Aktualisiert 12.05.2011 12:17

«Duke Nukem Forever»

Titten, Gewalt und markige Sprüche

«Ich hab Eier aus Stahl!» - Duke Nukem kehrt nach 15 Jahren zurück. Was besorgte Eltern die Playstation wegsperren lässt, ist für Gamer eine gelungene Parodie von Macho-Helden.

von
Oliver Wietlisbach

Blonder Bürstenschnitt, Zigarre im Mundwinkel und stets eine wummernde Knarre in der Hand – das ist Duke, das von Testosteron triefende Muskelpaket mit Sonnenbrille. Gewisse Ähnlichkeiten mit Arnold Schwarzenegger aus den Neunziger-Jahre-Actionfilmen sind unverkennbar. Duke Nukem ist der wohl bekannteste Pixel-Macho und Kult-Hero der gleichnamigen Computer- und Konsolen-Spiele: Badass Duke pinkelt immer im Stehen, zerdrückt rülpsend Bierdosen und reisst Aliens die Köpfe ab. Der letzte grosse Auftritt des Dukes liegt 15 Jahre zurück, doch nun ist die Videospiel-Ikone der Neunziger-Jahre wieder da.

Erfolgsrezept: Nackte Haut und literweise Blut

Am Erfolgskonzept «Titten, Waffen und reichlich derbe Sprüche» haben die Entwickler nichts geändert. Fans der alten «Duke-Nukem»-Titel werden es mit Genugtuung quittieren und Kritiker von Video-Spielen werden alle ihre Vorurteile bestätigt sehen.

Bereits ein Monat vor dem Verkaufsstart sorgt der in «Duke Nukem Forever» zelebrierte Sexismus für rote Köpfe. Bei der Präsentation des Spiels rief eine angedeutete Oralsex-Szene des Dukes mit zwei jungen Mädchen in Schuluniform noch heiteres Gelächter hervor (siehe obiges Video). Inzwischen laufen Feministinnen und der konservative US-Sender «Fox» allerdings Sturm gegen die Entwickler-Firma.

«Capture the Babe»

Besonders umstritten ist ein «Capture the Babe» genannter Mehrspieler-Modus. Es geht darum eine Frau des gegnerischen Teams zu entführen und ins eigene Lager zu bringen. Wenn das auf dem Rücken getragene Entführungsopfer zu zappeln beginnt, soll es per Mausklick mit einem «beschwichtigenden Klapps» ruhiggestellt werden, schreibt das «Official Xbox Magazine». Für solch «kreative» Ideen hat der Berner SP-Präsident und «Killer-Spiel»-Gegner Roland Näf überhaupt kein Gehör: «Das Frauen- und Männerbild, das in solchen Games vermittelt wird, finde ich nicht nur abstossend, sondern inakzeptabel. Es wird sich bei Jungen auf das Verhalten gegenüber Mädchen auswirken», warnt er.

Adrian Fuertes von der Vereinigung GameRights sieht im Spieleheld «Duke Nukem» eine Karikatur von Macho-Actionhelden wie Arnold Schwarzenegger. Bei «Capture the Babe» handle es sich um einen Scherz, der «eine Übertreibung der Frauenrolle aus den Actionfilmen des späten zwanzigsten Jahrhunderts darstellt», so Fuertes. «Die Rolle des Dukes, das unterwürfige Verhalten der Babes und die dargestellte Gewalt sind derart überzeichnet, dass es als harmlose Satire einzustufen ist», erklärt er gegenüber 20 Minuten Online. Ganz anders sieht dies «Killer-Spiel»-Gegner Näf. «Wäre es ebenso harmlose Satire, wenn die entführten Babes zur Beruhigung noch vergewaltigt würden? Auch in diesem Fall sprächen einzelne Gamer noch von Satire. Besonders jugendliche Gamer identifizieren sich mit dem Helden Duke Nukem, der Babes mit Gewalt erobert. Keine Frau möchte mit Gewalt erobert werden. Die meisten jungen Gamer nehmen ihr sexistisches und gewalttätiges Handeln nicht als satirisch wahr», so Näf.

Entwickler: «Wollen nicht schockieren»

Randy Pitchford, Präsident der Entwickler-Firma Gearbox, versteht die Aufregung nicht: «In «Duke Nukem Forver» werden keine Frauen geschlagen oder vergewaltigt», stellt er auf Anfrage klar. Der «Capture the Babe»-Modus sei lediglich Duke Nukems respektlose Version des traditionellen «Capture the Flag»-Spiels - gestaltet im überdrehten, politisch unkorrekten Geiste der gesamten Duke-Nukem-Marke. Den Duke charakterisiert er als «unflätigen Macho und überspitztes Beispiel des ultimativen Alpha-Männchens.» Der Humor des Spiels sei zu vergleichen mit Filmen wie «The Hangover» oder «American Pie».

«Es ist nicht unser Ziel, die Menschen zu schockieren, aber ich denke, es gibt ein paar Inhalte, die ein wenig gewöhnungsbedürftig sein könnten», wird Gearbox-Chef Pitchford auf «Spiegel Online» zitiert. Ein Blick auf die Website des Spiels vermittelt ein Gefühl, was auf uns zukommen wird. Ein Trailer zeigt Szenen, in denen der Duke mit Fäkalien um sich wirft - in der Tat «ein wenig gewöhnungsbedürftig.»

«Diese Art des Humors ist nicht für jedermann und eindeutig an ein älteres und reiferes Publikum gerichtet», meint Fuertes von GameRights. Deshalb sei es wichtig und richtig, dass das Spiel nicht an Kinder und Jugendliche verkauft wird, ergänzt er. Für Näf, der sogenannte «Killer-Spiele» verbieten möchte, sind die Altersempfehlungen der Industrie Augenwischerei. Altersbeschränkung seien hierzulande bedeutungslos, da es keinen wirksamen Jugendschutz gebe: «Niemand macht sich strafbar, wenn er einem Siebenjährigen nächsten Monat «Duke Nukem Forever» schenkt», betont Näf.

Bei der «Swiss Interactive Entertainment Association», die die Interessen der Spiele-Industrie vertritt, will man sich nicht explizit zu «Duke Nukem Forever» äussern. «Der Verband äussert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Titeln, solange sich diese im gesetzlichen Rahmen bewegen», teilt ein Verbands-Sprecher mit.

Die Duke-Nukem-Sage

Der Ursprung des Dukes geht auf das Jahr 1991 zurück. Ein kleines Game-Studio programmierte ein unscheinbares Ballerspiel. Ein weltweiter Millionenerfolg wurde erst fünf Jahre später der Nachfolger «Duke Nukem 3D». Das Spiel gilt als Meilenstein seines Genres. Zum Erfolg beigetragen haben nicht zuletzt die unverwechselbare Stimme des Dukes, gesprochen vom US-amerikanischen Radiomoderator Jon St. John und seine legendären Sprüche: So ist «Damn, you're ugly» eine Referenz an den Alien-Actionfilm «Predator» mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.

Bereits Ende der Neunziger-Jahre stiegen jedoch die Ansprüche an einen Ego-Shooter. Die Spieler liessen sich nicht mehr mit stupiden Ballerorgien abspeisen. Sogenannte Taktik-Shooter mit teils cineastisch erzählten Storys punkteten bei den Gamern. Aktuelle Titel wie «Portal 2» verzichten gar komplett auf gewalttätige Monster oder Aliens und überzeugen alleine durch die innovative Spielidee.

Die Suche nach dem perfekten Spiel

Angesichts der aktuellen Genre-Vertreter, die auf durchdachte Handlungen und pompöse Grafik setzen, wirkt der Duke im Jahr 2011 etwas angegraut – was kaum verwundert. So war die Fortsetzung bereits für 1998 angekündigt worden. Was in den nächsten 13 Jahren allerdings folgte, gilt wohl als grösstes Trauerspiel der Computer-Spiel-Geschichte.

Die Softwareschmiede 3D Realms vertröstete die wartenden Fans ein ums andere Mal. Es sollte das perfekte Spiel werden. Sobald sich das Projekt jeweils nach mehreren Jahren Arbeit der Fertigstellung näherte, war die Grafik indes bereits veraltet. Die Konkurrenz hatte in der Zwischenzeit neue Referenz-Shooter auf den Markt gebracht und 3D Realms musste nachbessern, wollten sie die Krone der Ego-Shooter zurückerobern. Dieses Spielchen zog sich über ein Jahrzehnt hin. Alle paar Jahre tauchte ein neues Video auf, das die Spieler auf die Rückkehr des Dukes heiss machen sollte.

Nach 13 Jahren Trauerspiel zog Geldgeber Take-Two die Notbremse. Der Game-Publisher brachte die zu perfektionistisch veranlagten Programmierer vor Gericht und stoppte die Finanzierung. 3D Realms musste die Entwicklung von «Duke Nukem Forever» abbrechen und entliess mehrere Mitarbeiter.

Vor zwei Jahren galt das Projekt als gestorben. Richtig überrascht waren die Wenigsten, da kaum mehr jemand an die Veröffentlichung des nächsten Duke-Abenteuers glaubte. Bis im letzten Jahr das Game-Studio Gearbox den Duke unter ihre Fittiche nahm und das Unmögliche anscheinend wahr machte. Am Spielprinzip hat sich in all den Jahren kaum etwas geändert. Im neuen Abenteuer bedrohen einmal mehr fiese, ausserirdische Monster unseren Heimatplaneten. Als die Alien-Rüppel beginnen die Frauen zu entführen, gibt ihnen der Duke mit Pumpgun, Raketenwerfer und Schrumpfkanone Saures. «Warum müssen die auch immer die heissen Frauen kidnappen?», so der genervte Duke.

Duke Nukem kehrt am 10. Juni 2011 zurück, um der Alienbrut ein letztes Mal in den Arsch zu treten. Das Datum sollte als ungefährer Schätzwert verstanden werden.

Systeme: PC, PS3, Xbox 360 und eventuell iOS.

Video: Die Duke-Nukem-Geschichte

(Quelle: ign)

Video: Der erste «Duke-Nukem-Forever»-Trailer von 1998

(Quelle: NUKEMDAVE/YouTube)

Video: «Duke Nukem 3D» von 1996

(Quelle: Forsete/YouTube)

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