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BundesgerichtTodesraser muss bezahlen

Ein Mann aus dem Kosovo, der vor gut fünf Jahren bei Muri im Aargau einen schweren Verkehrsunfall mit zwei Toten und sieben Verletzten mitverursacht hat, muss der Ehefrau und den Kindern eines Opfers 74 000 Franken Genugtuung und Schadenersatz zahlen.

Der damals 29-jährige Mann aus dem Kosovo, der keinen Fahrausweis besass, war im November 2003 mit seinem Auto Richtung Wohlen gefahren. Als ihn ein Lenker aus Serbien-Montenegro, mit Frau und vier Töchtern im Auto, im Tempo-80-Bereich überholen wollte, beschleunigte der Kosovare sein Fahrzeug, worauf beide Autos auf einer Strecke von rund 350 Metern mit bis zu 116 Kilometern pro Stunde nebeneinander her fuhren. Keiner der beiden wollte nachgeben - auch nicht, als ihnen ein drittes Fahrzeug entgegen kam.

Obwohl der Überholende eine Vollbremsung einleitete, konnte er eine Frontalkollision nicht mehr vermeiden. Die Lenker der beiden Autos wurden getötet. Sieben Personen, darunter Ehefrau und Töchter des Überholenden, wurden teils schwer verletzt. Der Kosovare blieb unverletzt.

Die Ehefrau und ihre vier Töchter klagten im Strafprozess gegen den Kosovaren auf Schadenersatz und Genugtuung. Das Aargauer Obergericht sprach der Ehefrau 26 000 Franken und den vier Töchtern je 12 000 Franken Genugtuung zu. Ausserdem verpflichtete das Obergericht den Mann, 40 Prozent des Versorgerschadens und 100 Prozent der Heilungskosten der Ehefrau zu übernehmen.

Die Witwe und ihre Kinder erachteten die Genugtuung als zu tief und riefen das Bundesgericht an. Dessen I. zivilrechtliche Abteilung hat nun aber den Entscheid des Aargauer Obergerichts vollumfänglich bestätigt. Da der beim Unfall getötete Ehemann beim Unfall mitschuldig war, indem er sich auf der Strasse ein unverantwortliches Kräftemessen mit dem Kosovaren geliefert hatte, kürzte das Obergericht die Genugtuungsleistung zu Recht wegen Selbstverschuldens um 60 Prozent.

(Urteil 4A_423/2008 vom 12.11.2008) (dapd)

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