Misshandlungsvorwürfe: Timoschenko tritt in den Hungerstreik

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MisshandlungsvorwürfeTimoschenko tritt in den Hungerstreik

Seit fast fünf Tagen isst die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko nichts mehr. Sie protestiert damit gegen ihre Haft, in der sie von Aufsehern misshandelt worden sei.

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko winkt beim Abtransport ins Gefängnis von Kharkiv.

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko winkt beim Abtransport ins Gefängnis von Kharkiv.

Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen ist die erkrankte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko in einen Hungerstreik getreten. Sie nehme seit dem 20. April keine Nahrung mehr zu sich. Ihr Anwalt Sergej Wlasenko erklärte am Dienstag, seine Mandantin wolle damit gegen körperliche Gewalt durch Gefängnisaufseher protestieren. Sie sei in der vergangenen Woche von den Aufsehern in den Bauch getreten worden, als diese sie mit Gewalt in ein Krankenhaus in Charkow gebracht hatten.

Nach dem erzwungenen Transport weise der Körper der Oppositionsführerin schwere Blutergüsse auf, sagte Wlasenko nach Angaben der Agentur Interfax. Timoschenko habe Angst bekommen, als die Aufseher am Freitag in ihre Zelle gekommen seien, erklärte Wlasenko. Sie habe sich widersetzt und sei daraufhin in den Magen getreten worden und bewusstlos geworden. Deutsche Ärzte hatten die 51-Jährige in der Stadt rund 450 Kilometer östlich von Kiew untersucht und als sehr krank bezeichnet.

«Ich gehe nirgendwohin»

Die Staatsanwaltschaft von Charkow räumte ein, dass die über starke Rückenschmerzen klagende Timoschenko am vergangenen Freitag gegen ihren Willen in das Spital gebracht worden sei. Die Inhaftierte sei «unter Anwendung physischer Gewalt in die Ambulanz getragen und in die Klinik gefahren» worden, sagte Staatsanwalt Gennadi Tjurin. Die Aufseher hätten jedoch innerhalb der gesetzlichen Grenzen gehandelt. Beweise für körperliche Gewalt gebe es nicht.

Die Gefangene habe sich angezogen und dann auf ihr Bett gelegt mit den Worten «Ich gehe nirgendwohin», sagte Staatsanwalt Henadij Tjurin. «Das Gefängnispersonal hat das Recht, körperliche Massnahmen zu ergreifen. Sie wurde aufgehoben, ins Auto gebracht und ins Krankenhaus gefahren.»

Timoschenko war im Oktober 2011 in einem als politisch motiviert kritisierten Prozess wegen angeblichen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Seit vergangenem Donnerstag wird gegen sie zudem in einem zweiten Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung in ihrer Zeit als Chefin eines staatlichen Energiekonzerns verhandelt.

Sorge in Moskau und Brüssel

Moskau rief die Behörden in Kiew zu einem humanen Verhalten auf. «Wir hoffen, dass die ukrainischen Behörden alle notwendigen Massnahmen zur Gewährleistung von Timoschenkos Rechten ergreifen, dass sie ihre Menschlichkeit unter Beweis stellen und einen angemessenen Weg finden, um die innenpolitische Lage nicht zu komplizieren», erklärte das russische Aussenministerium laut der Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Die EU-Kommission zeigte sich besorgt über die Berichte. Ein Sprecher forderte die ukrainische Regierung auf, sich umgehend zur Lage Timoschenkos zu äussern. Unabhängige und kompetente Vertreter sowie ihre Anwälte müssten sofort und für einen ausreichenden Zeitraum Zutritt zu Timoschenko erhalten. (sda/dapd)

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