Kontrollverlust: Tobende Trainer schaden ihren Teams
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KontrollverlustTobende Trainer schaden ihren Teams

An der Seitenlinie verlieren einige Fussballtrainer gerne mal die Nerven. Andere hingegen bleiben stets die Ruhe selbst. Forscher haben herausgefunden, was den Unterschied macht.

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Ausser ihrem Beruf haben Jürgen Klopp, Uli Forte und Lucien Favre noch mehr gemeinsam. Denn die Fussballtrainer sind für ihre häufigen Ausraster bekannt. Wenn ihren Mannschaften Fehler unterlaufen oder der Schiri ein Foul übersieht, dann schreien, pfeifen und gestikulieren sie wie wild. Dabei verziehen sie ihre Gesichter mitunter zu grässlichen Fratzen. Doch es gibt auch andere, wie den FCB-Coach Murat Yakin. Ihn kann wirklich nichts aus der Ruhe bringen.

Warum die einen explodieren und die anderen entspannt bleiben, haben die Sportpsychologen Andrew Will und Paul Davis von den Universitäten Leeds und Northumbria untersucht. Dafür befragten sie 238 aktive Trainer aus verschiedenen Sportarten zu ihrem Umgang mit Erwartungen. Dabei sei der Aspekt des Perfektionismus zentral, berichten die Forscher im Fachjournal «Motivation and Emotion».

Trainer sind Perfektionisten

Psychologen unterscheiden zwischen zwei Arten von Perfektionismus. Die eine Form orientiert sich stärker am Streben nach selbst gesetzten Zielen einer Person. So gepolte Menschen können sich gut organisieren und sind emotional stabil. Sie sind somit eher in der Lage, mit einem Scheitern konstruktiv umzugehen.

Anders die Perfektionisten des anderen Typs. Sie orientieren sich stärker an den Erwartungen, die von anderen an sie gestellt werden. Diese kommen so lange gut zurecht, wie alles gut funktioniert. Läuft es anders, kann die Stimmung kippen. Solche Personen gelten als anfällig für Depressionen.

Auf Trainer bezogen ist diese Erkenntnis nicht uninteressant. So könnte das Ergebnis der Studie Teambesitzer künftig bei der Trainerauswahl beeinflussen. Denn die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass die Probleme eines von anderen angetriebenen Perfektionisten nicht nur ihn allein betreffen, sondern auch seine Mitstreiter. «Emotionen sind ansteckend. Ein Trainer, der es nicht schafft, seine Wut im Zaum zu halten, könnte die Leistungen der Athleten schwächen», so Davis in einer Mitteilung. Und damit könnte er genau das erzielen, was er eigentlich vermeiden wollte.

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