Tochter vegetiert im Verlies – Fritzl macht Ferien
Aktualisiert

Tochter vegetiert im Verlies – Fritzl macht Ferien

Die Enthüllungen um den Inzest-Vater aus Amstetten werden immer bizarrer: Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das Josef Fritzl in den Ferien auf Pattaya zeigt – während seine Tochter und drei der gemeinsamen Kinder in seinem Keller ohne Licht und Hoffnung vegetierten.

Die «Bild»-Zeitung berichtet über ein Interview mit dem Münchner Rentner Paul H., der F. seit 1973 kenne und mit ihm zwei Mal nach Thailand gefahren sei. Auch habe er ihn mehrmals zu Hause besucht.

Im Urlaub sei Josef F. immer früh schlafen und nicht mit in die Bar gegangen; einmal habe er sich von einer jungen Thailänderin am Strand massieren lassen, die ihm sehr gut gefallen habe, wird Paul H. zitiert. Zudem habe er Josef F. beobachtet, wie er einmal ein Abendkleid und Reizwäsche für eine schlanke Frau gekauft habe. Josef F. sei wütend geworden und habe erzählt, er habe neben seiner Frau eine Freundin, für die die Kleidungsstücke bestimmt seien.

Er sei drei Mal in dem Haus in Amstetten gewesen, in dessen Keller Josef F. seine Tochter Elisabeth gefangen hielt und missbrauchte, sagte H. dem Bericht zufolge. Ihm sei aber nichts aufgefallen. In dem Haus sei alles «tip-top» und überall sei weisser Marmor verlegt gewesen. Josef F. habe viel umgebaut und sei ein «handwerkliches Genie» gewesen.

Zu Hause ein Despot

H. beschreibt F. als anständig, aufgeschlossen und lustig. Er sei sehr unterhaltsam gewesen und habe in Gasthäusern teilweise auch die Nebentische noch mit unterhalten. Zu Hause bei seiner Familie sei er allerdings ein Herrscher und ein Despot gewesen. «Er konnte richtig zornig werden. Dann wurde er zu einem anderen Menschen», wird H. zitiert.

Seine Frau sei ihm hörig gewesen und habe immer das gemacht, was F. gesagt habe. Wenn das Gespräch auf die angeblich verschwundene Tochter kam, habe sie sich in die Küche zurückgezogen, weinen habe er sie aber nicht gesehen.

Die Tochter Elisabeth sei als Kind sehr zurückhaltend und schüchtern gewesen. F. habe sie offenbar nicht so sehr gemocht wie die anderen Kinder. «Er hat sie auch mehr geschlagen. Wegen jeder Kleinigkeit hat die ein paar bekommen. Als die Elisabeth verschwunden war, erzählte er mir, sie sei bei einer Sekte», wird H. zitiert. Fritzls Ehefrau Rosemarie habe keine Gespräche mitverfolgen wollen, wenn es um Elisabeth ging: «Sie hat sich dann immer in die Küche zurückgezogen», erinnert sich H. «Aber geweint hat sie nie. Die war eiskalt.»

Die österreichischen Behörden konnten Berichte über angebliche Thailand-Urlaube F.'s nicht bestätigen, hielten es aber für möglich, dass er Vorräte im Kellerverlies anlegte, damit seine Tochter und die zuletzt drei dort gefangen gehaltenen Kinder überleben konnten.

TV-Tipp:

Die Sendung «Reporter» zeigt heute die Reportage «Fabienne bricht ihr Schweigen - Reden über sexuellen Missbrauch» (Mittwoch, 30. April, 22:20 Uhr auf SF1).

Experten gehen davon aus, dass in der Schweiz jedes Jahr 40’000 - 50'000 Kinder sexuell ausgebeutet werden. In 80 Prozent der Fälle kommt der Täter aus dem direkten sozialen Umfeld oder aus der eigenen Familie.

So auch bei Fabienne. Was für das Kleinkind mit Berührungen begann, endete mit Geschlechtsverkehr im Teenageralter. Sie wurde vom eigenen Vater missbraucht.

Heute, 10 Jahre später, geht es Fabienne wieder gut. Es war ein schmerzhafter und weiter Weg, von dem Fabienne in eindrücklichen Worten erzählt. Ungeschönt berichtet sie von den Erlebnissen in ihrer Kindheit und von der Auseinandersetzung mit ihren Eltern. Sie will damit anderen Opfern zeigen, dass es auch mit diesem schwierigen Hintergrund ein Leben gibt, welches sich lohnt. Auch wenn die Spuren und Narben nicht einfach wegzuwischen sind.

Wiederholungen: Donnerstag 1.5.2008, 05.30 Uhr / Samstag 3.5.2008, 16.45 Uhr auf SF1

Wiederholungen: Donnerstag 1.5.2008, 05.30 Uhr / Samstag 3.5.2008, 16.45 Uhr auf SF1

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