Aktualisiert 23.08.2005 11:30

Todesopfer in Brienz - Pegel steigen langsamer

Die Hochwasserlage hat das Berner Oberland weiterhin fest im Griff.

In Brienz forderte das verheerende Unwetter ein Todesopfer. Eine Person wurde schwer verletzt, eine dritte wird noch vermisst.

Die drei Personen wurden Opfer des Glyssibachs, der kurz nach Mitternacht acht Häuser völlig und dreizehn weitere teilweise zerstörte, wie Gemeindepräsident Peter Flück auf Anfrage sagte. Nachdem sich die Lage scheinbar etwas beruhigt hatte, riss der Glyssibach die acht Häuser mit sich.

Unterdessen habe sich die Situation an den Bächen bei Brienz nicht weiter zugespitzt, heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Von den Unwettern stark heimgesucht wurde auch das nahe Oberhasli. Dort wurde die Privatklinik Meiringen überflutet. Ein Teil der Patienten musste in Sicherheit gebracht werden.

Luftbrücke in Lütschinentäler

Die Lütschinentäler sind nach wie vor von der Umwelt abgeschnitten. Eine Luftbrücke per Helikopter wird rege genutzt, wie bei der Berner Oberländer Helikopter AG auf Anfrage verlautete.

Die Lötschbergachse im westlichen Oberland ist für den Bahntransit weiterhin gesperrt. Der Regionalverkehr läuft mit Einschränkungen.

Prekäre Lage im Frutigtal

Im Frutigtal ist die Lage weiterhin angespannt. In Aeschi mussten über 100 Personen evakuiert werden. Bei Reichenbach ist der gesamte Talboden überflutete und mit Schutt bedeckt. Über 200 Personen wurden per Helikopter in Sicherheit gebracht. Der obere Dorfteil ist weitgehend zerstört.

Inzwischen hat es im Kanton Bern aufgehört zu regnen. Die Zuflüsse zu den Seen führen nicht mehr ganz so viel Hochwasser. Die Pegel der Seen steigen langsamer. Der Thunersee steht wenige Zentimeter unter der Marke des Jahrhunderthochwassers von 1999.

Im Emmental hat sich die Lage etwas beruhigt. Dort sind die Aufräumarbeiten voll im Gang. Die Lage in der Stadt Bern präsentierte sich am Dienstagmorgen ähnlich wie am Vorabend. Die Aare hatte sich auf hohem Niveau stabilisiert.

Schäden wie 1999

Die Gebäudeversicherung (GVB) schätzt die Schäden im Kanton Bern deutlich höher als noch am Montag. Wie hoch die Summe klettere, könne noch nicht gesagt werden, doch rechnet die GVB mit einem Schadenausmass wie beim Jahrhunderthochwasser 1999. Damals gab es Schäden von 69 Mio. Franken.

Auch auf diverse Aktivitäten politischer und anderer Natur haben sich die Unwetter ausgewirkt. In Thun wurde das für Dienstagabend geplante Fussballfest nach dem Champions League-Qualifikationsspiel Thun-Malmö abgesagt. Die bernische SVP sagte ihre Delegiertenversammlung in Spiez ab.

(sda)

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