Aktualisiert 21.06.2016 15:17

Luzern

Todesbiss-Serie auf Rehe durch freilaufende Hunde

In kurzer Zeit wurden in einem Luzerner Stadtwald mehrere Rehe totgebissen. Experten könnten sich vorstellen, dass sich ein einziger Hund auf solche Todes-Bisse spezialisiert hat.

von
mme
Neben ausgewachsenen Rehe fielen auch jüngere Tiere den Hunden zum Opfer. (Symbolbild Keystone)

Neben ausgewachsenen Rehe fielen auch jüngere Tiere den Hunden zum Opfer. (Symbolbild Keystone)

In Luzern sind innert drei Monaten fünf Rehe von einem oder mehreren Hunden totgebissen worden – trotz Leinenpflicht von April bis Juli. Die zuständige Jagdgesellschaft reichte nach der ungewöhnlichen Häufung Strafanzeige gegen Unbekannt ein.

Die Rehe wurden im Gebiet Sonnenberg-Gütschwald tot aufgefunden, berichtete die «Neue Luzerner Zeitung». Nach einer Analyse der Kadaver gehen die Behörden davon aus, dass die Bisse von einem Hund stammen. DNS-Analysen liegen allerdings zur Zeit noch keine vor.

Bei den toten Rehen wurden bei den Biss-Wunden DNA-Spuren gesichert. Sollte ein bestimmer Hund ins Visier der Behörden geraten, werden diese ausgewertet und mit jener des Hundes abgeglichen.

«Auf Wildrisse spezialisiert»

Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei in der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern, bestätigte die Meldung der tödlichen Attacken auf Rehe. «Das Ganze ist unerklärlich», sagte Amrein. «Eine Vermutung besteht darin, dass sich mehrere Hunde oder ein einzelnes Tier auf Wildrisse spezialisiert hat.»

Bei solchen Angriffen spiele der Urinstinkt des Hundes eine Rolle: Wenn ein Hund einmal mit einem Angriff Erfolg gehabt habe, vergesse er das nicht mehr und versuche weitere Male zuzuschlagen, sagte Amrein.

Rehe verenden elendiglich

Offen ist, welche Art Hunde als «Täter» in Frage kommen. «Die Grösse des Hundes ist nicht entscheidend, sondern sein Jagdtrieb. Auch ein kleinerer Hund oder mehrere kleine Tiere könnten für die Risse verantwortlich sein.» Leider sei es so, dass ein Reh bei Hunde-Attacken nicht sofort sterben: «In den meisten Fällen kommt es zu einem längerem Kampf zwischen Hund und Reh. Denn im Gegensatz zum Luchs gehen Wölfe oder Hunde nicht mit gezieltem Biss an die Gurgel der gejagten Tiere.»

Bei den getöteten Rehen handle es sich um Jungtiere wie auch um ältere Rehe. Laut dem Bericht der Neuen LZ wurden im Gebiet abgetrennte Rehläufe gefunden, in einem Fall hat ein Hund auch ein Fleischfetzen samt Fell aus dem Reh gebissen und gefressen.

Über die Ermittlungen will Amrein nichts sagen will, um sie nicht zu gefährden. «Das Gesetz erlaubt den Jagdaufsichtsorganen als äusserstes Mittel das Erlegen eines Hundes direkt am Riss, wenn das Wildtier anders nicht geschützt werden kann. Faktisch kommt dieses Mittel aber kaum je zur Anwendung.»

Hunde müssten eigentlich an der Leine sein

Zum Schutz von Wildtieren führte der Kanton Luzern 2014 eine Leinenpflicht für Hunde jeweils zwischen dem 1. April und dem 31. Juli ein. Seitdem hätten Attacken auf Wildtiere abgenommen, sagte Amrein. An den meisten Orten werde die Leinenpflicht eingehalten.

Grundsätzlich müssen Hundehalter unabhängig von der Leinenpflicht ihre Tiere beaufsichtigen. Bei solchen Attacken würden Halter gegen die Hunde-Verordnung und das Jagdrecht verstossen. Fehlbare Hundebesitzer müssen mit einer Anzeige rechnen.

Attacken von Hunden auf Wildtiere kommen immer wieder vor. Im Frühling 2015 wurden im luzernischen Ebersecken auf einer Weide drei Schafe von Hunden gerissen.

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