Wirtschaftskrise trifft die Serie A: Titelduell zwischen Inter und Juventus?
Aktualisiert

Wirtschaftskrise trifft die Serie ATitelduell zwischen Inter und Juventus?

Kaká und Ibrahimovic verliessen die Serie A. Weil das Geld fehlt, blieben zudem die ganz grossen Transfers der italienischen Klubs aus. Die Serie A, noch immer die Nummer 3 im UEFA-Ranking, steht vor der neuen Saison leistungsmässig der Bundesliga und der Ligue 1 näher als der Premier League und der Primera Division.

2006 erschütterte der Manipulationsskandal den italienischen Fussball. Doch zu Fall kam der Calcio deshalb nicht. Der WM-Titel überstrahlte die dunklen Schatten. 2007 ging die langweiligste Meisterschaft seit dem Aufschwung der Achtzigerjahre zu Ende, doch der Sieg Milans in der Champions League liess die Tifosi im Glauben, die Serie A sei noch immer auf Augenhöhe mit der Premier League und der Primera Division.

2009 ist das nicht mehr so. Es gibt keine Erfolgsmeldungen, welche die Probleme überdecken. Weil Kaká (Real Madrid) und Zlatan Ibrahimovic (FC Barcelona), die beiden Individualisten, welche die Serie A in den letzten fünf Jahren dominiert hatten, Italien verliessen, schrieb die Gazzetta dello Sport jüngst: «Das Zentrum des grossen Fussballs hat sich verschoben, und Italien ist aus der Hauptstadt tiefe Provinz geworden. Wir stehen vor dem Jahr null.» Die Experten befürchten Mäusekino statt grosses Kino.

Stadionproblematik als Kern des Übels

Kaká und Ibrahimovic haben der Serie A den Rücken zugekehrt, weil sie die Herausforderung in einer stärkeren Liga suchen, wo mehr Fans in den Stadien sitzen, und wo sie auch mehr verdienen können. Die italienischen Klubs aber, die noch in den Achtziger-und Neunzigerjahren die Besten der Besten anlockten, können heute mit der Preistreiberei spanischer und englischer Vereine nicht mehr mithalten. Ihnen fehlt das Geld nicht zuletzt, weil sie bei den Heimspielen kaum noch Gewinne erzielen. Denn infrastrukturell ist Italien ein Schwellenland, das es in den letzten 20 Jahren verpasste, die Modernisierung der Stadien voranzutreiben. Die Arenen sind daher grässlich veraltet und zudem nicht im Besitz der Klubs; sie gehören den Gemeinden. Die Umgebung, in der sie stehen, ähnelt an Spieltagen aus Angst vor Ausschreitungen einer Besatzungszone. Daher sind die Zuschauerzahlen seit Jahren rückläufig.

Als Folge davon praktizieren die klammen Klubs nun auch auf dem Transfermarkt den Catenaccio. Die wirtschaftliche Bilanz wird nicht (mehr) ignoriert, notfalls spielt man auf 0:0 wie die finanziell arg taumelnde AS Roma (bisher keine namhaften Zuzüge). Selbst die AC Milan, dank Silvio Berlusconis Millionen einst europäischer Krösus, verhielt sich defensiv. Die 65 Millionen Euro, die Milan aus dem Verkauf Kakas verdiente, reichten gerade, um die Schulden aus der Vorsaison abzutragen. Für den Holländer Klaas-Jan Huntelaar (Real Madrid) gab Milan genau den Betrag aus, den es für Yoann Gourcuff (zu Bordeaux) eingenommen hatte.

Vor einem Duell Inter - Juve?

Andere achteten ebenfalls peinlich genau auf die schwarze Null, wenn auch mit attraktiveren Personalrochaden. Inter verlor zwar Ibrahimovic, erhielt von Barcelona für ihn aber Samuel Eto'o als Realersatz und 45 Millionen Euro Schmerzensgeld. Damit konnte sich Inter das Trio Lucio (Bayern München), Thiago Motta und Diego Milito (beide Genoa) leisten. José Mourinho hat sein Team geschickt verändert und trotz des Abgangs von Torschützenkönig Ibrahimovic verstärkt. Nach den Titeln 2007, 2008 und 2009 sind die Mailänder auch heuer der Top-Favorit.

Auf den ersten Blick scheint einzig Juventus mit Inter mithalten zu können. Die Turiner haben sich nach dem Calcio-Skandal und dem Zwangsabstieg kontinuierlich bis auf Platz 2 verbessert. Jetzt wollen sie die Festung Inter angreifen. Dafür holten sie die Brasilianer Diego (Werder Bremen), Felipe Melo (Fiorentina) und das Monument Fabio Cannavaro (Real Madrid). Dieses Trio bildet mit Torhüter Gigi Buffon und den Internationalen Giorgio Chiellini und Mauro Camoranesi sowie den Stürmern Alessandro Del Piero, David Trezeguet und Amauri eine kompakte Gruppe. Dass Juve mit grösserer Kriegskasse unterwegs ist als die Konkurrenz, hat seine Gründe. Der Rekordmeister ist der einzige Klub, der ein eigenes, modernes Stadion zumindest im Bau hat.

Inter und Juventus haben mehr Qualität als in der letzten Saison und zusammen mit Milan, das an den europäischen Abenden oft sein Top-Niveau erreicht(e), könnten sie die Serie A in der Champions League heuer würdiger vertreten als im Vorjahr, als die gesamte italienische Flotte schon in den Achtelfinals versenkt wurde. Das wäre im Jahr null immerhin ein guter Start in ein neues Zeitalter, aber auch eine Gefahr, denn langfristige Probleme überdecken sie in Italien gerne mit kurzfristigem Glanz. Auch darin sind die Italiener Weltmeister.

Die 1. Runde der Saison 2009/2010.

Samstag, 22. August, 18.00 Uhr: Bologna - Fiorentina. 20.45 Uhr: Siena - Milan.

Sonntag, 23. August, 18.00 Uhr: Inter Mailand - Bari. 20.45 Uhr: Catania - Sampdoria Genua, Genoa - AS Roma, Juventus Turin - Chievo Verona, Lazio Rom - Atalanta Bergamo, Livorno - Cagliari, Palermo - Napoli, Udinese - Parma. (si)

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