Aktualisiert 09.03.2019 14:39

Israelischer Playboy

Tinder-Betrüger war auch in der Schweiz unterwegs

Shimon Hayut hat mehreren Frauen Geld abgeknöpft. Seine Spuren führen auch in die Schweiz.

von
woz/dk
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Ein Betrüger, der sich als Erbe eines milliardenschweren Diamantenimperiums ausgegeben hat, soll insgesamt über 600'000 Franken ergaunert haben.

Ein Betrüger, der sich als Erbe eines milliardenschweren Diamantenimperiums ausgegeben hat, soll insgesamt über 600'000 Franken ergaunert haben.

Tore Kristiansen/ VG.no
Auf  Tinder flirtete Hayut mit Frauen – chattete und telefonierte mit ihnen und gab den charmanten Gentleman, bis er irgendwann Geld verlangte.

Auf Tinder flirtete Hayut mit Frauen – chattete und telefonierte mit ihnen und gab den charmanten Gentleman, bis er irgendwann Geld verlangte.

epa/Sascha Steinbach
Das norwegische Boulevardmagazin VG hat den Tindler-Schwindler in monatelanger Recherche überführt.

Das norwegische Boulevardmagazin VG hat den Tindler-Schwindler in monatelanger Recherche überführt.

Tore Kristiansen/ VG.no

Shimon Yehuda Hayut gab sich unter falschem Namen als Erbe eines milliardenschweren Diamantenimperiums aus und schlug Firmen angeblich lukrative Geschäfte vor. So hat er seit 2008 mindestens ein Duzend Frauen, Ehepaare und Unternehmen hinters Licht geführt, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Auf Tinder flirtete Hayut mit Frauen – chattete und telefonierte mit ihnen und gab den charmanten Gentleman, bis er irgendwann Geld verlangte. Er schickte Liebesbekundungen, übernachtete mit Frauen in Nobelhotels oder jettete mit ihnen im Privatflugzeug um die Welt – bis die Frauen ihm völlig vertrauten. Dann stellte er Forderungen: 10'000 Euro Vorauszahlung, um ein Millionengeschäft abzuschliessen. Oder unbeschränkten Zugriff auf die Kreditkarte.

600'000 Franken ergaunert

Doch Hayut flog auf. Das norwegische Boulevardmagazin VG hat den Tindler-Schwindler in monatelanger Recherche überführt. Es hat eines der Opfer, Pernilla Sjoholm aus Schweden kontaktiert und sie über die Machenschaften über ihren angeblichen Freund, den sie unter dem Namen Simon Leviev kennenlernte, aufgeklärt.

Als Pernilla ihn telefonisch zur Rede stellt, zeigt Hayut sein wahres Gesicht: «Wenn du gegen mich vorgehst, wirst du das dein ganzes Leben bereuen. Du wirst dafür bezahlen», droht er ihr. Sie und ein weiteres Opfer, Cecilie Fjellhoy aus Norwegen haben Hayut inzwischen trotzdem angezeigt.

Insgesamt soll der Tindler-Schwindler über 600'000 Franken ergaunert haben. Schon 2011 sei Hayut in Israel wegen Diebstahls, Betrug und Fälschung angeklagt gewesen. Vor Gericht sei er jedoch nie gestanden, da er sich nach Europa absetzte. Im Jahr 2016 wurde der stets gut gekleidete Israeli schliesslich in Finnland wegen mehrfachen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und dann 2017 nach Israel ausgeliefert. Dort kam er gegen Kaution frei – und ist seither untergetaucht.

Spuren führen in die Schweiz

Doch nicht nur in Schweden, Norwegen Deutschland oder den USA versuchte er mit Frauen anzubandeln. Seine Reisen führten ihn auch in die Schweiz, berichtet der «Tages-Anzeiger». Sjoholm erhält ein Video, das Hayut mit einem Luxus-SUV, einem gemieteten Cadillac Escalade zeigt. Das Nummernschild ist in Appenzell-Innerrhoden registriert. «Das Auto ist im Schnee stecken geblieben, unglaublich!» Hayut chattete unter dem Namen Michael auch mit einer Frau, die sich in der Schweiz aufhielt.

Und auch weitere Spuren führen in die Schweiz: Gemäss dem Bericht hat Hayut über die Kreditkarten seiner Opfer Flüge mit der Zwischendestination Zürich gebucht. Mittlerweile laufen gegen Hayut Strafverfahren in Israel und in Deutschland. In Schweden, England und Norwegen sind wegen Betrugs Anzeigen eingegangen. Noch befindet sich Hayut aber auf der Flucht.

Kennen Sie den betreffenden Mann persönlich? Haben Sie ihn auf Tinder gesehen oder wissen, wo er sich gerade befindet? Dann melden sie sich per Whatsapp: 076 420 20 20.

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