Aktualisiert 21.10.2016 09:05

Frau gestorbenTod durch Ecstasy – Arzt und Partner unschuldig

Ein Arzt gab einem Paar starkes MDMA, das die Frau nahm. Sie war in Lebensgefahr, doch ihr Partner brachte sie spät ins Spital. Er und der Arzt wurden der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

von
20M
Eine Frau konsumierte hochdosiertes MDMA. Nun mussten sich ihr Partner und ein Arzt vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten.

Eine Frau konsumierte hochdosiertes MDMA. Nun mussten sich ihr Partner und ein Arzt vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten.

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Der Deutsche (39) und die Prostituierte (27) trafen sich laut Anklageschrift jeweils in einem Fitnessclub im Zürcher Unterland, um «ihre Beziehung und das sexuelle Verlangen auszuleben». An einem Morgen Anfang 2014 schwebte die Frau jedoch in Lebensgefahr.

Der Sicherheitsangestellte erkannte, dass seine «Nymphe» Hilfe benötigte. Doch er beseitigte zuerst während einer Dreiviertelstunde die Spuren der Nacht und fuhr dann mit ihr zu einem Kollegen, der sie ins Spital brachte. Doch die junge Frau war inzwischen tot. Befund: akutes Herzversagen nach Einnahme einer Überdosis Ecstasy.

Wie es dazu genau gekommen war, blieb teilweise unklar. Klar ist aber, wie alles angefangen hatte. Am Vortag hatte der 39-Jährige seinem Freund, einem Arzt, ein SMS geschrieben und ihn gefragt, ob er nicht ein «gutes Medikament» habe, um sich gehen lassen zu können. Der Arzt, selber Kokainkonsument, hatte das Amphetamin MDMA.

Starkes MDMA

Der Arzt – unerfahren mit Ecstasy – schenkte seinem Freund die mehreren 100 Milligramm MDMA in kristalliner Form. Dass er vom Arzt sehr guten, das heisst starken, nahezu reinen Stoff erhalten hatte, wusste der Deutsche. Der Arzt sagte der Frau dann auch, dass sie damit aufpassen solle, und forderte sie auf, den Stoff auf ihr Zimmer im Erotiketablissement zu bringen. Doch sie packte das Minigrip-­Säcklein ein.

Was sich ab Mitternacht im 1. Stock des Fitnessclubs abspielte, ist nicht restlos geklärt. Der 39-Jährige sagte, dass er es nicht bemerkt habe, dass die 27-Jährige das Ecstasy konsumierte habe. Laut dem Bezirksgericht Bülach konnte dem Mann das Gegenteil nicht bewiesen werden. Es sei zu vermuten, dass die Frau, die seit zehn Jahren im Milieu tätig und mit Drogen auch nicht unvertraut war, das MDMA «im Wissen um die Substanz freiwillig und selbstständig in einem ­Getränk auflöste und konsumierte».

Arzt praktiziert wieder

Das Bezirksgericht sprach die beiden Männer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Jeder Mensch hat das Recht, sich eigenverantwortlich selbst zu gefährden, selbst wenn er «im Bewusstsein der mangelnden Sachkenntnis ein Risiko» eingeht. Nach der Rechts­prechung macht sich auch diejenige Person nicht strafbar, die eine solche Selbstgefährdung veranlasst, ermöglicht oder fördert.

Bestraft wurde der 39-Jährige aber wegen unterlassener Nothilfe und Drogendelikten und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und einer Busse von 300 Franken verurteilt. Mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen und einer Busse von 500 Franken wurde der Arzt bestraft, der das Ecstasy abgegeben hatte. Beide Männer sassen 22 Tage in Untersuchungshaft. Der Arzt praktiziert wieder.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger» bearbeitet von 20 Minuten.

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