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«NO CPR»Todes-Stempel stürzt Ärzte ins Dilemma

Mit einem Stempel auf der Brust kann man neu klar machen, dass man im Notfall nicht wiederbelebt werden will. Ärzte und Sanitäter stecken in einem Dilemma.

von
hal
John Marinello von der No CPR GmbH präsentiert seinen Stempel gegen Herzmassagen.

John Marinello von der No CPR GmbH präsentiert seinen Stempel gegen Herzmassagen.

«NO CPR» prangt in Grossbuchstaben auf der Brust von John Marinello. Es steht für «No Cor-Puls-Reanimation», also «keine Beatmung oder Herzmassage». Wie der 70-Jährige haben sich seit dem 1. September rund 130 vor allem ältere Menschen bei der Firma No CPR für 141 Franken einen Stempel bestellt. Sie alle wollen im Notfall nicht reanimiert werden, weil sie fürchten, danach mit schweren Hirnschäden weiterleben zu müssen. «Ich will lieber sterben als nur noch dahinzuvegetieren», sagt Marinello. Alle zwei, drei Tage drückt er den abwaschbaren Stempel auf seine Brust.

Die «Lizenz zum Sterben» konnte man bisher schriftlich in Patientenverfügungen festhalten. Im Notfall werden diese von den Sanitätern aber nicht beachtet: «Suchen sie im Portemonnaie nach einer Patientenverfügung, geht wertvolle Zeit verloren», erklärt Roland Portmann von Schutz und Rettung Zürich im «Tages-Anzeiger». Der Stempel bringt die Helfer nun in ein Dilemma: Sie wissen um den Willen des Patienten, aber ihr oberstes Credo ist es, Leben zu retten. Zudem sind rechtliche Fragen offen. Sie würden deshalb «zurzeit trotz Stempel reanimieren», sagt Portmann. Marinello will dagegen «jeden juristisch verfolgen, der mich gegen meinen Willen wiederbelebt». Klare Anweisungen für Ärzte und Sanitäter sind also unumgänglich. Denn schon in wenigen Wochen soll der Stempel auch in Apotheken zu kaufen sein. (hal/20 Minuten)

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