Krematorium : Tochter kann Zahngold der Mutter nicht spenden
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Krematorium Tochter kann Zahngold der Mutter nicht spenden

Mehrere Goldzähne hatte eine Frau im Mund – nach ihrem Tod wollte ihre Tochter den Erlös daraus spenden. Doch das Krematorium winkte ab.

von
num
Für einen Laien kaum zu erkennen: So sieht Zahngold nach der Kremation aus.

Für einen Laien kaum zu erkennen: So sieht Zahngold nach der Kremation aus.

Screenshot SRF

Die Tochter einer verstorbenen Frau wundert sich: Ihre Mutter hatte in ihrem Testament angegeben, dass ihr Zahngold nach der Kremation für wohltätige Zwecke gespendet werden solle. Doch das Krematorium in Locarno beschied der Tochter, dass das Gold nicht von der Asche separiert werden könne.

Die Tochter sagt zu 20 Minuti: «Ich verstehe das nicht, Gold schmilzt vielleicht – aber es löst sich nicht in Luft auf.» Sie sei sehr traurig gewesen, den letzten Willen ihrer Mutter nicht erfüllen zu können. Das liege an der Technik, heisst es im Tessin: So könne man zwar Metalle magnetisch herausfiltern, aber die winzigen Goldreste zu finden, sei nicht möglich. Deshalb blieben diese in der Asche und würden in die Urne mitgegeben.

Mit Erlös wird der Friedhof finanziert

In der Deutschschweiz wird der Umgang mit Zahngold unterschiedlich gehandhabt. Das Krematorium Solothurn verfügt über eine moderne Aschemühle, die jegliches Metall in einen gesonderten Behälter gibt. Dieser wird periodisch geleert und der Inhalt einem lokalen Goldschmied übergeben, wie Stadtschreiber Hansjörg Boll sagt.

Der Erlös vom Verkauf des Edelmetalls gehe an die Friedhofsfinanzierung. Boll sagt: «Wenn Angehörige wünschen, das Zahngold nach der Kremierung zu erhalten, wäre dies möglich – es ist aber noch nie vorgekommen.» Häufiger komme vor, dass jemand den Ehering mit in die Urne geben wolle.

Spende an Palliativ-Organisation

Dass das Krematorium Solothurn das Edelmetall verkauft, sorgte vor einiger Zeit für Kritik – da nicht festgehalten worden war, wie die Erlöse eingesetzt wurden. Das Bestattungsreglement sei nun entsprechend angepasst worden, sagt Stadtschreiber Boll. Im Krematorium Rüti ZH wird übriggebliebenes Edelmetall verkauft und der Erlös einer Palliativ-Organisation übergeben.

Kodex wünscht Transparenz

Vor einiger Zeit hat der Verband der Schweizer Krematorien einen Verhaltenskodex ausgearbeitet. Darin heisst es, dass der Umgang mit Wertstoffen den Angehörigen transparent und klar deklariert werden müsse. Verbands-Vizepräsident Hannes Schneider sagt: «Es handelt sich aber um eine Empfehlung. Wie es die Krematorien machen, ist ihnen überlassen.»

Im Krematorium Aarau werde alles Metall mit der Asche in die Urne gegeben und den Hinterbliebenen ausgehändigt. Gold sei in der Asche sowieso kaum zu erkennen. «Da ist nur noch ein kleines verfärbtes Klümpchen, das sich nicht vom Rest abhebt.»

2,2 Gramm Gold pro Bestattung

Laut Schneider gehe Zahngold bei Kremationen sowieso von Jahr zu Jahr zurück, da Zahnärzte dies heute nicht mehr verwendeten. Eine Studie des deutschen Bestatter-Bundes kam vor einigen Jahren zum Schluss, dass durchschnittlich pro Kremation 2,2 Gramm Gold anfallen.

Genaue Zahlen aus der Schweiz gibt es nicht. Umgerechnet auf die 53'000 Kremationen, die in der Schweiz jährlich durchgeführt werden, würde die Berechnung bedeuten, dass jährlich Gold im Wert von 3,7 Millionen Franken in den Urnen landet, falls es nicht aussortiert wird.

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