Hockey-WM: «Titel wäre genial»: Mark Streit über die Chancen der Nati
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Endrunde in Finnland steht an«Titel wäre genial» – das sagt Hockey-Legende Streit über Nati-WM-Chancen

249 Länderspiele und 13 WM-Teilnahmen absolvierte Mark Streit mit der Schweizer Nati. Nun spricht die Hockey-Ikone im Interview mit 20 Minuten über die Chancen der Fischer-Truppe in Finnland.

von
Florian Gnägi
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Mark Streit ist optimistisch, dass die Schweiz an der WM in Finnland ein starkes Turnier zeigen könnte.

Mark Streit ist optimistisch, dass die Schweiz an der WM in Finnland ein starkes Turnier zeigen könnte.

Marc Schumacher/freshfocus
Wegen Ausnahmekönnern wie Timo Meier und einer guten Balance im Team liegt für Streit einiges drin aus Schweizer Sicht.

Wegen Ausnahmekönnern wie Timo Meier und einer guten Balance im Team liegt für Streit einiges drin aus Schweizer Sicht.

Claudio Thoma/freshfocus
Der 44-jährige Berner spielte zu Aktivzeiten 249 Mal für die Nati.

Der 44-jährige Berner spielte zu Aktivzeiten 249 Mal für die Nati.

Andy Mueller/freshfocus

Darum gehts

  • Am Samstag geht für die Schweizer Eishockey-Nati das WM-Abenteuer in Finnland los.

  • Nati-Legende Mark Streit spricht im Interview mit 20 Minuten darüber.

  • Der Berner sagt, wieso es der Schweiz besser laufen könnte als bei Olympia und was ein Schweizer WM-Titel bedeuten würde.

Mark Streit, Sie haben in der Schweiz lange für die ZSC Lions gespielt. Wie sehr nervt Sie es, dass die Lions den Playoff-Final doch noch verloren haben?

Ich habe die Spiele relativ eng mitverfolgt und fand es sehr ein attraktives und intensives Hockey mit zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Ich hatte in Zürich eine sehr schöne Zeit gehabt, habe immer noch viele Kollegen dort und deswegen gehofft, dass sie gewinnen. Für den ZSC ist es natürlich sehr bitter, auf die Art und Weise den Final zu verlieren, aber Zug hat Unglaubliches geleistet.

Die Schweiz tritt an der WM mit zahlreichen NHL-Stars wie Timo Meier oder Nico Hischier an. Ist das die beste Nati aller Zeiten?

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Schweiz grosse Fortschritte gemacht hat und immer besser wird. Das ist eine sehr gute Mannschaft, bei der man durchaus Optimismus und Hoffnung haben kann.

Sie waren als aktiver Spieler lange selbst in Nordamerika. Ist eine WM-Teilnahme für einen NHL-Spieler, der die Playoffs verpasst hat, bloss ein Trostpflaster?

Klar ist die Enttäuschung da, wenn man die Playoffs verpasst. Es kommt immer auch auf die Situation drauf an, ob es schon lange klar war, dass man sie verpasst oder ob sich das erst kurz vor Ende der Regular Season abzeichnet. Für mich war es immer schön, zurück in die Schweiz zu kommen und habe es sehr genossen, für die Nati spielen zu können. Die meisten der Jungs sind jetzt im besten Alter und reisen top motiviert an die WM, um dort eine Medaille zu gewinnen.

2017 gewann Streit als aktiver Spieler mit Pittsburgh den Stanley-Cup und präsentierte den Pokal später in seiner Heimat Bern.

2017 gewann Streit als aktiver Spieler mit Pittsburgh den Stanley-Cup und präsentierte den Pokal später in seiner Heimat Bern.

Urs Lindt/freshfocus

Sie sprechen einen möglichen Medaillen-Gewinn an. Wäre alles darunter eine Enttäuschung für die Nati?

Nein, das kann man nicht so hart sagen. Grundsätzlich ist eine WM nie ein Selbstläufer. Das erste Zwischenziel ist sicher das Erreichen des Viertelfinals, aber vieles hängt von der Tagesform in den einzelnen Spielen ab. Es wäre sicher ein riesiger Erfolg, wenn die Schweiz eine Medaille holt. Wenn es aber nicht klappt und die Leistungen sonst gut sind, kann man trotzdem die Lehren daraus ziehen. Z.B. bei Olympia im Viertelfinal war Finnland einfach besser, dann gilt es das zu akzeptieren.

An Olympia lief es der Schweiz im ganzen Turnier nicht. Warum wird es jetzt an der WM besser?

In einem Turnier kann man immer in einen «Flow» rein kommen. Das hat man bei den beiden Turnieren gesehen, wo die Schweiz Silber gewann. Aktuell harmoniert die Nati gut als Team, dazu funktioniert die Zusammenstellung der einzelnen Linien sehr gut. Wichtig ist schon, dass man sich in der Vorrunde kontinuierlich steigern kann, damit man bereit ist für die K.o.-Spiele. 

Der Schweizer WM-Spielplan

  • Samstag, 14. Mai, 15.20 Uhr: Schweiz – Italien

  • Sonntag, 15. Mai, 19.20 Uhr: Dänemark – Schweiz

  • Dienstag, 17. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Kasachstan

  • Mittwoch, 18. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Slowakei

  • Samstag, 21. Mai, 15.20 Uhr: Kanada – Schweiz

  • Sonntag, 22. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Frankreich (statt Russland)

  • Dienstag, 24. Mai, 11.20 Uhr: Deutschland – Schweiz

  • ev. Donnerstag, 26. Mai: Viertelfinals

  • ev. Samstag, 28. Mai: Halbfinals

  • ev. Sonntag, 29. Mai: kleiner und grosser Final

Ist es ein Vorteil, dass die Schweiz an der WM gegen vermeintlich leichtere Gegner wie Italien und Dänemark startet? 

Für mich ist es positiv, dass man es zu Beginn mit etwas schwächeren Teams zu tun bekommt. Aber auch diese Mannschaften sind unangenehm zu spielen und an einer WM gibt es immer wieder Überraschungen. Es ist ein Spiel und nicht eine Best-Of-7-Serie, da kann alles passieren.

Auf welche Spieler kommt es besonders darauf an? 

Schlussendlich gewinnt und verliert man als Team, aber klar, wir haben schon einige Ausnahmekönner wie Timo Meier und Nico Hischier, die in entscheidenden Momenten den Unterschied ausmachen können. Wichtig ist für mich die Balance zwischen Talent und physisch starken Spielern mit Wasserverdrängung, dass hat man auch an Olympia gegen Finnland gesehen.

Lang ist’s her: Mark Streit bei einem Einsatz für die Nati im Jahr 2001.

Lang ist’s her: Mark Streit bei einem Einsatz für die Nati im Jahr 2001.

freshfocus

Sind die Finnen für Sie auch bei ihrem Heimturnier Top-Favorit?

Ich denke schon, dass sie zusammen mit Ländern wie Schweden, Kanada, USA oder Tschechien zum Favoritenkreis gehören. Die Finnen spielten in Peking sehr ein abgeklärtes und einfaches Hockey und hatten ein starkes Kollektiv. Jetzt ist die Erwartungshaltung vor eigenem Publikum aber klar der Weltmeistertitel. Mit diesem Druck umzugehen, ist eine andere Geschichte als vor leeren Rängen in China zu spielen.

Was würde im Schweizer Eishockey mehr auslösen? Ein WM-Titel der Nati oder eine Austragung einer weiteren Heim-WM?

Ich denke schon der Titel. Einerseits wäre es für die Geschichte des Schweizer Eishockey genial und auch für die Spieler und Fans wäre es ein riesiger Erfolg. Wenn du einmal Weltmeister bist, bleibst du das dein Leben lang. Andererseits kann man durch eine WM-Organisation auch immer Mittel generieren und sich im Schaufenster präsentieren.

Welches sind Ihre besten Erinnerung an die 13 WM-Endrunden, an denen Sie als Spieler teilgenommen haben?

Meine erste WM 1998, als wir in Basel den Halbfinal erreicht haben, war sehr speziell. Die Heim-WM 2009 war dann sportlich zwar nicht so erfolgreich, aber trotzdem eine coole Sache, weil wir in Bern spielten und meine Familie und Freunde im Stadion waren. Schön war es auch immer in Prag zu spielen. Die Leute sind sportbegeistert dort, die friedliche Stimmung der Fans in der Stadt und den Stadien war immer sehr toll.


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