Aktualisiert 30.01.2020 20:39

Mann in Zürich erstochenTobias K. muss 20 Jahre ins Gefängnis

Im Hafturlaub soll Tobias K. im Seefeld mit einem Messer ein Zufallsopfer getötet haben. Er wurde am Donnerstag vom Bezirksgericht wegen Mordes verurteilt.

von
tam

Das Gericht hat Tobias K. verurteilt. (Video: tam)

Die Anklage

Von seinem unbegleiteten Hafturlaub im Juni 2016 kehrte Tobias K.* nicht ins Gefängnis Pöschwies zurück. Dort sass er wegen Freiheitsberaubung und versuchter Erpressung. Nach dem Bräteln mit seiner Familie ging er laut Anklageschrift zu einem Bekannten, wo er einen Erpresserbrief an den Zürcher Kantonsrat verfasst haben soll.

Darin forderte er im Namen einer unbekannten Täterschaft die Entlassung eines litauischen Häftlings innert weniger Tage. Zu diesem habe K. im Gefängnis eine enge Freundschaft aufgebaut. Werde das Ultimatum nicht eingehalten, würde wahllos ein Mensch getötet, später weitere. Zudem stand drin, dass K. in die Fänge der Täterschaft geraten sei. Beigelegt waren gestellte Fotos, wie K. mit Kabelbinder gefesselt und blutüberströmtem Kopf auf dem Boden liegt. Das Blut dafür habe er sich mit einer Spritze entnommen.

18 Zentimeter langes Messer

Nach abgelaufener Frist habe sich K. in der Coop-Filiale bei der Bahnhofbrücke in Zürich ein 18 Zentimeter langes Fleischmesser gekauft und dann Ausschau nach einem Opfer gehalten. Im Seefeld traf er am nächsten Tag auf einen 42-jährigen Mann, der auf einer Mauer sass und eine E-Zigarette rauchte. K. soll ohne Vorwarnung fünfmal zugestochen haben. Das Opfer starb noch vor Ort.

Auf der Flucht habe K. am Tatort seinen Hut verloren und unterwegs das Tatmesser weggeworfen und die Kleider gewechselt haben. Dann tauchte er unter. Erst im Januar 2017 konnte eine Spezialeinheit ihn «unter heftiger Gegenwehr» in Burgdorf BE verhaften. Auf der Suche nach Waffen und gefälschten Ausweisen im Darknet war er auf einen verdeckten Ermittler reingefallen. Er hatte mit ihm Verkaufsgespräche geführt und Treffen vereinbart.

Familie erpressen

Den Plan für den Brief und die Tötung sollen Tobias K. und der litauische Mithäftling gemeinsam geschmiedet haben. Sie wollten laut der Anklageschrift möglichst schnell in die Freiheit kommen, um gemeinsam gegen eine vermögende Familie vorzugehen und diese zu erpressen. Hintergrund davon ist eine wirre Lügengeschichte des Litauers, der bereits wegen versuchter Erpressung der gleichen Familie im Gefängnis sass. Zu K. soll der Litauer gesagt haben, dass er belastendes Material besitze.

Am Mittwoch beginnt die Gerichtsverhandlung vor dem Zürcher Bezirksgericht. Angeklagt sind der 27-jährige Tobias K. und der 39-jährige Litauer wegen Mordes und der Vorbereitung weiterer Morde. Die Staatsanwaltschaft fordert für beide Beschuldigten eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie eine Verwahrung.

*Name der Redaktion bekannt

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