Aktualisiert 04.01.2013 12:50

Folgenschwerer Sturz

Tod eines Kriegshelden

Er hat den Versehrten unter den US-Soldaten ein Gesicht gegeben, sein Hochzeitsfoto ging um die Welt. Nun hat die heimische Natur geschafft, was dem Feind nicht gelang: Tyler Ziegel ist tot.

von
phi

«Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen», sagte einst Plato. Bei den Überlebenden geht die Schlacht im Kopf weiter. Das drückt sich in nackten Zahlen aus: Während nur zehn Prozent der US-Soldaten an posttraumatischer Belastungsstörung leiden, die an der Heimatfront ihren Dienst tun, sind es bei den kämpfenden Einheiten 32 Prozent. Am stärksten sind dabei diejenigen GIs betroffen, die im Einsatz verwundet worden sind.

Verlobung nach 30 Operationen

So wie Tyler Ziegel, den es am 21. Dezember 2004 erwischte: Ein Selbstmordattentäter sprengte sich im Irak in der Nähe seines Lastwagens in die Luft. Der damals 22-jährige Amerikaner aus Illinois verlor bei dem Anschlag drei Finger seiner rechten Hand, den kompletten linken Unterarm, sein rechtes Auge und sein Antlitz: Sein Gesicht wurde grossflächig verbrannt und entstellt. Wäre sein Hochzeitsfoto nicht weltberühmt geworden, hätte davon niemand erfahren.

Als Ziegel sich aber 2006 mit seiner Verlobten Renee Kline von Fotografin Nina Berman ablichten liess, wurde sein Schicksal über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das Hochzeitsfoto wurde als bestes Presse-Portrait des Jahres 2007 ausgezeichnet und führte vielen US-Bürgern vor Augen, was der Krieg aus ihren Söhnen und Töchtern macht. 30 Operationen hatte der Veteran über sich ergehen lassen müssen, bis er nach zwei Jahren einigermassen wiederhergestellt war. Die Ehefrau trennte sich bereits Ende 2007 wieder von «Ty», der fortan die Blicke der Menschen allein ertragen musste.

Ein Jahr verheiratet, ein Leben lang gezeichnet

Nachdem die selbst erklärten Gotteskrieger im Zweistromland den Marine-Infanteristen nicht umbringen konnten, hat vergangene Weihnachten die Natur dem 30-Jährigen das Leben genommen: Am 26. Dezember 2012 rutschte Ziegel auf einer Eisfläche in seinem Heimatstädtchen Metamora aus und verletzte sich so schwer, dass er im Spital verstarb.

2000 Flaggen säumten laut Lokalpresse bei seiner Beerdigung am 31. Dezember die Strassen: Für die Bewohner, von denen die meisten dem Veteranen die letzte Ehre erwiesen, war Ziegel ein Held. «Es ist so wichtig, dass wir die Beerdigung so beeindruckend wie möglich machen. Solange die Leute sich an die Flagge erinnern, werden sie sich auch an Tyler erinnern», erläuterte Larry Eckhardt dem «Journal Star». Der Amerikaner hat anlässlich der Trauerfeier einige Fahnen an Mitbürger verschenkt. «Es ist eine Ehre, das tun zu dürfen.»

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