Neue Regierung in Afghanistan - Tobt unter den Taliban-Anführern ein tödlicher Machtkampf?
Aktualisiert

Neue Regierung in AfghanistanTobt unter den Taliban-Anführern ein tödlicher Machtkampf?

Unterstützer zweier rivalisierender Gruppierungen sollen sich im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Kabul geprügelt haben.

von
Florian Osterwalder
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Mullah Abdul Ghani Baradar, der stellvertretende Premierminister von Afghanistan, soll Kabul verlassen haben. 

Mullah Abdul Ghani Baradar, der stellvertretende Premierminister von Afghanistan, soll Kabul verlassen haben.

REUTERS
Demnach soll sich die Führungsriege der Taliban in die Haare geraten sein. Vor allem die Taliban-Gruppe Haqqani soll dabei federführend gewesen sein. Im Bild Bildungs-Minister Abdul Baqi Haqqani. 

Demnach soll sich die Führungsriege der Taliban in die Haare geraten sein. Vor allem die Taliban-Gruppe Haqqani soll dabei federführend gewesen sein. Im Bild Bildungs-Minister Abdul Baqi Haqqani.

AFP
Die Taliban-Führung ist sich untereinander nicht einig, wer am meisten zum Sieg über die USA beigetragen hat. 

Die Taliban-Führung ist sich untereinander nicht einig, wer am meisten zum Sieg über die USA beigetragen hat.

AFP

Darum gehts

  • Beim Streit soll es darum gegangen sein, wer wie viel Anteile an der Vertreibung und dem Sieg über die USA habe.

  • Die Rede ist sogar von einer Keilerei zwischen zwei rivalisierenden Taliban-Gruppierungen.

  • Angeblich sollen sich vor allem Abdul Ghani Baradar und Khalil ur-Rahman Haqqani in die Haare geraten sein.

Die Taliban haben nach dem Abzug westlicher Truppen in Afghanistan wieder die Macht übernommen. Und bereits wenige Tage nach der Bildung einer neuen Regierung soll es im Präsidentenpalast in Kabul zu einem wüsten Streit gekommen sein. Die Rede ist sogar von einer Keilerei zwischen zwei rivalisierenden Taliban-Gruppierungen, wie hochrangige Beamte der militanten Islamistengruppierung gegenüber der BBC sagten.

Beim Streit soll es darum gegangen sein, wer wie viel Anteil an der Vertreibung und dem Sieg über die USA habe und wie die Macht-Verteilung im neuen Kabinett aussieht. Offiziell wurden die Berichte von den Taliban dementiert. Der Streit kam ans Licht, weil der Taliban-Mitbegründer, Mullah Abdul Ghani Baradar, für mehrere Tage von der Bildfläche verschwunden war.

Angeblich sollen sich vor allem Baradar und Khalil ur-Rahman Haqqani – Flüchtlingsminister und einer der Anführer des militanten Haqqani-Netzwerkes – in die Haare geraten sein. Dies berichtete eine Quelle der Taliban gegenüber BBC. Demnach sollen sich ihre Anhänger in der Gegend rund um Kabul bekämpft haben. Ein weiteres hochrangiges Taliban-Mitglied, welches sich jedoch im Exil in Katar befindet, soll den Streit ebenfalls bestätigt haben.

Stellvertretender Premier soll mittlerweile in Kandahar sein

Baradar soll sich mittlerweile nicht mehr in Kabul aufhalten und ist nach Angaben mehrerer Quellen in die Stadt Kandahar im Süden des Landes gereist. In einer Tonaufnahme, welche angeblich von Baradar selbst veröffentlicht wurde, soll der Mitgründer der Taliban gesagt haben, er sei «auf Reisen gewesen».

«Wo immer ich auch bin, es geht uns allen gut», so Baradar. Die Echtheit der Aufnahme, die auf mehreren Websites der Taliban veröffentlicht wurde, konnte bislang aber nicht überprüft werden. Zuletzt wurden aber sogar Gerüchte laut, dass Baradar bei einer Schiesserei getötet worden sein soll.

Die Islamistenorganisation hat in den letzten Wochen und Monaten wieder die Kontrolle über das Land am Hindukusch übernommen und dabei erklärt, dass es in Zukunft ein «Islamisches Emirat» sein werde. Das Übergangskabinett, das gegründet wurde, besteht hauptsächlich aus Männern und hochrangigen Taliban Anführern. Vor allem Frauen werden unter den neuen Machthabern in Afghanistan unterdrückt. Demnach soll im Land wieder die Scharia eingeführt werden.

Die Scharia

Die Bedeutung des Begriffs Scharia hängt von dessen Auslegung ab. Prinzipiell bedeutet der Begriff Weg oder Weg zur Quelle, also zur göttlichen Wahrheit, inklusive der Riten, Überzeugungen und Normen. Die Interpretation des Begriffs ändert sich je nach Zeit , Ort und Gesellschaft. Die üblicherweise transportierte Bedeutung einer gewalttätigen, diskriminierenden Scharia entspricht nicht der Realität der Schweizer Muslime, ebenso wenig tut dies, die von den Taliban propagierte Sichtweise.

Einige Punkte, wie die Scharia bei den Taliban interpretiert wird:

  • Diebe werden öffentlich ausgepeitscht oder durch Amputationen bestraft.

  • Ohne Burka und ohne einen männlichen Blutsverwandten ist es Frauen untersagt vor die Tür zu gehen.

  • Frauen sollen in der Öffentlichkeit nicht sprechen. Kein Fremder soll die Stimme einer Frau hören.

  • Sollten Schwule beim Geschlechtsverkehr erwischt werden, werden sie gesteinigt, oder von einer Mauer, die auf sie fallen gelassen wird, zerquetscht.

  • Frauen zu fotografieren oder zu filmen ist untersagt. Ebenso ist es verboten, weibliche Personen zur Schau zu stellen – wie etwa auf Magazinen oder Plakaten.

  • Frauen ist es nicht gestattet, sich auf der Terrasse oder dem Balkon ihrer Wohnungen oder Häuser aufzuhalten.

  • Unverheiratet Unzucht zu betreiben, wird mit Peitschenhieben bestraft.

  • Der Konsum von berauschenden Substanzen – zum Beispiel Alkohol – wird mit Schlägen geahndet.

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