Berufungsprozess: Tod nach einem Faustschlag ist selten
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BerufungsprozessTod nach einem Faustschlag ist selten

Bei einer Schlägerei vor einer Aarauer Disco erhielt Nicky Hoheisel einen Faustschlag. Zwei Monate später starb er. In der Berufung wurde nun das Strafmass für den Täter reduziert.

Drei Jahre nach einer tödlichen Schlägerei hat das Aargauer Obergericht am Mittwoch das erstinstanzliche Urteil gegen einen 23-jährigen Schweizer weitgehend bestätigt. Das Gericht reduzierte die Freiheitsstrafe aber um eines auf vier Jahre.

Das Obergericht sprach den Mann in der Berufungsverhandlung der schweren Körperverletzung, der fahrlässigen Tötung und des Raufhandels schuldig. Es bestehe «kein Zweifel», dass er im Juli 2007 einem 19-jährigen Schweizer vor der Aarauer Discothek «Kettenbrücke» einen Faustschlag ins Gesicht gegeben habe.

«Einzig aus Rache»

Die Vorsitzende des Gerichtes sagte in der Urteilsbegründung weiter, der Mann habe das Opfer «einzig aus Rache» in den Kopf geschlagen. Er habe ein «primitives Reaktionsmuster» gezeigt. Die Tat sei «verwerflich».

Nach dem Faustschlag war das Opfer, das 1,8 Promille Alkohol im Blut hatte, zusammengesunken, wurde bewusstlos und starb zwei Monate später im Kantonsspital Aarau. Der 19-Jährige erlag einem Sauerstoffmangel als Folge des Faustschlages, wie ein medizinisches Gutachten ergab.

Die vom Bezirksgericht Aarau im Oktober ausgesprochene Freiheitsstrafe von fünf Jahren sei jedoch «zu hoch», vier Jahre seien «angemessen». Es sei aussergewöhnlich, dass ein einzelner Faustschlag ins Gesicht zum Tod geführt habe. Dieser Umstand wirke sich strafmildernd aus, hiess es in der Urteilsbegründung.

Kein Kontakt zur Opferfamilie

Bei der Befragung durch das Obergericht wirkte der sportliche Mann mit Kurzhaarschnitt ruhig. Er konnte sich nicht präzis an alle Einzelheiten erinnern. «Es ist traurig. Es hätte nicht sein müssen und nicht passieren sollen», sagte er.

«Ich war und bin kein gewalttätiger Mensch.» Auf ein Schlusswort verzichtete er jedoch. Zur Opferfamilie nahm er nie Kontakt auf. Die Mutter hatte nach dem Tod des Sohnes die Öffentlichkeit gesucht und sich in Projekten gegen Jugendgewalt engagiert.

Verteidiger wollte Freispruch

Zur Verhandlung vor Obergericht kam es, weil der Pflichtverteidiger das erstinstanzliche Urteil angefochten hatte. Er forderte, dass der Fall vor Bezirksgericht neu verhandelt werde. Die Schuld seines Mandanten sei nicht hinreichend bewiesen. Als Eventualantrag plädierte er - wie bereits am Prozess vor Bezirksgericht - auf Freispruch.

Der Verteidiger blitzte ab. Das Obergericht wies auch den Antrag ab, ein zweites medizinisches Gutachten zur Todesursache des Opfers zu erstellen. Er kritisierte das Vorgehen der Anklage scharf. «Die Öffentlichkeit schreit danach, dass jemand verurteilt wird», sagte der Verteidiger.

Der Staatsanwalt hatte die Anträge des Verteidigers abgelehnt. Das Obergericht solle das erstinstanzliche Urteil bestätigen. Der Mann habe den Tod des Opfers verursacht. Vor Bezirksgericht hatte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert.

(sda)

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