Nahostkonflikt: Todesstrafe für Landverkauf

Aktualisiert

NahostkonfliktTodesstrafe für Landverkauf

Palästinenser und Israelis versuchen, einer definitiven Grenzziehung mit Landkäufen zuvorzukommen. Beide Seiten schrecken dabei vor wenig zurück.

von
Kian Ramezani
Israelische Grenzmauer zwischen Jerusalem und Ramallah in der Westbank.

Israelische Grenzmauer zwischen Jerusalem und Ramallah in der Westbank.

Auf den Verkauf palästinensischen Landes an Israelis steht die Todesstrafe, hat ein Gericht der palästinensischen Autonomiebehörde entschieden und so eine langjährige Praxis bestätigt. In einer Erklärung wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass das Urteil dem Schutz eines künftigen, unabhängigen palästinensischen Staates dient, berichtet die Nachtichtenagentur «Ma'an». Erst letztes Jahr wurde ein Mann, der Land an ein israelisches Unternehmen verkauft hatte, zum Tod durch den Strang verurteilt. Seine Hinrichtung ist aber sehr unwahrscheinlich, da Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Todesurteilen regelmässig seine Unterschrift verweigert.

Die Palästinenser versuchen aber nicht nur, den Verlust von Boden an Israel zu verhindern, sondern auch aktiv Land hinzu zu kaufen. Laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung «Haaretz» finanzierten 2009 Investoren aus den Golfmonarchien den Kauf von hunderten Hektaren privaten Agrarlands in Nordisrael. Israelische Landwirtschaftsverbände hatten erfolglos versucht, dem Verkauf zuvorzukommen, konnten aber das nötige Kapital nicht aufbringen. Im Juni 2010 hatte der Chef des israelischen Inlandgeheimdienstes gewarnt, die Hamas kaufe vermehrt Grundstücke in Ostjerusalem.

Staatliches Land nur für Israelis

Auch Israel bleibt nicht untätig, sondern versucht wie die Gegenseite, Landkäufe zu forcieren und -verkäufe zu erschweren. Die Anstrengungen konzentrieren sich grösstenteils auf Jerusalem, dessen Teilung Israel unbedingt verhindern will. Gemäss einer Studie der israelischen Nonprofit-Organisation «Ir Amim» können die arabischen Einwohner Jerusalems kaum Boden in der Stadt erwerben, da das meist staatliche Land israelischen Staatsbürgern vorbehalten ist. 2009 zwang ein israelisches Gericht zwei palästinensische Familien im mehrheitlich arabischen Stadtteil Sheikh Jarrah zur Räumung ihrer Häuser, die unmittelbar danach von jüdischen Familien bezogen wurden.

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