Amoklauf von Menznau: Todesschütze war der Polizei bekannt
Aktualisiert

Amoklauf von MenznauTodesschütze war der Polizei bekannt

Kam die Bluttat von Menznau LU doch nicht so unvermittelt? Kollegen des Täters sprechen von früheren Todesdrohungen. Mittlerweile ist klar: Der Schütze war polizeilich registriert.

von
bem

Der 42-jährige Täter habe sich in den Wochen vor der Tat spürbar verändert, schreibt der «Blick» unter Berufung auf Kollegen und Vorgesetzte. Hilfe habe er aber abgelehnt mit den Worten, er regle das auf seine Weise.

Kurze Zeit später sei es zu einem Streit während der Nachtschicht gekommen, bei dem der Täter ausgerastet sei und geschrien habe: «Gopferdami! Ich bringe euch alle um!»

Nach dem Amoklauf von Menznau

Auch von einer Ehekrise ist die Rede, und dass der Täter an Verfolgungswahn gelitten habe. Unterdessen wird bekannt, dass der Schütze vorgängig polizeilich registriert war. Ein Sprecher der Luzerner Polizei bestätigte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine entsprechende Meldung im «Blick». Weshalb der 42-jährige Schweizer den Behörden bekannt war, dazu machte der Sprecher keine Angaben. Ob der Mann vorbestraft war, konnte er nicht sagen.

Zu den Drohungen und den Aussagen von Arbeitskollegen in mehreren Medien, wonach der mutmassliche Täter Probleme in der Familie und am Arbeitsplatz gehabt haben soll, nahm der Polizeisprecher keine Stellung.

Erste Gedenkfeier

Gestern hatten Angehörige und Kollegen an einer liturgischen Feier der Opfer der Gewalttat von Menznau gedacht. Die Trauernden konnten dabei selbst ihre Gedanken zum Vorgefallenen formulieren.

Am Tag nach dem Furchtbaren nehme dieses den Menschen noch immer das Wort und den Atem, sagte der katholische Pfarrer von Willisau, Martin Walter, in der Kirche Peter und Paul. Die Feier sei ein Zeichen der Menschlichkeit und könne der Anfang von Trost sein.

Zentrales Thema an der ökumenischen Feier, an der auch der reformierte Willisauer Pfarrer Ivar Siffert und der katholische Gemeindeleiter von Menznau, Markus Kuhn, teilnahmen, war die Sprachlosigkeit. Das Unfassbare lasse sich eigentlich nicht in Worte fassen, sagte Walter.

CEO rang um Fassung

Der Luzerner Regierungsrat Guido Graf sagte, ein dramatischer Augenblick habe vieles verändert. Er würde gerne mit den richtigen Worten Trost spenden. Im Moment könne er aber nur mit den Trauernden fühlen.

Ähnlich äusserte sich Mauro Capozzo, CEO der Firma Kronospan, in der sich am Mittwoch die Bluttat mit vier Todesopfern ereignet hatte. Die Kronospan-Familie werde zusammenstehen, sagte er in seiner Ansprache, in der er mehrmals um Fassung ringen musste.

Die Feier bot den Anwesenden aber auch die Gelegenheit, nach Worten zu suchen. Die Trauernden konnten ihre Gedanken auf Holzspäne schreiben, die nach der Feier vor der Kirche verbrannt wurden. Viele machten von dem Angebot Gebrauch. «Öffnen sie ihr Herz, sprechen sie über ihre Gefühle», sagte Walter.

Erklärungsversuche für das Vorgefallene gab es keine. Die Frage nach dem Warum müsse heute offenbleiben, sagte Graf. Doch auch die Politik müsse das Geschehene nun verarbeiten.

Gedenkfeier in Willisau. (Video: Keystone) (bem/sda)

Deine Meinung