ENTHÜLLUNG: «Titanic»-Suche war getarnte Geheimmission
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ENTHÜLLUNG«Titanic»-Suche war getarnte Geheimmission

1985 gelang dem Amerikaner Robert Ballard eine Sensation: Er entdeckte das Wrack der «Titanic» auf dem Grund des Atlantiks. Nun enthüllte Ballard, dass die Mission in Wirklichkeit einen ganz anderen Zweck verfolgte.

Die «Titanic» ist ein Mythos, seit sie 1912 auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg kollidiert und gesunken war. Der amerikanische Ozeanograf Robert Ballard träumte wie viele andere davon, das Wrack des legendären Luxusliners zu finden. Eigens zu diesem Zweck hatte er einen neuartigen Unterwasser-Roboter konstruiert. Doch Ballard hatte kein Geld und damit ein grosses Problem.

Er legte seine Pläne dem US-Militär vor. Dieses zeigte wenig Interesse an der «Titanic», umso mehr aber an Ballards Tauchroboter. Denn in den 60er-Jahren waren zwei amerikanische Atom-U-Boote im Atlantik gesunken, die «USS Tresher» und die «USS Scorpion». Mehr als 200 Menschen starben, und im Fall der «Scorpion» bestand der Verdacht, dass sie von der Sowjetunion versenkt worden war. Ausserdem wollte das Militär unbedingt wissen, was aus den Nuklear-Reaktoren geworden war.

Geld für zwei Expeditionen

Ballard erhielt das Geld für zwei Expeditionen. 1984 suchte er vor der US-Ostküste nach der «Tresher» und ein Jahr darauf im östlichen Atlantik nach der «Scorpion». «Ich konnte nicht darüber reden», sagte er nun der britischen «Times». «Auf mir lastete grosser Druck, es war eine Geheimmission. Ich hielt sie aber für einen fairen Deal, um die Chance zu bekommen, nach der «Titanic» zu suchen.» Für das Militär war genau dies der ideale Vorwand, um den eigentlichen Zweck der Suche zu vertuschen.

Für Robert Ballard und sein Team resultierte ein Erfolg auf der ganzen Linie. Er fand heraus, dass die «Tresher» in Tausende Einzelteile zerbrochen war, nachdem sie 1963 in rund 300 Metern Tiefe implodiert war. Ursache war offenbar der Bruch einer Hochdruck-Wasserleitung, die zur Kühlung des Reaktors gedient hatte. Die «Scorpion» wiederum war 1968 fast vollständig zerstört worden. «Es sah aus, als wäre sie geshreddert worden, es gab eine lange Spur aus Wrackteilen», sagte Ballard der «Times». Ein Sowjet-Angriff habe wohl nicht zum Unglück geführt, sondern ein ausser Kontrolle geratener Torpedo, der sich selbst abgefeuert habe.

Kein Risiko durch Reaktoren

Gute Nachrichten gab es auch betreffend der Reaktoren. Die eingesammelten Proben hätten gezeigt, dass nur ein geringes Risiko für die Umwelt bestand. Erst nach Abschluss der eigentlichen Aufgabe durfte Ballard sich auf seinen Traum von der «Titanic» konzentrieren, letztlich mit Erfolg. Dabei profitierte er von der Vorarbeit: Die Suche nach den U-Booten habe ihn auf die Idee gebracht, das Wrack durch eine Spur aus einzelnen Teilen zu finden.

Was mit den Daten über die U-Boote geschah, weiss der Ozeanograf bis heute nicht: «Die Experten haben uns nie mitgeteilt, was sie herausgefunden hatten.» Über die Mission könne er nun reden, weil sie nicht mehr der Geheimhaltung unterstehe. Dank der «Titanic» konnte sich Robert Ballard als Entdecker gesunkener Schiffe profilieren. Er fand unter anderem das Wrack des deutschen Kriegsschiffs «Bismarck» und des Flugzeugträgers «USS Yorktown».

(pbl)

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