«Tod für Bush»
Aktualisiert

«Tod für Bush»

Schwere Ausschreitungen während der grössten anti-amerikanischen Proteste seit dem Sturz der Taliban haben in Afghanistan mindestens vier Menschen das Leben gekostet.

71 weitere wurden verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. In Dschalalabad im Osten des Landes zogen hunderte Studenten randalierend durch die Strassen und riefen «Tod für Amerika» und «Tod für Bush». Auslöser war ein Bericht, wonach Soldaten auf dem US-Stützpunkt Guantanamo den Koran entweiht haben sollen.

«Sie sind sehr wütend und über die ganze Stadt verteilt», sagte der Geheimdienstchef der Provinz, Sardar Schah. Polizisten eröffneten das Feuer auf die Demonstranten. US-Soldaten hätten Warnschüsse in die Luft abgegeben, berichtete Schah weiter. Augenzeugen zufolge konnten die Sicherheitskräfte die Lage erst am Nachmittag unter Kontrolle bringen.

Die Demonstranten zertrümmerten Auto- und Schaufensterscheiben und schleuderten Steine auf einen amerikanischen Militärkonvoi. Der Mob verschaffte sich darüber hinaus Zutritt zu zwei Liegenschaften der Vereinten Nationen und steckte dort Autos in Brand. Auch das Büro einer schwedischen Hilfsorganisation wurde angegriffen und geplündert. Ausserdem gingen das pakistanische Konsulat sowie die Residenz des Konsuls in Flammen auf, wie ein pakistanischer Diplomat mitteilte.

Unter den Verletzten seien sieben Polizisten, berichtete das Innenministerium. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörden sagte, zwei Opfer seien erschossen worden. Viele der Verletzten, die meisten von ihnen Studenten, würden wegen Schusswunden behandelt.

Auch in der Nachbarprovinz Laghman und in Chost kam es zu Protesten, die allerdings friedlich verliefen. Nach Berichten von Augenzeugen forderten die Studenten die Freilassung aller Gefangener auf Guantanamo und eine Zusage, dass «die US-Truppen nicht für immer in Afghanistan bleiben».

Dem Bericht des US-Magazins «Newsweek» zufolge legten US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo Exemplare des Korans auf Toiletten aus. In mindestens einem Fall sei «ein heiliges Buch im Klo heruntergespült» worden. Das US-Aussenministerium bezeichnete ein derartiges Verhalten am Dienstag als verwerflich. Sprecher Tom Casey sagte, die Vorwürfe seien ernst und müssten überprüft werden. (dapd)

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