dem Jetlag zu kämpfen hat. Nach seiner inneren Uhr begann diese Partie morgens um 7.15 Uhr. Die Zeitdifferenz zwischen Kopenhagen und Meiers Arbeits- und Lebensort San Jose beträgt neun Stunden.

«Ich musste zunächst schon etwas die Beine in Bewegung bringen», gestand der Ostschweizer. «Aber meine Linienkollegen haben mich toll unterstützt, ich denke, wir haben gut zusammen gearbeitet. Und ich war auch sehr motiviert, das hat mir ebenfalls geholfen, den Rhythmus zu finden.»

Fischer: «Timo verfügt über einen unglaublichen Willen»

Dass es zwischen ihm und seinen Linienpartnern Sven Andrighetto (ebenfalls 1 Tor) sowie Joël Vermin (sogar 2 Tore) auf Anhieb so gut klappte, habe ihn jedoch nicht gross überrascht: «Wir verstehen uns auch neben dem Eis sehr gut und haben vor dem Spiel viel miteinander geredet.»

Nationaltrainer Patrick Fischer hatte Meier einen solch starken ersten Auftritt durchaus zugetraut: «Timo ist ein sensationeller Eishockeyspieler. Er verfügt über einen unglaublichen Willen, will Tore schiessen, hat einen direkten Zug aufs Tor – und den Jetlag hat er, so glaube ich, einfach vergessen.»

Trotz seines glanzvollen Auftritts und den vielen Lobeshymnen sieht Meier noch Steigerungspotenzial: «Ich muss mich sicher noch weiter verbessern und mit den Trainern einige Sachen anschauen.» Damit spricht er vor allem das Defensivspiel an: «Ich habe hier weitere Wege als in Nordamerika, da muss ich schauen, dass ich mich richtig bewege und nicht blöd herumrenne.»

Die Zeit dafür bekommt Timo Meier jetzt. Am Donnerstag und Freitag ist die Schweiz spielfrei, weiter geht es erst am Samstag gegen Russland.

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